Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Man handelt unentschieden

Die kräftigen Preissteigerungen vom Donnerstag wurden zum Wochenschluss weitgehend neutralisiert. Als Ursache wird das Eintreten wichtiger OPEC-Staaten für die Aufrechterhaltung der aktuellen Fördermengen genannt. Die Ölminister des Kartells tagen heute in Kuwait. Der Dollar schwingt seit einem Monat um die Marke von 0,85 Euro. Aktuell wird er etwas billiger.

Aus der Ölpreisentwicklung lässt sich ein Aufwärtstrend herauslesen. Das sagt zumindest die Mehrheitssicht der Analysten. Wirklich klar ist dieser Trend nicht zu erkennen. Das aktuelle Bild lässt genauso gut das Szenario einer Seitwärtsbewegung der Preise zu. Spekulanten geben ihre bärsiche Haltung zwar langsam auf. Die Zahl der Kontrakte auf fallende Kurse nimmt ab. Sie ist im Roh- und Heizölhandel aber immer noch größer als die Anzahl der Kontrakte auf steigende Kurse.

Die Marktteilnehmer befinden sich momentan auf der Suche nach dem Aufwärtstrend. Allgemein wird er erwartet. Die Argumente für ihn sind aber noch dürftig. Die Tanklager sind gut gefüllt. Der Winter ist bisher nicht hart. Die OPEC liefert ausreichend Öl. Die Nachfrage steigt langsamer als erwartet. Das sind die Punkte auf der Habenseite. Auf der Sollseite steht die eingeschränkte Förderung im Golf von Mexiko. Sie wird erst im kommenden Jahr wieder das Niveau vor den letzten Hurrikanen erlangen. Einige OPEC-Staaten - Venezuela, Iran und Libyen - möchten die Förderung drosseln. Die Raffineriekapazitäten sind notorisch knapp. Die Nachfrage wächst immer noch stark. Für China wird in 2005 ein Plus von 14 Prozent erwartet. Indien, Brasilien und Russland holen als Verbraucher kräftig auf. Und sogar die USA werden rund zwei Prozent mehr Öl verbrauchen als 2004, trotz der zuletzt rückläufigen Nachfrage.

Für eine moderatere Preisentwicklung könnte die Tatsache sprechen, dass Beobachter der Ölszene fest von neuen Höchstpreisen im kommenden Jahr ausgehen. Bisher langen sie mit ihren Prognosen meistens falsch. In den letzten Jahren waren sie grundsätzlich zu tief. Die Preise entwickelten sich rasanter als vorhergesagt. Nun sind die Erwartungen an die Preisentwicklung hoch. Um diese zu dämpfen, werden frühzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen. So appelliert der US-Energieminister Bodman an sein Volk, Öl und Gas zu sparen. Er verweist auf die reduzierte Versorgung aus dem Golf von Mexiko und auf weiter steigende Preise. Das sind ungewohnte Worte aus einem Washingtoner Mund. Das Aufrechterhalten der OPEC-Förderung hat die gleiche Intention. Eine Umkehrung der Fehlprognose wäre aus Börsensicht nichts Ungewöhnliches.

Sollten die Heizölpreise im kommenden Winter in den USA trotz der z.Z. guten Vorratsratslage stark steigen, wird das wahrscheinlich durch die Gasversorgung verursacht. Die ist deutlich näher an ihrer Kapazitätsgrenze als die Ölversorgung. Auf Grund der Leitungsbindung kann nicht wie beim Öl aus anderen Regionen der Erde Ersatz beschafft werden, wenn die eigene Förderung - wie durch die Hurrikane geschehen - beschädigt ist.

In den USA wird Erdgas ebenfalls an der Börse gehandelt. Wenn der Preis in Aufwärtsturbulenzen gerät, zieht er schon aus psychologischen Gründen den Heizölpreis mit. Aber auch physisch gibt es Bindungen. Heizöl muss dort, wo es möglich ist, fehlendes Erdgas ersetzen. Im Wärmemarkt der USA spielt Erdgas die Hauptrolle. Die Abhängigkeit ist noch größer als in Deutschland. Die USA zeigen uns, dass die hierzulande geführte Diskussion über die Aufhebung der vertraglichen Bindung der Gaspreise an die Ölpreise populistisch ist. Die viel zitierte Frage, was hat der Gaspreis mit dem Ölpreis zu tun, verkennt die Abhängigkeit aller Energieträger von einander angesichts beschränkter Ressourcen. Der Energiemarkt ist ein Gesamtgebilde, in dem kein Einzelträger auf Dauer ein preisliches Sonderdasein führen kann. Das gilt selbst für Alternativenergien.

Heute Morgen setzt sich die Unentschiedenheit des Marktes fort. Der Gaspreise zeigt wenig Veränderung zum Freitag. Die Tonne kostet 504,50 $.

Unsere Heizölpreise gaben zum Wochenende leicht nach. Insgesamt bewegen sie sich erwartungsgemäß. Das, was sich abzeichnet, verdient das Wort ?seitwärts?. Wir rechnen weiterhin mit moderaten Veränderungen innerhalb der Handelsspanne der letzten zwei Wochen. Die teilweise hohen Preise im Süden finden langsam Anschluss an die bundesweite Normalverteilung der Preise. Die Lage auf den Wasserstraßen hat sich gebessert. Das Niedrigwasserproblem ist aber noch nicht erledigt. Am Wochenende sanken die Pegel wieder.

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