Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Leerverkäufer geleimt

Schock am Abend. Der Preis für US-Rohöl springt um 25 Dollar in die Höhe. Es ist schon wieder ein Rekordwert und ein einmaliger Fall in der Geschichte. Als Auslöser wird sofort die US-Finanzkrise identifiziert. Verbraucher, die die späte Nachricht aufnehmen, reagieren geschockt. Panikkäufe werden ausgelöst. Aber die sind unnötig, denn der Preissprung wird sich nicht im Heizöl niederschlagen. Für eine ruhigere Hand hätte eigentlich der Blick auf den Brentpreis sorgen sollen. Der klettert zwar auch, aber in einem regulären Maß.

Was war geschehen? Gestern war der letzte Handelstag des WTI-Kontrakts (US-Rohöl) in New York, der im Oktober zur Lieferung von Ware führt. Besitzer von Long-Kontrakten haben die vertragliche Zusage, pro Kontrakt 1.000 Barrel Rohöl zu bekommen. Halter von Short-Kontrakten, das sind Leerverkäufer, müssen pro Kontrakt 1.000 Barrel Rohöl liefern. Kurz vor Handelsschluss zeigte sich, dass für die Marktlage zu viele Short-Kontrakte im Umlauf waren. Die Leerverkäufer hatten sich offensichtlich verspekuliert. Das nutzten die Käufer gnadenlos aus. Sie verzichteten auf ihren Anspruch, Öl zu bekommen, indem sie ihre Kontrakte zu überteuerten Preisen an die Verkäufer abgaben. Das trieb den Preis exorbitant in die Höhe. Es betraf aber weder den Brent-Kontrakt in London noch den WTI-Kontrakt für November. Also, Spuk am Abend ohne Folgen für den Verbraucher.

Ganz anders aber dennoch bullisch stellt sich die aktuelle Preissituation dar. Die Ölnotierungen befinden sich in einer kräftigen Gegenbewegung zum Abwärtstrend. Sie drohen in einen Aufwärtstrend überzugehen. An fundamentaler Unterstützung mangelt es nicht. Es gibt beachtliche Lieferausfälle in Nigeria, Einschränkungen durch Saudi Arabien und noch lang anhaltende Probleme als Folge der Hurrikane Gustav und Ike, die sowohl die Förderung als auch die Weiterverarbeitung betreffen. Einige Bohrplattformen im Golf von Mexiko seien verschwunden und sieben Raffinerien blieben für längere Zeit geschlossen, ist zu hören.

Zu den ureigenen Belangen der Ölindustrie gesellen sich in einer kaum zu durchschauenden Gemengelage die Auswirkungen der Finanzkrise. Die gestrige Preisexplosion beim WTI-Kontrakt hat damit nichts zu tun. Der allgemeine Preisanstieg beim Öl wird aber vom Dollarabsturz unterstützt. Erneut kommt es zu Fluchtbewegungen spekulativen Kapitals aus dem Devisenmarkt in den Rohstoffmarkt. Dass der Dollar so stark unter Druck gerät, ist Ausdruck des Zweifels am Rettungsplan der US-Regierung. Dieser hat vier Schwachpunkte, die einer detaillierten Klärung bedürfen.

Da ist zunächst die Frage, wo die gewaltigen Geldmengen herkommen sollen, die die Regierung verteilen will. Weiter muss beschrieben werden, wie die mit viel Aufwand in komplizierten Finanzpaketen versteckten und weltweit verstreuten faulen Kredite aufgespürt werden sollen. Es muss sichergestellt werden, dass die Protagonisten des Desasters, die sich die Taschen nicht voll genug stopfen konnten, nicht erneut auf den Plan treten, um abermals zu verdienen, dieses Mal an den Rettungsgeldern. Goldman Sachs und Morgan Stanley, die letzten verbliebenen Investmentbanken haben sich bereits in die Pole Position zur Abzocke gebracht, indem sie sich flugs zu normalen Geschäftsbanken wandelten. Schließlich will die Welt die Botschaft hören, die verhindert, dass eine Rettung als Freifahrtschein für Finanzhasardeure interpretiert wird. Denn niedergemetzelt wurde bisher allenfalls das Finanzsystem. Die grenzenlose Gier ist nicht besiegt.

Bei derartig vielen Fragezeichen ist es kaum vorstellbar, dass die Rettungsaktion in absehbarer Zeit Wirkung zeigt. Vielmehr muss man davon ausgehen, dass die Auswirkungen auf die Realwirtschaft noch lange anhalten werden. Dieser Umstand wird auf den Ölpreis drücken. Höchst wahrscheinlich wird er der aktuell bullischen Lage in Kürze Paroli bieten und erneut einen Abwärtskurs verursachen. Das stünde dann auch in Übereinstimmung mit einer prominenten Charttheorie.

Heute Morgen ist eine Andeutung von Abwärts zu erkennen. Die Tonne Gasöl kostet 979 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 107,15 Dollar.

Unsere Heizölpreise ziehen weiter an. Ursächlich ist der Auftrags-Tsunami im Binnenmarkt. Der New Yorker Preiswahnsinn beim Rohöl gestern Abend ist nicht der Grund. Die Heizöllieferanten sind vollkommen überfordert. Die nachgefragten Mengen sind in einer angemessenen Zeit nicht lieferbar. Verbraucher, die nicht unbedingt Heizöl benötigen, weil ein Leerstand aufgetreten ist, sollten sich aus dem Markt fern halten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise davon galoppieren ist eher gering. Sobald die Nachfrage abebbt, werden die Margen sinken. Das Preisrückgangspotenzial aus dem Binnenmarkt beträgt fünf bis acht Prozent. Damit Verbraucher zukünftig nicht wieder in einen vollkommen überkauften Markt laufen, empfehlen wir, sich neben der Marktbeobachtung ein besseres Bild von der eigenen Verbrauchssituation zu schaffen. Hierzu bieten wir kostenlos das Logbuch für den Heizölverbrauch an. Häufig mangelt es auch nur an der genauen Kenntnis über den Heizölvorrat, weil Tanks keine Einsicht gewähren. Auch hierzu bieten wir Abhilfe mit unserem elektronischen Peilstab. Der ist nicht kostenlos aber preiswert.

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