Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Mangel gibt es z.Z. nicht

Die Ölpreise gaben am Freitag nach. Insgesamt vollziehen sie eine volatile Abwärtsbewegung, die für den Verbraucher bisher ohne nennenswerten Spareffekt blieb. Es ist nicht zwingend abzusehen, dass sich das in den kommenden Wochen ändern sollte. Kurzfristig stören politische Unsicherheiten einen spürbaren Preisverfall. Langfristig sind die Versorgungsaussichten weniger überzeugend als heute. Der Dollar hat sich zwischen 83 und 84 Eurocent stabilisiert. Devisenexperten sehen keinen großen Änderungsbedarf der Parität.

In der vergangenen Woche wurden erneut gute Daten über die Vorratslage in den USA gemeldet. Die OPEC sieht trotz einer momentanen Überversorgung des Marktes von der Reduktion der Fördermengen ab. Beide Meldungen tragen zu einem tendenziellen Rückgang der Preise bei. Prinzipiell wird der Ölmarkt z.Z. entspannt bewertet.

Störungen kommen weiterhin von den viel zitierten politischen Umständen und aus den bekannten Regionen. Sie bilden das Gegengewicht zu der guten Versorgungslage und sorgen für teilweise heftige Preisausschläge. Zu nennen sind der Atomstreit mit dem Iran, Ölkrieg in Nigeria, Sorge vor Anschlägen in der Golfregion und politische Streitereien zwischen Venezuela und den USA.

Aus den genannten Einflussfaktoren lässt sich mit etwas Optimismus eine Chance auf rückläufige Preise ableiten. Charttechnisch operieren die Preise an einer unteren Grenzlinie, deren Durchbruch den Weg zu tieferen Preisen freigeben würde. Die Rohöl-Engagements der großen Spekulanten lassen diesbezüglich allerdings keinen besonderen Optimismus erkennen. Es gibt einen Überhang an Kontrakten auf fallende Kurse. Der wird aber bei steigender Handelsaktivität geringer.

Was die Preise trotz der aktuell positiven Versorgungslage und unter Vernachlässigung der Politik hoch halten könnte, sind Entwicklungen im Kraftstoffmarkt der USA und das weltweite Angebots-Nachfrage-Verhältnis. In den USA wurden Kraftstoffspezifikationen aus Umweltschutzgründen verschärft. Dadurch wird die gegenwärtige Versorgungskette in Frage gestellt. Viele Raffinerien Südamerikas, die bisher für die USA Benzin produzierten, können die neuen Anforderungen nicht mehr erfüllen. Selbst gut gerüstete Raffinerien in Europa sehen sich temporär nicht in der Lage, Ware zu liefern. Die Selbstversorgerquote in den USA ist seit Jahren sehr schlecht. Außerdem sind viele hurrikangeschädigte Raffinerien immer noch nicht voll einsatzfähig. Daher ist die Gefahr, dass trotz momentan sehr gut gefüllter Benzinlager bald Engpässe auftreten, hoch.

Noch problematischer wirken sich die neuen Spezifikationen auf den Dieselmarkt aus. Der ist weltweit ohnehin dauerangespannt. Ganz besonders gilt das für schwefelarme Ware, die nun noch stärker von den USA benötigt wird. Anspannungen im Kraftstoffmarkt werden unweigerlich auf den gesamten Ölmarkt ausstrahlen. Mit den Auswirkungen muss in der zweiten Jahreshälfte gerechnet werden.

Langfristig gehen die wichtigen Institutionen von einer deutlichen Nachfragesteigerung aus. Die Aktivitäten, diese Steigerung durch entsprechende Angebote zu befriedigen, stehen nicht im gleichen Verhältnis dazu. Hier sind besonders die Staaten des Nahen Ostens gefordert. Programme, die Förderung zu steigern, sind vorhanden. Sie sind aber ungenügend. Noch mehr zu Wünschen übrig lässt die Bereitschaft, die Entwicklung neuer Ölfelder als internationale Gemeinschaftsarbeit voranzutreiben. Das Problem wird z.Z. von der guten Versorgungslage überdeckt. Es ist dennoch immanent.

Eine Alternative zur langfristigen Steigerung der Produktion gibt es nicht. Gleichwohl wird es Alternativen zu den herkömmlichen Brennstoffen geben. Sie werden kommen, als Beimischung oder in reiner Form. Sie werden fest, flüssig und gasförmig angeboten werden. Von allen drei Aggregatzuständen ist der flüssige derjenige, der für den normalen Einfamilienhaushalt, das beste Verhältnis zwischen Preis und Versorgungssicherheit darstellen wird. Gas war in diesem Marktsegment fast immer teurer als Heizöl. Das wird in Zukunft kaum anders sein. Die Versorgungssicherheit ist auf Grund der fehlenden Bevorratung nicht so groß wie bei flüssigen und festen Brennstoffen. Festbrennstoffe (z.B. Holzpellets) erfordern bei dem üblichen Komfort deutlich höhere Investitionen in die Heizungsanlage als Öl und Gas. Unter Vollkosten erweist sich die Bilanz für den sogenannten Kleinverbraucher als nachteilhaft.

Alternativen sind die Zukunft. Die aktuelle Preisentwicklung ist die Gegenwart. Die gibt heute Morgen noch keine Tendenz zum weiteren Gang preis. Gasöl kostet mit 533,75 $ pro Tonne weniger als am Freitag Morgen aber mehr als am Freitag Abend.

Unsere Heizölpreise geben leicht nach. Sie stehen damit im Trend der letzten Tage. Tendenziell kann die Bewegung mit moderatem Rückgang weitergehen. Einen Sprung in tiefere Preisregionen halten wir allerdings für sehr unwahrscheinlich. Wer Heizöl braucht, sollte mit dem Kauf nicht zögern. Das Einsparpotential einer Bestellung mit Terminflexibilität sollte nicht durch spekulatives Überreizen verschenkt werden.

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