Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Krieg ist zurückgekehrt

Die letzte Woche hätte aus Verbrauchersicht kaum schlechter laufen können. Die Preise legten kräftig zu. Sie befinden sich wieder im Aufwärtstrend. Heizöl erreichte hierzulande ein neues Jahreshoch.

Der Grund für den plötzlichen Schwenk des zuletzt vielversprechenden Preisverlaufs braucht kaum genannt zu werden. Der Irakkrieg ist zurückgekehrt und mit ihm die Sorge über die Ölversorgung aus der Region.

Das Kriegsthema allein macht aber derzeit nicht die Preise. Aus den USA kamen grottenschlechte Daten über die Entwicklung der Ölvorräte. In China ist keine Ende der gewaltigen Ölnachfrage in Sicht. Spekulationen über ein Abflauen der Importe im zweiten Quartal wurde revidiert. Und in den USA steht es weiterhin kritisch um die Benzinversorgung.

Durch Entschwefelungsforderungen, denen einige US-Raffinerien nicht entsprechen können, sinkt die eigene Benzinproduktion um knapp 0,2 Mio. Barrel pro Tag. In Kalifornien, New York und Connecticut gehen durch weitere Umstellungen zusätzliche Mengen verloren. Und die sehr unterschiedlichen Umweltvorschriften verhindern immer stärker die Möglichkeit, Benzin aus ausländischen Raffinerien hinzuzukaufen. Der US-Benzinmarkt treibt den gesamten Ölkomplex in die Höhe.

Die OPEC-Entscheidung über die ab April einsetzenden Lieferkürzungen wirkte ebenfalls preistreibend. Inzwischen zeichnet sich allerdings ab, dass die Kürzungen nicht umgesetzt werden. Angesichts der allgemeinen Lage bringt das dennoch kaum Erleichterung in die Preislandschaft.

Händler rechnen nicht unbedingt mit einem Davonfliegen der Preise. Die Mehrheit ist der Ansicht, dass die schlechten Zahlen aus den US-Tanklagern in dieser Woche korrigiert werden und damit Druck auf die Preise entsteht. Die großen Investmentfonds, die in den letzten Monaten die Hochpreisphase verursacht hatten, ziehen sich weiter aus dem Geschäft zurück.

Charttechnisch ist die Händlermeinung allerdings kaum nachzuvollziehen. Der Aufwärtstrend ist eindeutig zurückgekehrt. Es bedarf schon starker Argumente, um ihn jetzt zu bezwingen.

Der Dollar sollte in Kriegszeiten nachgeben und die steigenden Ölpreise für Europa kompensieren. Das ist momentan nicht der Fall. Die scheinbar gut laufende US-Wirtschaft verschafft dem Dollar statt dessen Auftrieb. Das ist bitter für Verbraucher auf dem alten Kontinent.

Die Gasölpreise ziehen heute Morgen an. Der Anstieg fällt allerdings deutlich schwächer aus, als das der New Yorker Vorosterhandel erwarten ließ. Die Tonne kostet 298$.

Unsere Heizölpreise haben am Donnerstag vor Ostern einen erneuten Sprung in die Höhe gemacht. Anfang der letzten Woche war klar, dass die Preise anziehen werden. Es erschien aber fast unmöglich, dass sie die jüngsten Preisrückgänge komplett annullieren werden. Das ist nun geschehen. Der Wocheneinstieg der Rotterdamer Preise lässt etwas Hoffnung aufkeimen, dass wir vor weiteren Preissteigerungen verschont bleiben. Der Trend hingegen gibt kaum etwas Gutes her. Momentan fällt es uns schwer, einen Rat zu geben. Wenn der Aufwärtstrend sich festsetzen sollte, wäre jeder Tag, der bis zu einer möglichen Bestellung verginge, ein Verlusttag. Andererseits gibt es die Hoffnung, dass die Ölversorgung stark genug ist, um die Vorräte weiter aufzubauen und die Preise doch zu drücken. Aber es herrscht Krieg im Irak ohne absehbares Ende. Und das ist immer schlecht für die Ölpreise.

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