Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Nahost-Schock überwunden

Die Börsen reagierten geschockt auf den Kriegsausbruch im Nahen Osten. Die Preise explodierten zeitweise. Bezüglich ihrer Bedeutung für die Ölwelt wird die Lage mittlerweile gelassener betrachtet. Preisübertreibungen werden zurückgenommen. Die Grundtendenz dürfte aber weiterhin bullisch bleiben. Der Dollar überrascht mit unerwarteter Stärke. Gestern schoss er nach guten US-Konjunkturdaten in die Höhe. Der erwartete Abwärtstrend ist derzeit nicht in Sicht.

Die großen Spekulanten kehrten unabhängig von den jüngsten Ereignissen im Nahen Osten zu ihrer bullischen Haltung zurück. Das geht sowohl aus den Handelsaktivitäten für Rohöl als auch aus der Kontraktverteilung hervor. Offensichtlich erwarten Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen preistreibende Ereignisse im Verlauf des Sommers. Einen Krieg unter israelischer Beteiligung hatten sie bisher vermutlich nicht auf dem Plan.

Preistreibend ist allemal die Antwort Teherans auf die Vorschläge der UN-Vetomächte zur Beilegung des Atomkonflikts. Eine konstruktive Einstellung lässt sich daraus in keiner Weise ableiten. Die Vorschläge wurden zurückgenommen. Die Sache wird erneut an den UN-Sicherheitsrat verwiesen. Langfristig werden Sanktionen wieder denkbar. Damit sprießen Sorgen vor einem Ölboykott. Die aktuelle Lage im Nahen Osten verschärft das Problem. Zwar besitzen die Kriegsparteien keine Einrichtungen, die für die Ölwelt von Bedeutung wären. Vieles deutet aber darauf hin, dass Teheran indirekt in das Geschehen involviert ist. Damit hätte der Konflikt doch einen ölrelevanten Ast.

Dass die Börse auf die Zusammenhänge panisch reagiert, liegt in ihrer Natur. Dass sie diese Panik bezüglich des Irans immer wieder dämpft, liegt an der Analyse der Handlungsmöglichkeiten. Die lässt den Schluss zu, dass der Welt selbst im Falle von Sanktionen und einem ausgerufenen Ölboykott kaum Öl vorenthalten wird. Iran ist auf die Öleinnahmen angewiesen. Das Land verfügt durch die Absatzmöglichkeiten nach China und in andere asiatische Länder über Kanäle, die den Ölverkauf erlauben, selbst wenn westliche Industrieländer offiziell boykottiert werden. Damit gelangt iranisches Öl weiter auf den Weltmarkt, so dass dieser keinen nennenswerten Mangel erleiden muss. Gleichwohl hätte der Ausruf eines iranischen Ölboykotts erhebliche preistreibende Wirkung.

Preistreibende Wirkung hätte auch ein Hurrikan im Golf von Mexiko. Der blieb bisher aus. Die Saison dauert noch rund zehn Wochen. Die Gefahr ist also latent vorhanden.

Kurzfristig ist kaum mit einem Rückgang der Preise zu rechnen. Allenfalls Übertreibungen werden annulliert, wie gerade geschehen. Im Gegenteil, in den kommenden Wochen ist ein weiterer Anstieg der Preise sehr wahrscheinlich. Langfristig, mit einem Horizont von mehreren Jahren, wird die Preisentwicklung von den großen Mineralölgesellschaften durchaus skeptisch, für Verbraucher positiv betrachtet. Das findet seinen Ausdruck in der Tatsache, dass Raffinerien, die heute als knappe Ressource gelten und große Gewinne einspielen, verkauft werden. Wir haben mehrfach erwähnt, dass erhebliche Kapazitätserweiterungen in Bau oder in Planung sind. Die werden die Raffineriesituation in einigen Jahren deutlich entspannen. Die Vermutung liegt nahe, dass sich damit auch die Preissituation entspannt. Neben einer Steigerung der Raffineriekapazitäten wird für die entwickelten Industrieländer mit einem Rückgang der Nachfrage gerechnet. In Deutschland sinkt diese bereits. Bis 2025 soll der Benzinverbrauch hierzulande um 40 Prozent zurückgehen. Nicht in dem Maße aber dennoch rückläufig soll im diesem Zeitraum auch der Dieselverbrauch sein.

Ursächlich für die Entwicklung ist eine Steigerung der Effizienz. Durch die Nutzung von Biokraft- und Brennstoffen wird die Abhängigkeit von mineralischem Öl zudem sinken. Die Hoffnung, dass die Preise wegen der Nutzung nachwachsender Rohstoffe langfristig sinken werden, ist allerdings unbegründet. Sobald ein Stoff einen nennenswerten Anteil im Kraft- oder Brennstoffmarkt erreichen wird, wird sich sein Preis den allgemeinen Marktbedingungen komplett anpassen. Die Vorgabe wird auf unabsehbar lange Zeit vom Mineralöl kommen. Sollte es in einigen Jahren wieder deutlich billiger sein, würden die Alternativen wie bereits in den 1990er Jahren abermals verschwinden. Sollte der Preis hoch bleiben, hätten die Alternativen auf dem vorgegebenen Preisniveau eine hervorragende Daseinschance. Die Effekte für die heimische Wirtschaft und die Umwelt wären allemal positiv.

Zukunftsperspektive beeinflusst die Preisbildung beim Gasöl heute Morgen kaum. Es ist eher der revidierte Einfluss der Geopolitik. Die Tonne kostet 641 $, Tendenz fallend. Am Freitag wurden noch Spitzenwerte um 660 $ gehandelt.

Unsere Heizölpreise fallen nach einem kräftigen Anstieg. Der Rückgang sollte sehr kurzfristig noch anhalten. In den nächsten Wochen rechnen wir aber eher mit ansteigenden Preisen. Der Auftrieb kommt sowohl vom Weltmarkt als auch aus dem Inland. Die Pegelstände auf den wichtigen Wasserstraßen sinken. Bei anhaltenden Wetterbedingungen kann es wieder zu Engpässen in einigen Öllagern kommen.

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