Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Moderater Preisrückgang wahrscheinlich

Nachdem der Streik in Frankreichs Raffinerien am Wochenende beigelegt wurde, laufen alle Preise wieder abwärts. Die Bewegung vollzieht sich in ruhigen Bahnen. Für einen Preiseinbruch fehlen die Gründe. Die großen Spekulanten haben ihre Positionen bereits neutralisiert. Der Dollar hält seinen Aufwärtstrend. Ihm wird gegenüber den Ölnotierungen mehr Dynamik zugetraut, da viele Spekulanten auf falschen Positionen sitzen. Die müssen nun schnell liquidiert werden.

Im Großen und Ganzen befindet sich der Ölmarkt in einer entspannten Situation. Zwar ist die Nachfrage hoch bei steigender Tendenz. Aber sie wird von einem hohen Förderniveau begleitet, das sogar genügend Spielraum für einen Aufbau der Lagerbestände lässt. Die haben sich beim Rohöl auf ein Sechs-Jahres-Hoch in den US-Lagern gesteigert. In anderen OECD-Ländern sind die Bestände ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Mit diesem Polster blicken die Marktteilnehmer recht gelassen auf das nachfragestärkere zweite Halbjahr.

Unterstützt wird die Gelassenheit durch die Haltung der OPEC. Das Kartell pumpt täglich um 30 Mio. Barrel aus der Erde. Geleitet durch den prognostizierten steigenden Bedarf im Jahresverlauf gibt es derzeit keine Bestrebungen, den aktuellen Ausstoß, der rund 2,5 Mio. Barrel pro Tag über Quote liegt, zu drosseln. Die hohen Lagerbestände werden von der OPEC begrüßt, da sie einer Dämpfung der Preisbewegung dienlich sein können. Der Präsident Scheich Ahmed al-Fahd al-Sabah hofft, die Preise in einer Spanne zwischen 40 und 45$ pro Barrel einfangen zu können. Aktuell werden 44,65$ für den sogenannten OPEC-Korb aus sieben Ölsorten bezahlt.

Gefahren für die Preise kommen in erster Linie von der Produktenseite. Saisonbedingt blickt man mit etwas Argwohn auf die Benzinnachfrage. Im Gegensatz zu anderen Jahren ist die Lagersituation hier aber besser, so dass für Skepsis wenig Anlass besteht. Begründet ist dagegen der sorgenvolle Blick auf die Heizöl- und Dieselseite. Sie leidet am stärksten unter den knappen Raffineriekapazitäten und den weiterhin unterdurchschnittlich gefüllten Lagern. Das wurde in der Reaktion auf den Streik der Total-Raffineriearbeiter in Frankreich deutlich. Er brachte die Notierungen umgehend in Aufwind.

Eine weitere Gefahr geht derzeit von Venezuela aus. Dort unternimmt der Präsident Hugo Chavez einen neuen Versuch, den Sozialismus einzuführen. Hierfür hat er die Ölindustrie als Schlüsselelement auserkoren. Ausländische Gesellschaften belegt er mit drastischen Steuerforderungen. Die Entwicklung gefällt den USA überhaupt nicht. Wenn George W. Bush in der ihm eigenen undiplomatischen Weise reagieren sollte, wäre ein neuer Irakeffekt nicht auszuschließen. Das Irakdebakel hat einen deutlichen Anteil an den gestiegenen Ölpreisen.

Insgesamt werden die Gefahren für die Ölversorgung zurückhaltend betrachtet. Noch stärker ist allerdings die Zurückhaltung hinsichtlich der Chancen auf eine Überversorgung. Sie kommt z.Z. nicht als realistische Option vor. Aus diesem Grund kann es gut sein, dass die Extremwerte der Preise 2005 bereits vorüber sind, mit dem Tief im Januar und dem Hoch Anfang April. Mit einem Anziehen der Preise in der zweiten Jahreshälfte muss auf alle Fälle gerechnet werden aber nicht unbedingt mit neuen Höchstpreisen. Die mittelfristige Chartentwicklung lässt dagegen fallende Preise vermuten. Diese werden in Europa teilweise durch den Aufwärtstrend des Dollars kompensiert.

Heute Morgen gibt der Gasölpreis als Folge des Streikendes in Frankreich spürbar nach. Die Tonne kostet 432,50$. Am Freitag lagen die Notierungen noch über 440$.

Unsere Heizölpreise fallen nach dem deutlichen Anstieg in der zweiten Hälfte der letzten Woche wieder zurück. Die Chancen stehen gut, dass sie in dieser Woche die Teuerung der letzten Woche komplett annullieren. Im weiteren Verlauf könnte es zu leicht fallenden Heizölpreisen kommen. Als grobe Prognose sehen wir aber eher einer Seitwärtsentwicklung der Preise entgegen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen