Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Neues Tief beim Rohölpreis

Nichts ist so alt wie die Meldung von gestern. Diese abgewandelte Presseweisheit kennt den Ölmarkt nicht. Der geriert sich dermaßen stabil in seinem Abwärtstrend, dass heute erneut aktuell ist, was gestern einmal aktuell war. In einfachen Worten, der Abwärtstrend steht wie eine Eins. Daran können weder schwache US-Bestandsdaten noch die Anmerkung aus OPEC-Kreisen, die Fördermengen am 17. Dezember definitiv zu kürzen, etwas ändern. Getrieben wird der Preisverfall von immer neuen Negativschlagzeilen der weltweiten Konjunktur. Neben dem Brandherd USA sorgen die europäische Exportwirtschaft und das Hoffnungsland China für Schockwellen. Wundersamerweise können die Aktienmärkte momentan den Fluch fallender Wirtschaftsindizes abwehren. Das hat eine beruhigende Wirkung auf die Dollarentwicklung. Die verläuft seit Ende Oktober seitwärts. Die Vermutung liegt nahe, dass damit nach dem Jahreswechsel Schluss ist, wenn die Fondsjongleure das saisonale Windowsdressing, also das Schönen ihrer Bücher abgeschlossen haben. Im neuen Jahr werden die Aktienmärkte dem Öltrend wohl folgen. Dann könnte der Dollar weiter steigen.

Die vom DOE (Department of Energy) allwöchentlich vorgelegten Zahlen über die US-Bestandssituation wiesen gestern ein Minus auf. Die korrespondierenden Werte des API (American Petroleum Institute) korrespondierten nicht, was ihnen üblicherweise vollständige Missachtung einbringt. Die aktuellen Daten beider Institutionen lauten wie folgt:

Rohöl: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,7 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 84 Prozent gesunken. In dieser latent schwachen Zahl liegt der Kern dafür, dass die Preise für Gasöl und Heizöl nicht so stark verfallen sind wie die Rohölpreise. Raffineriekapazität gibt es nicht im Überfluss. Dagegen ist Rohöl zur Zeit mehr als reichlich verfügbar. Diese nicht neue Aussage mag bei vielen Lesern angesichts der zuvor aberwitzig hohen Ölpreise Erstaunen wecken. Zur Aufklärung sei erneut betont, dass es bisher zu keinem Zeitpunkt eine Rohölknappheit gab. Bepreist wurde die Prognose einer Rohölknappheit. Die Knappheitsprognose für die Zeit nach 2010 gibt es immer noch. Sie wird aktuell von den Rezessionssorgen getoppt.

Gegen eine mögliche Knappheit helfen die Drosselung des Verbrauchs und die Stabilisierung des Angebots. Letzteres erfordert hohe Ersatzinvestitionen in eine heruntergewirtschaftete Ölinfrastruktur. Jährlich müssen mindestens 275 Mrd. US-Dollar aufgebracht werden, um dem Verfall, der ab dem nächsten Jahr in den Mengen erkennbar werden sollte, Einhalt zu gebieten. Die großen privaten Gesellschaften von ExxonMobil über Shell bis zu Total tragen dem Anspruch mittlerweile Rechnung. Sie setzen für die Aufrechterhaltung ihrer Lieferfähigkeit bis zu sieben Prozent (Shell) vom Umsatz ein. Damit geben sie positive Beispiele einer vorausschauenden Betriebsführung. Die Privaten sind allerdings nur Herr über 15 Prozent des weltweiten Rohölgeschäfts. Den großen Rest verantworten staatliche Gesellschaften. Und die zeigen wenig Neigung, in die Zukunft zu investieren. Statt dessen gaben die 20 größten Nicht-OECD-Länder, zu denen prominente Ölförderstaaten gehören, im vergangenen Jahr 310 Mrd. US-Dollar für die Subventionierung von Kraft- und Brennstoffen aus. Es handelt sich hierbei um Ausgaben, die den Verbrauch erhöhen, weil sie Ölprodukte verbilligen, und das langfristige Angebot schwächen, weil sie nicht für Ersatzinvestitionen zur Verfügung stehen. In den betreffenden Staatshaushalten sind die Beträge unter Soziales zu verbuchen. In Wahrheit sind sie unsozial, weil sie langfristig Armut verursachen. Ohne Zweifel hat der entfesselte neoliberale Markt Unheil über die Menschheit gebracht. Wie das Beispiel zeigt, sollte man sich aber davor hüten, in Staatswirtschaften die Alternative zu suchen. Politiker sind ebenso wenig Altruisten, wie es Manager sind.

Als altruistisch darf man heute Morgen die Preisentwicklung am Ölmarkt bezeichnen. Sie zeigt streng abwärts. Die Tonne Gasöl kostet 464 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 45,93 Dollar.

Unsere Heizölpreise fallen munter weiter. Sie treffen gerade auf die 2006er Werte. Nach wie vor gibt es eine rechnerische Preisüberhöhung gegenüber dem Weltmarkt. Die hat etwa den gleichen Umfang wie die zum 1. Januar 2009 anstehende Steuererhöhung auf Heizöl Extra Leicht. Verglichen mit dem zurückliegenden Preisverfall sind beide Werte gering. Im Gegensatz zur Steuererhöhung wird die rechnerische Überhöhung fallen, sobald die Nachfrage abebbt. Die Lieferzeiten reichen in einigen Regionen bis ins kommende Jahr. Man sollte die Einsparung aus dem unerwartet tief gesunkenen Preis nutzen, um seinen Wärmehaushalt krisensicherer zu machen. Schauen Sie sich dazu mal unser Logbuch für den Heizölverbrauch an.

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