Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Markt bleibt anfällig für hohe Preise

Nach zwei Tagen mit schwergewichtigen Preisrückgängen drehte der Markt am Freitag wieder leicht ins Plus. Als Grund werden Terrorängste vor der Präsidentschaftswahl in den USA angegeben. Der Videogruß Bin Ladens stimulierte negative Phantasien. Der Dollar setzte indes seinen Abwärtstrend fort. Die US-Wirtschaftsentwicklung bereitet vielen Beobachtern Sorgen.

Auf der positiven Seite stehen die in der abgelaufenen Woche besser als erwartet ausgefallenen US-Vorräte, der prognostizierte Fortschritt bei der Reparatur der sturmgeschundenen Bohrinseln und Raffinerien im Süden der USA sowie die Zinsanhebung in China mit dem Ziel, den Wirtschaftsboom zu dämpfen. Auf der negativen Seite kommt zu den Terrorängsten ein erneuter Streikaufruf in Nigeria. Dieses Mal scheinen die Protagonisten die Ölindustrie treffen zu wollen. Shell wird vom Gewerkschaftsführer Adams Oshiomhole als Volksfeind eingestuft. Ursache für die Unruhen sind Benzinpreissteigerungen. Die seit wenigen Tagen dominante bärische Grundstimmung des Marktes bekommt einen Dämpfer. Es wäre keine große Überraschung, wenn die Gegenbewegung zu den überhöhten Preisen bereits ihrem Ende entgegen ginge und eine dritte Teuerungswelle startete.

Die Gesamtlage der Ölversorgung hat sich kaum geändert. Kurzfristig ist das auch nicht zu erwarten. Mittelfristig sollte die Nachfrage sinken. Spätestens dann ist mit einer deutlichen Besserung der Preise zu rechnen. Dass diese die Rohölpreise bis auf 25$ pro Barrel im Mittel sinken lässt, wie es in einer IEA-Studie angenommen wird, ist kaum vorstellbar. In dem 25$-Szenario wird bis zum Jahr 2030 eine Steigerung des Ölverbrauchs von 60% und des Gasverbrauchs von 50% prognostiziert. Ob das Szenario angesichts der nötigen Investitionen von 16 Billionen Dollar jemals real wird, scheint mehr als fraglich. Die OPEC warnt ihre Mitglieder bereits heute vor all zu eilig getätigten Ausgaben in neue Infrastruktur. Ihr scheinen die Renditeaussichten äußerst wage zu sein. Die Furcht vor einem Ölpreisverfall ist allenthalben größer als die Sorge über knappe Ölströme. In den USA zögert man aus ähnlichen Motiven ebenfalls mit dem Neubau von Raffinerien.

Die IEA sieht bis zum Jahr 2030 keine ressourcenbedingten Mangelerscheinungen bei der Versorgung aus Öl, Gas und Kohle. Sie drängt allerdings auf deutliche Effizienzsteigerungen und den verstärkten Einsatz von Alternativ- und Atomenergie. Es scheint genau dieses Drängen zu sein, was die OPEC zur Zurückhaltung anregt. Theoretisch müsste die Abhängigkeit der Welt von den ölreichen Ländern um Saudi Arabien immer größer werden. Praktisch wird es u.U. anders kommen. Ein niedriger Ölpreis, der die Abhängigkeit in der Tat steigen ließe, setzt hohe Investitionen voraus. Werden die nicht getätigt, wird der Ölpreis eher hoch bleiben mit der Folge, mehr Geld in Effizienz und Alternativen zu investieren. Dieser Weg führte zumindest teilweise an den politisch unsicheren Ölstaaten vorbei.

Die Überlegungen der IEA und der OPEC weisen auf deutliche Unsicherheiten in der Versorgung hin. Diese wird der Markt nicht nur mit hohen Preisen sondern auch mit hohen Preisschwankungen beantworten. Die Erkenntnis ist nicht neu. Dass die Preisausschläge in den kommenden Jahren zunehmen werden, wird von Marktkennern seit langer Zeit prophezeit.

Aktuell sollte der Preisrückgang als vorübergehende Erscheinung betrachtet werden. Man ist gut beraten, wenn man sich auf weitere Preissteigerungen einstellt. Die werden eventuell hierzulande moderat ausfallen, da dem Dollar erhebliches Rückschlagspotential zugetraut wird.

Heute morgen steigt der Gaspreis. Nachdem er am Freitag bereits unter die Marke von 450$ gefallen war, geht er nun mit 456,50$ pro Tonne in die neue Woche.

Unsere Heizölpreise sehen den Umständen entsprechend gut aus. Sie stehen auf dem Niveau von Ende September. D.h., die exorbitanten Steigerungen, die die Preise deutschlandweit über 0,50EUR pro Liter bei 3000 Liter Liefermenge führten, sind annulliert. Weitere Verbesserungen sind möglich. Angesichts einer erneut beginnenden Stimmungsverschlechterung an den Märkten sinken aber die Chancen. Wer einen kurzfristigen Bedarf hat, sollte nicht überspekulieren.

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