Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Libyen wird als Signal gehandelt

Natürlich ist Libyen heute Morgen der Aufmacher. Das Ölland versinkt im Chaos. An den Börsen geht man das Chaos mit. Positive Konjunkturdaten wichtiger Industrieländer sind plötzlich irrelevant. Spekulanten handeln die Angst. Sie werfen ihr Geld in Ölpapiere und entziehen es den Aktienmärkten. Ölpreise steigen rasend schnell. Aktien verlieren an Wert. Was Analysten gestern über den Ölmarkt erklärten, ist heute nicht mehr gültig.

Das klingt wild. Aber momentan gibt es keinen Grund zur Panik, denn Libyen ist keinesfalls ein Öllieferant der ersten Liga. Weltweit ist das Land die Nummer 18 unter den Produzenten. Es trägt zwei Prozent zur globalen Ölversorgung bei. Ein Totalausfall könnte ohne große Probleme durch Saudi Arabien aufgefangen werden. Mehr noch, sogar den Totalausfall aller nordafrikanischen Produzenten (Algerien, Libyen, Ägypten, Tunesien) könnten die Saudis stemmen. Das ist dann allerdings die Grenze des Machbaren. Problematischer sieht die Lage für einige Kunden Libyens aus. Zu ihnen gehört Deutschland. Wir beziehen knapp acht Prozent unseres Öls aus Gaddafis Reich. Nur Kasachstan, Norwegen, Großbritannien und Russland liefern uns größere, im Fall Russlands sehr viel größere Mengen.

70 Prozent der Produktion nordafrikanischer Ölländer geht in den Export. Nach Europa werden 41,7 Prozent verschifft, in die USA 14,5 Prozent. Am europäischen Bedarf hat dieses Öl einen Anteil von 11,4 Prozent. Den US-Bedarf deckt es zu 3,3 Prozent. Soweit die Zahlen. Sie deuten auf eine nennenswerte Abhängigkeit Europas hin. Das gilt für die USA nicht. Insbesondere vor dem Hintergrund einer latenten Rohölüberversorgung, von der Medien seit Wochen berichten, sollte das libysche Chaos ohne Spuren für die USA bleiben.

Es sollte ohne Spuren bleiben, es bleibt aber nicht ohne Spuren. Hier kommt die Finanzszene ins Spiel. Sie scheint sich nicht für die nüchternen Zahlen zu interessieren. Sie nutzt eine weitere Gelegenheit zur Party um das große Geld. Besonders auffällig ist das absurde Treiben mit Blick auf die Notierungen der US-Rohölsorte WTI. Diese entwickelte sich seit Wochen konträr zu allen anderen Ölwerten abwärts, weil, wie angedeutet, angeblich weit mehr Menge zur Verfügung steht, als verarbeitet bzw. verbraucht werden kann. Gestern schoss der Preis dieser Sorte dennoch um sagenhafte 5,5 Dollar pro Barrel in die Höhe. Die seit Wochen mit Knappheit in Verbindung gebrachte Sorte Brent schaffte während des Tages hingegen nicht annähernd diese Performance. Erst in den Abendstunden zog sie mit der Vorgabe durch WTI gleich. Wir reden hier einerseits über Öl, das nicht gebraucht wird und deren Provenienz für die USA unbedeutend ist, andererseits über Öl, das als knapp betitelt wird, und dessen Herkunft sehr wohl von Bedeutung ist. Die Preisentwicklung spiegelt, wie in den vergangenen Wochen auch, keinesfalls den realen Sachverhalt wider, wobei unklar bleibt, wie es um die Sache in Wirklichkeit seht. Sie wird verschleiert und vernebelt. Mal gilt der globale Zusammenhang der Ölwelt, mal gilt er nicht. Wir gehen davon aus, dass die Ölpreisbildung massiver Manipulation ausgesetzt ist.

Das Börsengeschehen um die Ölpreise war und ist keine Sache nüchterner Zahlen. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Neu ist nur das Ausmaß der Entfernung von einem Geschehen, das in Zahlen messbar ist. Hierzu tragen bekanntermaßen auch die zur Linderung der Finanzkrise zusätzlich ins System geschleusten Finanzmittel bei. Unabhängig davon gibt es eine geradezu klassische Erklärung für die exzessive Entwicklung der Ölpreise. Gestern wurde nicht nur das libysche Chaos gehandelt. Gestern wurde auch die Angst gehandelt, dass sich die Unruhen in der arabischen Welt weiter ausbreiten könnten. Das scheint derzeit durchaus möglich zu sein. Damit bestünde die Gefahr, dass neben Algerien vor allen Dingen Saudi Arabien und der Iran betroffen werden. Wenn die Ölproduktion und der Export dieser Länder gefährdet werden, steht die industrialisierte Welt vor einem ernsthaften Problem, das auch in Zahlen als ein solches ausgedrückt werden kann. In diesem Fall müssten wir vermutlich den Begriff exzessive Preisbewegung neu fassen. Das, was gestern vorgeführt wurde, würde dem Titel kaum noch gerecht werden.

In der Nacht legten die WTI-Spekulanten noch eine Schippe nach. Sie hievten den Wert um weitere zwei Dollar in die Höhe. Der Spread auf Brent verringerte sich binnen eines Tages von 18 auf 14 Dollar pro Barrel. Heute Morgen scheinen die Spekulanten ausgepowert zu sein. Die Preise zeigen noch keine Tendenz zu weiteren Rennen. Die Kräfte können aber jederzeit zurückkehren. Es herrscht gespannte Unruhe. Die Tonne Gasöl kostet 910,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 93,90 Dollar und in London zu 107,73 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,76 Eurocent.

Unsere Heizölpreise zog es gestern rasant in die Höhe. Der Auftrieb kam von den Ölbörsen. Die Ursache liegt in Libyen. Zur Stunde sieht es so aus, als sollte der Auftrieb weitergehen. Nun kommt er aber vom Dollar und nicht aus der Ölwelt. Die Lage ist elektrisiert. Änderungen sind jederzeit möglich. Nur eines scheint unmöglich zu sein, ein Preisrückgang beim Heizöl in diesen Tagen, eventuell sogar in diesen Wochen und Monaten. Deshalb bleibt unser Rat bestehen, lieber früher als später Heizöl zu kaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen