Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Korrektur

Das Finanzsystem wackelt. Einige Kommentatoren sehen die größte Krise seit der „großen Depression“ von 1929. Anleger ergriff gestern die Panik. An den Devisen-, Aktien- und Rohstoffmärkten herrschte zeitweise Ausverkaufstimmung. Die Ölpreise purzelten ins Bodenlose. Rohöl gab in New York zwischenzeitlich zehn Prozent nach. Benzin erlebte den stärksten Verlust seit Einfügung des Kontrakts. Die überfällige Korrektur der Preise nahm ihren Lauf. Allerdings führte der noch nicht weit. Denn nachdem die Verluste scheinbar groß genug waren, traten neue Käufer auf den Plan und hoben den Ölpreis so weit an, dass am Ende nur ein Minus von vier Prozent zum Vortag stand. Beim Dollar sah die Lage ähnlich aus. Nach anfangs heftigen Verlusten berappelte sich die Währung, so dass ein tagesüblicher Rückgang übrig blieb.

Charttechnisch ist der Aufwärtstrend immer noch intakt. Wer noch Geld investieren mag, sieht sich im Ölmarkt weiterhin gut aufgehoben. Investmentbanken geben nach wie vor entsprechende Empfehlungen heraus. Solange den bullischen Spekulanten die Lust nicht nachhaltig vergeht, wird der Ölpreis somit weiter steigen.

Die Frage, wie weit der Ölpreisanstieg noch führen kann, bleibt heiß. Sie ist nicht zu beantworten. Zu beantworten ist allenfalls, warum der Ölmarkt ein so großes Interesse der Spekulanten gefunden hat. Dieser Markt, von dem man annehmen sollte, dass er wegen seiner Bedeutung für die Weltwirtschaft vollkommen transparent ist, befindet sich informationstechnisch im Mittelalter. Niemand weiß wirklich Bescheid, wie es um das weltweite Ölangebot steht. Die existierende Datenflut dient eher der Vernebelung als der Aufklärung. In vielen veröffentlichten Zahlen steckt Wunschdenken. Mehr oder weniger wird das so von der IEA (Internationale Energie Agentur) bestätigt. Sie versuchte gestern an einem runden Tisch mit wichtigen Produzenten-, Verbraucher- und Informationsvertretern eine Verbesserung der Lage zu initiieren. Ein greifbares Ergebnis brachte das Treffen nicht. Für Spekulanten ist das Dunkel des Ölmarkts perfekt. Ein solcher Markt lässt sich trefflich mit Halbwissen und Gerüchten manipulieren.

Wie viel Öl sich noch im Boden befindet, kann nur geschätzt werden. Ob die rasant fortentwickelte Technologie zur Förderung des Öls eine Erhöhung der Fördermengen zulässt oder ob sie lediglich eine gewaltige Anstrengung zur Aufrecherhaltung des gegenwärtigen Angebots ist, weiß niemand. Wie potent oder wie abgebrannt Saudi Arabien als wichtigster Öllieferant der Welt ist, bleibt unbekannt. Die Politik der Nichtinformation wurde von Saudi Arabien in den 1980er Jahren eingeführt. Damit hat sich das Land einen Bärendienst geleistet. Denn generell sind die Saudis an einer verlässlichen Ölpolitik sehr interessiert. Ihre Markt ausgleichende Haltung haben sie oft unter Beweis gestellt. Aber in der Frage der offenen Information über den wahren Zustand ihrer Quellen sind sie weiterhin zugeknöpft. Und so sind auch sie dem Treiben der Spekulanten ausgesetzt. Momentan lebt es sich als Produzent gut mit diesem Treiben. Das kann aber plötzlich umschlagen. Eine langfristig gut geplante Ölpolitik lässt sich damit kaum bewerkstelligen.

Bei all dem Dunkel um den Ölmarkt können, um sich der Preisfrage ein wenig anzunähern, zwei Eckpunkte genannt werden. Der eine ist der durch die Kosten der Förderung bestimmte Ölpreis. Natürlich ist auch dieser Preis nicht transparent. Die Schätzungen geben aber einen Eindruck, wo er ungefähr liegen könnte. Je nach Region und Quelle werden Kosten zwischen 15 und 80 Dollar pro Barrel genannt. Sie sind stark steigend. Ein aktueller Konsenswert von 30 bis 40 Dollar dürfte realistisch sein. Der andere Eckpunkt ließe sich durch den Arbeitswert des Öls markieren. Energetisch steckt in einem Barrel Öl die Jahresarbeit von zwei hart arbeitenden Menschen. Mit dieser Zahl lässt sich abschätzen, wie wertvoll ein Barrel Öl ist. Es sind zwei Jahreslöhne eines Schwerarbeiters.

Heute Morgen bewegt sich wenig an der Preisfront. Die Tonne Gasöl kostet 973,00 $. Eine leichte Abwärtstendenz ist zu beobachten.

Unsere Heizölpreise gaben gestern nach. Auch heute Morgen stehen sie unter Abgabedruck. Substanz hat diese freundliche Richtung noch nicht. Derzeit kann man nur hoffen, dass sie weiter abwärts führt. Wer über die Preisentwicklung gut informiert bleiben möchte, aber esyoil nicht täglich besuchen will, sollte sich unseres kostenlosen Emaildienstes „Preisaktion“ bedienen.

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