Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Langsam sinken die Preise

Die letzte Woche brachte Verbrauchern erneut einen Gewinn. Die Preise sanken weiter. Seit Anfang April hat Rohöl rund 10$ eingebüßt. Der Markt befindet sich in einem soliden kurzfristigen Abwärtstrend. Noch steht der langfristige Aufwärtstrend. Es mehren sich aber die Stimmen, die ihn in Frage gestellt sehen. Der US-Dollar wird dagegen immer stärker. Reihenweise geben Währungsspekulanten ihre Positionen auf Dollarverluste auf. Nun scheint der Aufwärtstrend zunächst einmal gestoppt zu sein. Die Serie überraschend positiver Wirtschaftsdaten hat einen Dämpfer durch den Verbrauchervertrauensindex bekommen.

Große Spekulanten haben ihren Überhang an Positionen auf steigende Rohölpreise vollständig eliminiert. Bei den Produkten Heizöl und Benzin gibt es diesen Überhang noch. Für Heizöl steigt er. Für Benzin sinkt er. Die Einstellung dieser mächtigen Marktteilnehmer spiegelt die reale Versorgungssituation gut wider. Die Tanklager für Rohöl sind überdurchschnittlich gut gefüllt. Es gibt mehr Benzin als im Vorjahr. Nur die Heizöllager zeigen ein niedriges Niveau, das mit Blick auf die zweite Jahreshälfte Besserung verlangt.

Die Raffineriekapazitäten sind der Engpass im weltweiten Versorgungsstrang. Des Verbrauchers Leid ist der Raffineriegesellschaften Freud. Auf Grund der hohen und weiter steigenden Nachfrage einerseits und der seit Jahren nicht mehr erweiterten Kapazitäten andererseits verfügen sie nun über ?Goldesel?, die ihnen unglaubliche Gewinne in die Kassen spülen. In Deutschland wurden die höchsten Betriebsgewinne der letzten 25 Jahre, die auf das Jahr 1991 zurückgehen, im Jahr 2004 um fast 60% übertroffen. Zum Bau von Raffinerien sind auf Grund der immensen Kosten nur wenige Unternehmen in der Lage. Diese haben kein Interesse, ihre Gewinnsituation zu verwässern. Von der Planung bis zur Inbetriebnahme einer Raffinerie vergehen viele Jahre. In den entwickelten Industrieländern nehmen die Genehmigungsverfahren die längste Zeit in Anspruch. Ihr Erfolg ist zudem ungewiss. Aus diesen Gründen wird sich in absehbarer Zeit nichts am Zustand knapper Raffineriekapazitäten und damit am allgemeinen Preisniveau für Ölprodukte ändern.

Vieles deutet darauf hin, dass die Rohölversorgung ihren Einfluss auf die Preisbildung zu Gunsten der Produkte verliert. Experten haben ihren sorgenvollen Blick bezüglich der Rohölversorgung vollständig gelockert. Die neue Zuversicht bezieht sich nicht nur auf die aktuelle Fördersituation. Auch längerfristige Prognosen fallen besser aus als vor wenigen Wochen. Mittlerweile wird die Reservekapazität für den Jahresverlauf als ausreichend angesehen. Bis zum Jahresende soll sie 3 Mio. Barrel pro Tag betragen. Die Menge reicht aus, um den hohen Bedarf im vierten Quartal zu befriedigen. Die zusätzlichen Mengen kommen nach jüngsten Schätzungen nicht nur von der OPEC. Gegen frühere Aussagen sollen Nicht-OPEC-Länder stärker zu der Steigerung beitragen. Russland, Brasilien, Aserbaidschan, Angola u.a. werden genannt. Die Nachfrage nach OPEC-Öl soll zum Jahresende sogar niedriger sein als im Vorjahr. Dennoch plant die OPEC eine Erhöhung der Förderkapazitäten. Möglicherweise brachte diese Prognose den OPEC Präsidenten und Ölminister von Kuwait, Ahmed el-Sabah, dazu, seine Aussage vom Versorgungsengpass zu revidieren und das Preisziel für das OPEC-Barrel auf 40$ zu reduzieren. In den Reihen der OPEC gibt es aber auch Verlustkandidaten. Venezuela und Indonesien sind nicht mehr in der Lage, ihre OPEC-Quoten zu erfüllen. Ihre Produktionen liegen mehr als 30% darunter.

Die von Ölskeptikern postulierte Peak-These, wonach das mögliche Fördermaximum überschritten sei, findet eine starke Gegenposition. So sieht die IEA (Internationale Energie Agentur), deren Betrachtungshorizont breit angelegt ist und weit über das Öl hinausreicht, den Höhepunkt erst in 20 bis 30 Jahren kommen. Die gestiegenen Preise werden das Nachfragewachstum auf natürliche Weise dämpfen. Alternative Energien werden auf Grund der als hoch empfundenen Ölpreise attraktiver werden. Diese für die Menschheit positive Entwicklung wird die Reichweite des Öls verlängern. Sie trägt aber auch dazu bei, dass die Positionen von Lieferländern und Verbraucherländern stabiler werden. Keiner von beiden wird den anderen dominieren können.

Aktuell ist mit einer leichten Steigerung der Preise zu rechnen. Diese Einschätzung geht auf die charttechnische Sicht der Dinge zurück. Die letzte Abwärtswelle hat ihr Minimum wahrscheinlich durchlaufen. Für einen weiteren Preisrückgang muss sich neues Abwärtspotential aufbauen.

Der Gasölpreis lässt heute Morgen Spielraum für diese These. Der Preis von 424$ pro Tonne liegt deutlich über dem Freitagstief.

Unsere Heizölpreise fallen mittelfristig gemächlich weiter. Sprünge sind nicht in Sicht. Die Marke von 40 Cent pro 3000 Liter Liefermenge ist recht weit entfernt. Sie zu erwarten, erscheint weiterhin sehr spekulativ. Erst nach dem endgültigen Bruch des langfristigen Aufwärtstrends sehen wir den Weg dafür bereitet. Um diesen Bruch zu erzwingen, bedarf es nach unserer Ansicht neuer Phantasien von sprudelnden Ölfeldern und ungebremster Verarbeitung zu Heizöl und Benzin. Diese sind trotz aller Entspannung derzeit abwegig.

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