Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Markt ist überversorgt

Gestern gab es überwiegend entspannende Meldungen. Zusammengefasst zeichnen sie das Bild eines äußerst gut bis überversorgten Marktes. Das entfachte eine Ausverkaufsstimmung an den Börsen. Die Preise brachen ein. Die seit einem Monat umkämpfte Marke von 60 Dollar für Rohöle aus Texas und aus der Nordsee droht zu kippen. Der Dollar bewegte sich kaum. Er befindet sich weiterhin mittig in einem seit Mai 2006 gültigen seitwärts gerichteten Trendkanal.

In der letzten Woche gab es viel Nervosität um die Ölpreise. Fast täglich wechselte die Stimmung. Ein Wintereinbruch und negative Wettervorhersagen in den USA, die OPEC-Entscheidung, die Liefermengen zu kürzen, und eine schlechter als erwartete Entwicklung der US-Vorräte waren die wichtigsten preistreibenden Faktoren. Anzeichen für eine abkühlende US-Konjunktur, Zweifel an der Fähigkeit der OPEC zu kürzen, und prall gefüllte US-Vorratslager, die ihren außergewöhnlichen Füllgrad selbst nach dem starken wöchentlichen Rückgang behielten, wirkten weiterhin preisdrückend.

Aktuell wird der Markt von der Sorge eines Terroranschlags auf den weltgrößten Ölhafen Ras Tanura am Persischen Golf beeinflusst. Gestern bekräftigten Saudi Arabiens Behörden erneut, dass sie die Sicherheit der Ölanlagen im Griff hätten. Sie demonstrierten ihre Wachsamkeit bereits im Februar, als sie einen Bombenanschlag auf ein Ölzentrum verhinderten. An der Börse ist das Thema bis auf weiteres abgehakt. Abgehakt sind auch die Sorgen der letzten Woche. Aus den Wetterämtern kommen preisdrückende Töne. Die nächsten Wochen werden den US-Heizölregionen milde Temperaturen bringen. Zweifel an der OPEC-Kürzungsfähigkeit werden noch höher gehalten. Der starke Einbruch bei den US-Vorräten hatte technische Gründe, nämlich die temporäre Schließung eines Hafens. Für diese Woche wird ein hoher Anstieg der Vorräte erwartet. Außerdem würdigt man an der Börse die Höhe der Heizölbestände, die selbst durch einen extrem kalten Winter kaum aufzubrauchen wären. Schließlich verdichten sich die Anzeichen für eine Abkühlung der US-Konjunktur. Alles das bringt die Preise kurzfristig unter Druck.

Langfristig und ebenfalls mit Aussicht auf Entspannung sollten die enormen Investitionen in neue Infrastruktur wirken, die u.a. in OPEC-Ländern vorgenommen werden. Die Reservekapazitäten Saudi Arabiens nehmen auch durch die geringer als erwartet wachsende Nachfrage schnell zu.

Z.Z. ist der Markt weit von einer Versorgungskrise entfernt. Überhaupt sind Zweifel angebracht, dass die viel beschworene Endlichkeit der nicht regenerativen Ressourcen eintreten wird. Sehr wohl ist die Endlichkeit der billig erreichbaren Energieträger eingetreten. Daraus ergibt sich der Schluss, dass Öl nicht wieder so billig wie in der 1990er Jahren werden wird. Billiger als heute könnte es aber durchaus werden.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand wird die globale Erwärmung durch das verbrennen von Öl, Gas, Kohle und Holz eine weit größere Herausforderung sein als das vermeintliche Ende der fossilen Vorräte. Das mittlerweile viel beschworene Umsteuern in der Energiepolitik betrifft weit mehr das Thema Effizienz als das Thema, welcher Energieträger der richtige sei. Richtig ist, was bei minimalem Verbrauch den jeweiligen Zweck gut erfüllt. Die Effizienz bei der Raumwärme spielt hier eine besondere Rolle. Der Energieverbrauch in Gebäuden übertrifft in vielen Industrieländern den des Verkehrs. Daher hat die Realisierung des Drei-Liter-Hauses eine noch höhere Dringlichkeit als die Realisierung des Drei-Liter-Autos.

Zurück zur aktuellen Preisentwicklung. Heute Morgen gibt der Gasölpreis weiter nach. Die Tonne kostet 521 $. Sowohl Charttechniker als auch fundamental eingestellte Analysten halten nun ein weiteres Abrutschen des Preises für möglich. Der Weg sei durch die jüngste Entwicklung geöffnet.

Unsere Heizölpreise sind weiter rückläufig. Nachdem die rechnerischen Überhöhungen zum internationalen Markt in den letzten Tagen abgebaut wurden, wozu nicht zuletzt die nachlassende Nachfrage beitrug, kommen sie nun erneut über den Weltmarkt unter Druck. Ob sich damit ein neuer Abwärtstrend etabliert oder ob die täglichen Ausschläge lediglich größer werden, ist für uns noch offen. Bei sinkenden Preisen muss grundsätzlich mit anziehender Nachfrage und verlängerten Lieferzeiten gerechnet werden.

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