Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Marktlage ist entspannt

Am Ende der zweiten Woche in Folge mit einem kräftigen Preisrückgang zeigt sich die Preisbewegung am Ölmarkt hin- und hergerissen. So ist auch die Stimmung der Marktteilnehmer. Optimisten sehen einen weiteren Preisrückgang kommen. Pessimisten halten das Rückschlagspotential für erschöpft. Der Dollar setzt zu einer weiteren Erholung an. Analysten haben ihre dollarkritische Haltung weitgehend aufgegeben.

In der letzten Woche gab die IEA (Internationale Energie Agentur) den Anstoß zur Fortführung des Preisrückschlags. Sie revidierte ihre letzte Prognose der Nachfragesteigerung geringfügig nach unten. Insbesondere sieht sie in China ein Nachlassen des Wachstums. Zudem sollten steigende Zinsen in den USA die Nachfrage dämpfen. Die Lagerbestände sind mit Ausnahme von Heizöl gut. Für einen Aufbau des Brennstoffs gibt es im Frühjahr gute Voraussetzungen. Die Lieferfähigkeit der OPEC wird ausgebaut. Bis Ende 2005 sollen die freien Kapazitäten auf 3 Mio. Barrel pro Tag ausgeweitet werden. Im letzten Winter betrugen sie nur noch 1,6 Mio. Barrel pro Tag. Das war ein langjähriger Tiefpunkt. Aber auch die Nicht-OPEC-Länder erweitern ihre Möglichkeiten so stark, dass das erwartete Nachfragewachstum allein aus diesen zusätzlichen Quellen gedeckt werden könnte.

Die IEA fordert eine deutliche Erhöhung der Lagerbestände, um besser auf unvorhergesehene Störungen reagieren zu können. Die hohen Notierungen der langfristigen Futures deuten darauf hin, dass Öl in einigen Monaten wieder deutlich teurer werden kann. Dagegen sollte man sich durch ein Auffüllen der Vorräte jetzt schützen.

Für ihren Bericht musste die IEA heftige Kritik vieler Analysten einstecken. Er sei wenig realistisch und voll von Widersprüchen, heißt es. In der Tat ist schwer nachzuvollziehen, wie innerhalb weniger Tage aus dem selben Haus ein beschwichtigender Bericht zur Marktlage erscheinen kann und eine warnende Studie, die Industriestaaten zum Umbau der Energieverhältnisse mit einer Intention von Endzeitatmosphäre mahnt. Kritiker weisen auf das heftige Hin und Her bei der Einschätzung Chinas hin. Außerdem fehle eine realistische Beurteilung der weltweiten Versorgung mit Heizöl und Diesel, die extrem angespannt bleibe.

Der Umstand, dass die Ölnotierungen der naheliegenden Monate billiger sind als die langfristigen Futures, zeigt das geringe Interesse der Industrie an vorausschauender Investition. Z.Z. ist der Markt mangels kurzfristiger Nachfrage tatsächlich sehr gut versorgt. Viele Analysten sehen das als vorübergehende Erscheinung an.

Die Zahl der auf steigende Kurse setzenden Spekulanten ist in der letzten Woche stark gefallen. Sie steht allerdings immer noch klar über dem Jahresdurchschnitt. Nun kann auch dieser Umstand doppeldeutig interpretiert werden. Das Rückschlagspotential ist noch sehr groß, weil sehr viele Long-Spekulanten aus dem Markt müssen, oder sie kennen die Marktlage so gut, dass sie sich ihrer Long-Einstellung sicher sind.

Die Charttechnik unterstützt durchaus die Bullen. Der Rückgang ist so weit fortgeschritten, dass eine Umkehr zu steigenden Preisen in Kürze ansteht, wenn man nicht ein grundsätzliches Ende des Aufwärtstrends in Betracht zieht. Dazu lässt sich derzeit wohl niemand hinreißen.

Der Gasölpreis gibt zum Wochenauftakt weiter nach. Die Tonne kostet 468,50$.

Dem Dollar wird auf Grund von Zinserwartungen in den USA und der wirtschaftlich schwachen Eurozone inzwischen wieder mehr Stärke zugetraut. Die Schwächeszenarien, die den Dollar noch erheblich tiefer sahen, sind weitgehend verschwunden. Aus der US-Währung droht dem Heizölpreis im Euroraum eher eine Teuerung.

Unsere Heizölpreise sind weiter rückläufig. Darüber, ob das noch einige Zeit so bleiben wird, scheiden sich die Meinungen. Vorsichtig agierende Verbraucher kaufen jetzt eine Teilmenge ein. Das ist die Kompromisslösung gegen einseitige Spekulation, die bei einer Fehleinschätzung teuer werden kann. Sollten sich die Preise im Jahresverlauf besser entwickeln, bleibt die Möglichkeit zu noch günstigeren Preisen nachzutanken. Die Wahrscheinlichkeit hierfür schätzten wir allerdings als gering ein.

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