Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Lust schlägt Angst

Neuer Tag andere Lage. Nicht in der Politik, nicht in der Wirtschaft, aber an den Börsen. Was gestern bullisch war, ist heute bärisch und umgekehrt. Einmal mehr zeigt die Finanzszene, dass sie die Welt mit ihrer Preisbildung nicht anhand volkswirtschaftlicher Fakten beurteilt, sondern wie eine Horde Trendscouts auf der Suche nach dem nächsten Börsenhype. Die Fakten sind in diesen Tagen außerordentlich stabil. Sie beschreiben die großen Volkswirtschaften in einer Spanne von „ganz ok, aber wackelig“ bis „läuft wie geschmiert“. Auf der durchwachsenen Seite stehen die USA, auf der Sonnenseite stehen China und Deutschland. Das war vor einer Woche so, das war gestern so und das ist heute so. Demgegenüber stiegen die Ölpreise am Montag rasant in die Höhe. Am Dienstag stürzten sie nicht minder rasant ab. Am Mittwoch schnellten sie schließlich noch viel rasanter wieder aufwärts. Der Idee nach sind die Ölnotierungen eine preisgewordene Abbildung von Angebot und Nachfrage. In der kurzfristigen Realität sind sie hingegen Spielball der Finanzszene. Langfristig haben sie immerhin noch einen realwirtschaftlichen Bezug. Langfristig bedeutet hier auf Sicht von mehreren Jahren.

Der Ölbedarf in den genannten Volkswirtschaften korrespondiert nicht mit ihrer Lagebeschreibung. Die USA und Deutschland brauchen beide weniger davon. China braucht mehr. Die erwartete Zunahme in China wird in den nächsten zehn Jahren auf ein Plus von sechs Mio. Barrel pro Tag hinauslaufen. Zeitgleich werden die USA ungefähr vier Mio. Barrel pro Tag weniger verbrauchen. Alle OECD-Länder zusammen werden einen Minderbedarf von knapp zehn Mio. Barrel pro Tag haben. Nun sind die genannten Länder nicht die einzigen Ölverbraucher auf dieser Erde. Es gibt einige Wachstumskandidaten, die das Ölangebot knapp werden lassen können. Es gibt andererseits vielfältige Möglichkeiten, einer drohenden Knappheit zu begegnen. Heute ist vollkommen offen, wie die Verhältnisse am physischen Ölmarkt in zehn Jahren aussehen werden.

Ginge es nach den Finanzjongleuren, würde dieser Markt leergefegt sein. Ihnen ist Mangel pure Lust. Diese Lust geht soweit, dass sie die gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen ignorieren. In ihren lustvollen Momenten jagen sie die Preise in die Höhe. Gestern schafften sie rund vier Prozent Lustgewinn. Die Lust wird allerdings immer wieder von Ängsten durchkreuzt, Ängste um das marode Finanzsystem, das ihnen ihr Spiel erst ermöglicht, und Ängste um den prognostizierten Ölmangel. Am Dienstag war so ein Angsttag. Er wird nicht der letzte gewesen sein.

Gestern hätte auch ein Angsttag gewesen sein können. Die Daten über die Entwicklung der US-Bestände zeigten nämlich nicht den erwarteten Rückgang an. Im Gegenteil, sie nennen steigende Vorräte. Das konnten die Finanzjongleure mit ihrer unbändigen Lust ausblenden. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gaben folgende Angaben zu Protokoll:

Rohöl: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,5 (DOE) bzw. 0,2 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 83 Prozent gefallen. Die Daten lassen den Schluss zu, dass die Ölnachfrage in den USA weiter hinter den Erwartungen zurück bleibt. Sie ist allerdings höher, als vor einem Jahr prognostiziert wurde. Damals war der Blick in die wirtschaftliche Zukunft sehr deprimierend.

Heute Morgen halten sich die Ölnotierungen auf dem gestern erreichten Niveau. Wohin die Reise gehen wird, ist offen. Trendgemäß sollten sie steigen, lustgemäß aus Sicht vieler Börsianer auch. Aber über allem schwebt die latente Angst vor einem Absturz, die zum Lustverzicht und zum Umschichten der Positionen in den Dollar führt. Der war gestern übrigens der große Verlierer des Tages. Die Tonne Gasöl kostet 737 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 86,72 Dollar und in London 88,99 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,19 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legen wieder zu. Von den Ölbörsen kam gestern gewaltiger Auftrieb. Immerhin wurde der durch das ebenfalls gewaltige Minus des Dollars gebremst. Die Richtung der Heizölpreise nimmt den befürchteten Lauf. Derzeit arbeitet der zwischen Ölnotierungen und Dollar wechselnde Preisschub gegen die Interessen der Ölheizer. Ein Ende dieser Konstellation sehen wir in den kommenden Wochen nicht vorher. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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