Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Markt nimmt gute Daten über US-Vorräte an

Nach gut beurteilten Zahlen über die US-Bestände sanken die Rohölpreise gestern abermals. Sie setzten damit die Konsolidierung nach den heftigen Preisanstiegen der letzten Wochen fort. Der Aufwärtstrend ist durch den deutlichen Preisrückgang der letzten Tage aber keineswegs in Frage gestellt. Die Preisbewegungen für Heizöl und Gasöl zeigen erheblich geringere Ausschläge. Sie weisen lediglich einen schwachen Aufwärtstrend auf, der sich gerade von der vorausgegangenen Seitwärtsbewegung löst. Der Dollar setzte seine Gegenbewegung zum Abwärtstrend mit einem moderaten Anstieg fort.

Im Gegensatz zur Vorwoche, in der sehr positive Bestandsdaten aus den USA geliefert wurden, nahm der Markt die nur in Teilen guten Werte dieser Woche an. Die Preise kamen deutlich unter Druck. Die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) waren voll des Widerspruchs. Der Markt nahm sie selektiv auf und folgte damit der auf Entspannung bedachten Stimmung der letzten Tage.

Rohöl: -2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,7 (DOE) bzw. ein Abbau von 3,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind abermals gesunken. Gleiches gilt für die Raffinerieverfügbarkeit. Ihr Wert beträgt nun 87 Prozent. Das ist besorgniserregend schlecht.

Im längerfristigen Vergleich sehen die aktuellen Bestände positiv aus. Rohöl liegt im Fünf-Jahres-Zeitraum im oberen Fünftel. Die Heizöltanks waren nur im Winter 2002 nennenswert voller. Der Gesamtbestand einschließlich Benzin ist mit dem Spitzenwert aus dem Jahr 2002 gleichgezogen. Aus diesem Blickwinkel ist ein Preisrückgang absolut plausibel.

Die Raffineriekapazitäten und die geopolitische Lage lassen die aktuelle Preisbewegung allerdings eher wie die Ruhe vor einem Sturm aussehen. Angesichts weltweit steigender Nachfrage, die auch für die USA im Speziellen erwartet wird, erscheint eine gesicherte Versorgung im höchsten Maß labil. Dank eines milden Winters in den US-Heizölregionen konnten gute Heizölbestände aufgebaut werden. Zusätzlich erlaubte das Wetter eine vorauseilende Produktion von Benzin. Dieser positive Umstand kann allein durch eine Laune der Natur aufgelöst werden. Die zur Verfügung stehenden Produktionsmittel reichten bei anderer Wetterlage nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Das Raffinerieproblem wird immer noch nicht im angemessenen Maß angegangen. Nach einer Schätzung des Fachdienstes Energie- Informationsdienst (EID) sieht das kumulierte Betriebsergebnis der deutschen Raffinerien im Zeitraum zwischen 1992 und 2005 trotz gewaltiger Gewinne in den letzten Jahren immer noch negativ aus. Weltweit wird die Lagen nicht besser eingeschätzt. Wegen der verlustreichen Vorgeschichte halten die Raffineriegesellschaften nötige Investitionen zurück. Die Sorge vor einem erneuten Verlust übertrifft die Erwartungen auf gute Gewinne in den kommenden Jahren. Die Investitionsplanung für eine Raffinerie erfordert eine langfristig haltbare Einschätzung der Einnahmen. Aussagen für die erforderlichen Zeithorizonte von über zehn Jahren kann und wird derzeit kein privates Unternehmen treffen. Zu kurzfristige Börsenerwartungen verhindern dies. Daher werden entsprechende Investitionen heute nur von Staatsunternehmen im Nahen und Fernen Osten und in Südamerika durchgeführt. Nicht nur wegen der weltweiten Verteilung der Ölreserven sondern auch wegen der Investitionsbereitschaft werden die großen Publikumsgesellschaften ihre Marktstellung im Ölsektor langfristig verlieren.

Die aktuell gelöste Stimmung wird von Aussagen aus OPEC-Kreisen unterstützt. Das Kartell wird wahrscheinlich entgegen anderer Äußerungen in den letzten Tagen die Fördermengen beibehalten. Ein entsprechender Beschluss soll auf dem Treffen am kommenden Dienstag gefasst werden. Außerdem erwartet man bei der OPEC einen leichten Preisrückgang im zweiten Quartal. Die Reservekapazität des Kartells wird auf 1,5 bis 2 Mio. Barrel pro Tag geschätzt.

Im Falle eskalierender Streitigkeiten mit dem Iran ist diese Menge zu gering. Allein dieser Umstand zeigt, wie sensibel das Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage ist. Die Preise werden sich in nächster Zeit wie ein Seismograf der geopolitischen Lage bewegen. Die auf den jeweiligen Zeitpunkt bezogene reale Versorgungslage wird dabei keinen großen Einfluss spielen.

Heute Morgen wird Gasöl teurer. Die Tonne kostet 547,25 $ nach 544,50 $ gestern Abend.

Unsere Heizölpreise geben seit Wochenbeginn nach. Sie folgen damit der entsprechenden Bewegung am Weltmarkt. Nachdem wir über Monate die Seitwärtsbewegung der Preise als wahrscheinlichste aller Möglichkeiten eingeschätzt hatten, sind wir nun zunehmend skeptisch, dass die Preise ihr Niveau halten können. Angesichts der aktuellen Versorgungslage wäre eine Seitwärtsbewegung oder gar ein leichter Preisrückgang zwar folgerichtig. Die Spannungen in und um wichtige Lieferstaaten sprechen aber eher für weitere Preissprünge nach oben.

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