Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Momentan fallen die Ölpreise

Der Ölpreis sinkt. Es gibt die berechtigte Hoffnung, dass dieser Satz auch morgen noch gilt. Eine substanzielle Änderung des Marktgeschehens gibt es nicht. Die Nachfrage lahmt, die Lager sind voll, die Reservekapazitäten der OPEC sind hoch. Diese Umstände sprachen seit Monaten gegen eine Preissteigerung. Nun sprechen sie für einen Preisrückgang. Aber diese Umstände machen ohnehin nicht den Preis. Insofern sind sie bei einem Preisrückgang ebenfalls nur Randnotizen. Die relevante Notiz ist, dass sich Investmentfonds und Großanleger von Ölpapieren trennen. Schön wäre es, wenn dies auf einen Fortschritt der Regulierungsbemühungen im Terminmarkthandel zurückzuführen wäre. Dann nämlich wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Rohölpreis demnächst unter 50 Dollar landen würde. Das wäre wohl zu schön, um wahr zu werden. Denn die Kommission, die über neue Spekulationsvorschriften entscheidet, entscheidet in absehbarer Zeit nicht. Sie besteht aus fünf Kommissaren, die Einstimmigkeit erzielen müssen. Die gibt es nicht. Eine deutliche Position für eine Einschränkung der Spekulation haben nur zwei Kommissare. Einer ist ihr von Barack Obama geschickter Vorsitzender Gary Gensler. Die Gegner schärferer Vorschriften befürchten, dass die US-Finanzindustrie dadurch Schaden nehmen wird. Das ist die Position, die den Weg in die Finanzkrise bahnte und die seit Beginn dieser Krise politisch ausgeschlossen werden sollte. Sie wurde nicht ausgeschlossen. Nun wird sie zur nächsten Krise führen.

Spekulanten wird in absehbarer Zeit das Tor zur Preismanipulation weiter offen stehen. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass sie es nicht durchschreiten werden. Wenn sie sich momentan zurückziehen, kann das nur als temporäre Reaktion auf einen heiß gelaufenen Preis verstanden werden. Die Wirkung positiv interpretierbarer „Wasserstandmeldungen“ zur Konjunktur ist ausgereizt. Dass die Wirtschaft aufschwingt, wurde in den letzten Wochen oft behauptet. Nun muss sie es tun. Dass der Winter in diesem Jahr besonders kalt wird, wurde vehement vorhergesagt. Nun muss das Wetter kommen. Dass die Vorgaben eingehalten werden, ist schwer zu glauben. Da das so ist, gehen schlaue Spekulanten vorübergehend auf Tauchstation. Sobald eine nennenswerte Wiederbelegung des Aufwärtstrends zu vernehmen ist, werden sie wieder da sein. Dann wird der Preis weiter in die Höhe streben.

Es bleibt dabei, die Basis des Preissystems ist falsch, weil sie nicht das reale Wirtschaftssystem sondern das virtuelle Finanzsystem ist, wohlgemerkt mit ganz realen Finanzverschiebungen. Während das reale Wirtschaftssystem einem negativem Wachstum, besser ausgedrückt einer Schrumpfung unterliegt, wächst das Finanzsystem wieder exponentiell. Das muss zwangsläufig zu unüberwindbaren Verwerfungen führen. Ein bemerkenswerter Satz zum Thema kam vor einigen Tagen vom britischen Notenbankchef Mervyn King: "Noch nie in der Geschichte der Finanzwelt hatten so Wenige so viel Geld so Vielen zu verdanken - mit so wenig echten Reformen in der Folge, wie man hinzufügen könnte."

Die große Hoffnung, dass Politik das offensichtliche Problem löst, wird täglich enttäuscht. Das zeigt sich am Beispiel der Terminmarktaufsicht CFTC und das zeigt sich am Beispiel der neuen deutschen Politik. Da wird nicht vornehmlich an der Behandlung des wie ein Krebsgeschwür wachsenden Finanzsystems gearbeitet sondern stattdessen auf ein ähnliches Wachstum der Wirtschaft gesetzt. Wirtschaftswachstum ist das Mantra. Wirtschaftswachstum als exponentieller Vorgang. Seit den 1960er Jahren wird es angebetet. Erreicht wurde es nie. Seit damals läuft das Wirtschaftswachstum dem Kapitalwachstum hinterher. Seit damals öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter. Ohne jeden Zweifel erfreulich ist dabei, dass es allen Menschen hierzulande dennoch immer besser ging, wenigen mehr, vielen weniger. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Sache mit dem Wachstum in möglichst gleichen Raten auf Dauer nicht funktionieren kann. Sie kann nur als Phase der Geschichte erfolgreich sein. Einen alten Leitsatz, der nie wirklich funktionierte, als politischen Aufbruch zu verkaufen, ist der Führung dieser Gesellschaft nicht würdig. Wir haben Anspruch darauf, dass sich unsere politische Führung um vorausschauende Politik kümmert. Der Bundespräsident hat das mit seinem Plädoyer für eine Kultur der Nachhaltigkeit immerhin vorgemacht.

Um ein wenig Nachhaltigkeit wird es heute auch beim Ölpreis gehen, nämlich um die Hoffnung auf eine nachhaltige Gegenreaktion. Dafür sieht es gar nicht schlecht aus. Die gestern deutlich gefallenen Preise zeigen keine Tendenz, eine andere Richtung einzunehmen. Die Tonne Gasöl kostet 629,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 78,65 Dollar. Der US-Dollar wird zu 67,19 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben nach. Da der Dollar dem fallenden Ölpreis Paroli bietet, wird das Nachgeben im Vergleich zum Weltmarkt gebremst. Wir sind zuversichtlich, dass es zu etwas mehr Abgang im Heizölpreis kommen wird. Da wir derzeit noch keine Einschränkung für Spekulanten ausmachen können, sind wir mittel- und längerfristig allerdings skeptisch bezüglich tieferer Preise. Gut steht es hingegen um das innerdeutsche Preisgefälle wegen der Niedrigwasserproblematik. Es löst sich langsam auf. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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