Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Mit diesen Regeln gibt es keine Besserung

Eine defekte Ölpipeline in Alaska, eine weltweit gute Versorgungslage, hohe Erwartungen an die globale Konjunktur, Hoffnung auf Besserung der US-Wirtschaft und ganz viel spekulationsfähiges Geld, das ist die aktuelle Situation am Ölmarkt. Sie zwingt die Ölpreise in einen längerfristigen Aufwärtstrend. Kurzfristig wird das Preisniveau lediglich gehalten. Wenn sich das finanzielle Potenzial erneut Bahn bricht, werden die Preise rasant steigen. Wegen der guten Versorgungslage ist der Lieferausfall aus Alaska für einige Zeit zu verkraften. Weil die US-Konjunktur immer noch an der Beatmungsmaschine der Notenbank hängt, kommt es nicht zum Initiationserlebnis der Finanzszene. Hoffnungen auf die entfesselte Ölnachfrage, die nicht befriedigt werden kann, können sich nicht frei entfalten. Deshalb wird das spekulative Geld im Augenblick nicht allein auf steigende Ölpreise gesetzt.

Wer unter den oberflächlichen Tagesnachrichten sucht, findet weitere Argumente, die den Spaß am hemmungslosen Spekulieren auf rasant steigende Ölpreise bremsen. Die von der Finanzszene herbeigesehnte Knappheit steht nicht vor der Tür. Sie steht allenfalls am Horizont. Die OPEC verfügt über hohe Reserven, die umgehend abrufbar sind. Sie fördert nach der erzwungenen Drosselung infolge der Finanzkrise immer noch deutlich unter ihren Möglichkeiten. Aber nicht allein die zeitnahe Verfügbarkeit lässt Knappheitsphantasien lächerlich aussehen. Langfristig sind sie ebenfalls sehr unkonkret. Statt sinkender Ölreserven berichtet das Oil & Gas Journal für das Jahr 2010 vom größten Anstieg seit zehn Jahren. Die Reserveerhöhung beträt 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei handelt es sich um sicher beurteilte Zugänge zu den als wirtschaftlich förderbar bewerteten Mengen. Weitere Mengen sollen im Iran und im Irak schlummern. Der irakische Ölminister meint, dass sein Land in 2017 soviel Öl fördern wird wie Saudi Arabien heute. Die in die aktuelle Bewertung eingegangenen Zusatzmengen liegen hauptsächlich in Afrika. Der größte Einzelzuwachs wird Venezuela mit einem Plus von 113 Prozent zugesprochen. Damit sieht sich das Land nun auf Platz zwei der ölreichen Länder hinter Saudi Arabien. Der saudische Ölminister al-Naimi beschreibt die komfortable Lage seines Landes mit einer 80 Jahre andauernden Fördermöglichkeit auf dem aktuellen Niveau, ohne dafür eine einzige neue Förderquelle in Anspruch nehmen zu müssen.

Im letzten Jahr wurden nicht nur die Ölreserven aufgestockt. Die Ölproduktion wuchs ebenfalls wieder, nachdem sie in 2009 um 2,4 Prozent abnahm. Weltweit wird Rohöl aus knapp einer Million Bohrungen gefördert. Insgesamt kam dabei eine Menge von 72 Mio. Barrel pro Tag zusammen. Um die Nachfrage von rund 87 Mio. Barrel pro Tag zu decken, kommt Öl aus Ölsänden und Ölschiefer, aus Gasumwandlung und aus nachwachsenden Rohstoffen hinzu. Die Ölproduktion wuchs weltweit mit Ausnahme Westeuropas, wo sie um 10 Prozent zurückging.

Die Versorgungslage scheint also auch längerfristig unkritisch zu sein. Leider sind die Daten, die diesen Schluss nahe legen, nicht wirklich zuverlässig. Die Angaben über die Reserven sind nämlich nicht vollständig validierbar. Sie stammen von den einzelnen Lieferländern. Und die betreiben auf Basis ihrer Angaben nicht nur Geschäfte. Sie pokern auch damit. Gleichwohl ist es unangemessen, wenn in Medien immer wieder mit Weltuntergangsbildern über Peak Oil (Erreichen des Fördermaximums von Öl) berichtet wird. Es ist durchaus möglich, dass Peak Oil erreicht wird, weil Öl langfristig weniger nachgefragt wird, und nicht, weil es kein Öl mehr gibt. Ohnehin ist die Aussage, dass es eines Tages kein Öl mehr gibt, unsachgemäß. Die Menschheit wird niemals alles Öl aus der Erde fördern. Dazu sind große Mengen viel zu schwierig zu erreichen. Allenfalls wird wirtschaftlich erreichbares Öl nicht mehr zur Verfügung stehen. Das kann dann geschehen, wenn die Wirtschaft zusammenbricht oder wenn andere Energieträger günstiger sind als Öl. Der erste Fall könnte eine Folge zu teuren Öls sein. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass er als Folge eines Kollapses im Finanzsystem auftritt. Der zweite Fall wäre der wirtschaftlich wünschbare. Er ginge ohne Schmerzen über die Bühne. Um diesen Fall gezielt zu fördern, kommt man an der intelligenten Reduzierung des Verbrauchs nicht vorbei. Sie ist die beste Strategie gegen hohe Energiekosten, weil die Mengenreduzierung selbst kostendämpfend wirkt und weil sie einen Antispekulationseffekt auf die Warenterminbörsen ausübt.

Dort, an den Börsen, wird man nicht müde werden, auf Peak Oil zu setzen, solange der Weg zu weniger Ölverbrauch nicht globales politisches Programm ist. Deshalb wird die Tendenz zu höheren Ölpreisen fortbestehen, obwohl ein Ende des Öls niemals eintreten wird. Finanzjongleure machen in der Sache ohne Zweifel einen verbraucherunfreundlichen Job. Gleichwohl ist es falsch, ihnen die alleinige Schuld an steigenden Ölpreisen zu geben. Finanzjongleure sind Arbeiter im globalen Finanzsystem, das ihre Arbeit verlangt. Sie sollen die Arbeit gut und effizient verrichten. So wollen es die Spielregeln und so wollen es die Kunden. Es sind die Regeln des Finanzsystems, die Verbraucher immer stärker ins Hintertreffen bringen. Diese Regeln werden von Politikern gemacht, die von Verbrauchern gewählt werden. Wenn es einen Grund gibt, über den sich ein Volk beschweren kann, dann den, dass es im Unklaren gelassen wird, über die absehbaren Folgen der Regeln. Das gilt für das Finanzsystem und das gilt für das Rentensystem. Mindestens für diese Systeme existiert das Wissen über ihre dramatischen Fehler. Es wird aber nicht offen und ehrlich kommuniziert.

Heute Morgen tut sich bei den Ölpreisen wenig. Sie dümpeln seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet 808,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 89,20 Dollar und in London 95,36 Dollar. Der US-Dollar wird zu 77,29 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise zogen gestern deutlich an, weil die zugrunde liegenden Ölwerte an den Börsen in die Höhe schnellten. Eine erwartete Delle im Ölpreistrend erwies sich als Dellchen. Nun geht die ebenfalls erwartete Teuerung weiter. Ohne Zweifel wird es beim Heizöl bessere Bewegungen geben als gestern. Ob das dann bessere Tage sein werden, ist ungewiss. Preisrückgänge nützen Verbrauchern nur etwas, wenn es vorher keine Preissteigerungen gab. Die sind in diesem Jahr aber leider das befürchtete Programm. Deshalb sind wir der Ansicht, dass allgemeines Abwarten in dieser Zeit keine gute Einkaufsstrategie ist. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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