Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Moderater Preisschub

Die Märkte sind gut versorgt. Die Preise könnten weiter fallen. Der Nahostkonflikt und der Streit um das iranische Atomprogramm verhindern dies. Die politische Situation erzwingt einen Aufwärtstrend der Rohölpreise. Der gestiegene Benzinverbrauch in den USA und Raffinerieprobleme versetzen die Benzinpreise in einen Aufwärtstrend. Die Gasölpreise konnten sich den Tendenzen bisher entziehen. Sie halten ihren Seitwärtstrend. Der Dollar tendiert ebenfalls seitwärts.

20 Dollar zu hoch sei der Rohölpreis laut BP-Chef John Browne wegen der geopolitischen Verunsicherung. Das entspricht einer Übertreibung von rund 27%. Börsen neigen dazu, kurzzeitig Preisextrema zu bilden. Sie nehmen damit psychologischen Druck aus dem Markt. Übertreibungen werden gewöhnlich schnell annulliert. Gut zu beobachten war das in den letzten zwei Wochen. Auf den Beginn der Kampfhandlungen im Nahen Osten reagierten die Preise mit einer heftigen Spitze. Es folgte ein Absturz. Nun scheint das Normalniveau wieder erreicht zu sein. Aber das wird von Browne immer noch als ungerechtfertigt hoch angesehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Börsianer seinem Ruf nach Abgabe der 20 Dollar folgen, ist allerdings gering. Die politisch unsichere Lage zeigt hohes Beharrungsvermögen.

Sollte sich diese Lage innerhalb der kommenden Jahre friedvoll entwickeln, wäre der Preisrückgang immer noch nicht garantiert. Es gibt zwar Tendenzen, die ihn in den Bereich des Möglichen rücken. Hier ist vor allen Dingen die gute Versorgungslage zu nennen. Sie könnte sich trotz anhaltenden Wirtschaftswachstums sogar noch verbessern. Beim Rohöl rechnet man bereits im kommenden Jahr damit. Die Reservekapazität der OPEC soll nach einer Schätzung der Cambridge Energy Research Associates (CERA) auf 2,4 Mio. Barrel pro Tag steigen. Das ist mehr als bisher erwartet. Nicht-OPEC-Länder werden kaum Reservekapazitäten aufbauen können. Und innerhalb der OPEC ist Saudi Arabien fast allein für die Reservekapazität zuständig. Als einziges Land hat es sich zu ihrer Vorhaltung verpflichtet. Dass in der Vergangenheit zeitweise größere Reservekapazitäten vorgehalten wurden, lag nicht an der Förderpolitik einzelner Staaten sondern an der schwachen Nachfrage der Verbraucher.

Einem möglichen Preisdruck durch die höheren Reservekapazitäten steht der Umstand entgegen, dass die Förderung von Öl deutlich teurer wird. Mineralölgesellschaften betonen immer wieder, dass es auf absehbare Zeit keinen Mangel an Öl gibt. Das billig zu fördernde Öl geht allerdings zu Ende. Bereits heute fallen für die Produktion von Öl aus Ölsänden Kosten von über 40 Dollar pro Barrel an. Zu derartigen Kosten hätte man bis vor kurzem auf keinen Fall Öl gefördert. Der Trend zu teureren Förderverfahren ist bereits eingeleitet.

Auch auf der Verarbeitungsseite sollte sich die Lage durch den Bau und die Erweiterung von Raffinerien in einigen Jahren verbessert haben. Unter den gegenwärtigen Umständen spräche das dafür, Preisgleichheit oder sogar nachgebende Preise zu bekommen.

Ob die Umstände in einigen Jahren mit den heutigen vergleichbar sind, ist reine Spekulation. Bisher war die Geschichte immer wieder für Überraschungen gut. So könnte beispielsweise ein Platzen der chinesischen Immobilienblase für eine ungeahnte Wende in der Weltwirtschaftsentwicklung sorgen. Die Ölinfrastruktur könnte sich plötzlich als überdimensioniert erweisen. Heftige Preisrückgänge wären die Folge. Der nicht zuletzt durch den hohen Verbrauch fossiler Energie verursachte Klimawandel könnte derartig drastische Auswirkungen auf das menschliche Leben haben, dass ein Paradigmenwechsel der mobilen Gesellschaft einsetzt mit der gleichen Folge zu großer Mineralölkapazitäten.

Aktuell hat weder John Brownes These von 20 Dollar Politikprämie im Ölpreis noch ein eventueller Paradigmenwechsel Bedeutung. Die Realität ist von politischer Unsicherheit geprägt und damit auch der Preis. Immerhin, die letzten Tage haben gezeigt, dass heftige Reaktionen nicht lange Bestand haben müssen. Es gibt so etwas wie ein längerfristiges Konsensniveau. Um das schwingen die Preise derzeit. Mit einer deutlichen Anhebung dieses Niveaus muss im Laufe des Jahres nicht unbedingt gerechnet werden, Mit einer temporären Entfernung aber durchaus.

Heute Morgen tendiert der Gasölpreis zum Steigen. Die Tonne kostet 626 $.

Unsere Heizölpreise legen leicht zu. Sie folgen damit dem weltweiten Handel. Dass sie in den letzten zwei Monaten im Gegensatz zum international gehandelten Gasöl einen leichten Preisanstieg zeigten, lag an der Dollarentwicklung. Momentan ist die Wahrscheinlichkeit für steigende Heizölpreise höher als für andere Bewegungsmöglichkeiten. Sinkende Pegelstände auf heimischen Wasserstraßen verstärken den aktuellen Einfluss des Weltmarkts.

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