Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Markt der Emotionen

Die Reaktion auf die schlechten Daten über die US-Vorräte vom letzten Donnerstag gilt als übertrieben. Am Freitag wurde der kräftige Preisanstieg mit einem nicht minder kräftigen Preisrückgang korrigiert. Der Markt zeigt sich äußerst emotional. Aktuell reagiert er mit anziehenden Notierungen auf die gewaltige Detonation in Nordkorea und auf die erneute Gefährdung von Ölanlagen im Golf von Mexiko durch den Hurrikan Ivan.

Wo die Reise der Preise hinführen soll, lässt sich derzeit nicht erahnen. Wenn das jüngste Wechselspiel im Preischart geglättet wird, bleibt im kurzfristigen Bereich eine moderate Abwärtsbewegung übrig. Langfristig dominiert der Aufwärtstrend.

Fundamental gibt es viele Gründe für die Höhe der Preise - Versorgungslücken wegen Hurrikan im Golf von Mexiko - OPEC reduziert Förderung gegenüber Juli - Terrorgefahr für irakische Produktionsanlagen - Yukos droht mit Produktionsstop - OPEC an der Grenze ihrer Förderkapazitäten - Ausfallgefahr weiterer unsicherer Förderstaaten - Sorge über Heizölverknappung zum Winter - Nachfragewachstum über allen Erwartungen. Die aktuellen Daten über die US-Vorräte gehören nicht dazu. Sie sind besser als ihr Ruf. Die Bestände stehen auf ähnlichem Niveau wie im September der letzten drei Jahre. Vor vier Jahren waren sie etwas niedriger. Der Preis für Rohöl war dennoch um 25% geringer. Heizöl kostete auf dem internationalen Markt 20% weniger, in Deutschland aber 10% mehr als heute. Vor fünf Jahren waren die Bestände höher. Damals kostete Rohöl 46% weniger, Heizöl international 50% und in Deutschland 36% weniger als heute. Die auf den ersten Blick widersprüchlichen Differenzen zwischen dem internationalen und dem nationalen Heizölpreis sind Ausdruck des deutlichen Einflusses der Währungsparität.

Dass die Preise am Weltmarkt trotz der undramatischen Situation in den Lagern so hoch gestiegen sind, ist Ausdruck von Verunsicherung. Eine Verunsicherung, für die es die vielen oben genannten Gründe gibt. Insider weisen immer wieder auf eine Übertreibung bei der Bewertung der Gründe hin. Sie halten einen um wenigstens 30% tieferen Rohölpreis für realistisch. Das ist aus Sicht der Vergangenheit wahrscheinlich richtig. Mit Blick in die Zukunft, die weder deutlich kleinere geopolitische Probleme noch eine deutlich größere Angebotslage erwarten lässt, bleibt die Frage, woher der entscheidende Anstoß für eine nennenswerte Bewegung in Richtung 30% Preisabschlag kommen soll.

OPEC und IEA (Internationale Energie Agentur) bemühen sich immerhin redlich, für gute Stimmung zu sorgen. Der OPEC-Präsident Yusgiantoro lässt keine Gelegenheit aus, seine Überzeugung, dass die Preise bis Dezember fallen werden, kund zu tun. Die IEA sieht das Angebots-Nachfrage-Verhältnis als ausgewogen an. Der Klang der Botschaften ist beruhigend. Das Auftreten ihrer Absender ist es nicht unbedingt. Die OPEC ließ noch vor kurzem häufiger Signale verlauten, wonach sie aktuell am Ende ihrer Förderfähigkeit angekommen sei. Die IEA appellierte gleichzeitig an die Förderstaaten, dass sie ihre Lieferungen erhöhen müssten.

Für die Börse wäre ein wunschgemäßes Signal zum Preisabschwung der deutliche Aufbau der Bestände. Und wieder dreht man sich im Kreis der Argumentation. Wie wir gerade zeigten, ist die reale Lage gar nicht so schlecht. Höhere Vorräte sind wirtschaftlich sogar eher unerwünscht, da sie lediglich Kapital binden. Aber ihr Ausbleiben verhindert den benötigten Ruck. So liegt es nahe, dass sie Preise allenfalls im Schneckentempo fallen, wenn sie es denn überhaupt tun. Übrigens, die viel gescholtenen Fonds haben sich weitgehend aus dem Markt zurück gezogen.

Heute Morgen geht der Gasölpreis mit 383$ pro Tonne in die Woche. Das ist etwas mehr als am letzten Montag.

Unsere Heizölpreise haben sich von ihrem Hoch wieder zurückgezogen. Angesichts der enormen Schwankung, die als Zeichen für hohe Unsicherheit der Marktteilnehmer anzusehen ist, sehen wir uns nicht in der Lage, eine Aussage über die Preisentwicklung zu geben. Die Preise haben Abwärtspotential. Es gibt aber immer wieder neue Gründe, die seine Entfaltung blockieren. Trotz weiterhin hoher Preise werden Verbraucher sich verstärkt eindecken müssen. Bei steigender Nachfrage kann es zu Lieferengpässen kommen.

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