Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Noch nichts entschieden

In der letzten Woche fielen die Preise an den unteren Rand des längerfristigen Aufwärtstrends. Ab Mittwoch deutete sich an, dass dieser Trend nun wieder das Regiment übernehmen wird. Allerdings ist eine echte Bewertung der Marktstimmung schwierig, da am letzten Freitag wegen der Gedenkfeiern zum Tod Ronald Reagans nicht gehandelt wurde. Die letzte Preisbewegung erfolgte also mit Rücksicht auf ein langes Wochenende. So etwas verfälscht die reale Marktstimmung.

Ab heute werden sich Bullen und Bären wieder um Sein oder nicht Sein des Trends streiten. Die Lage ist offen. Prognosen über die Gewinnerseite lassen sich derzeit nicht abgeben.

Auch unter fundamentalen Aspekten befindet sich der Markt in einer Patt-Situation. Für nachgebende Preise spricht die Lage am Rohölmarkt. Der ist gut versorgt. Und mit dem Bekenntnis Saudi Arabiens, das ohnehin schon deutlich über den bereits erhöhten Quoten produziert, notfalls noch eine Schippe drauf zu legen, gibt es eine theoretische Versorgungssicherheit. Praktisch wird diese Sicherheit allerdings in Zweifel gezogen. Terroranschläge auf Öleinrichtungen in Saudi Arabien lassen befürchten, dass dem Land durch ein paar gezielte Bomben erhebliche Mengen wegbrechen könnten. Diese Sorge hält die Preise hoch.

In Nigeria drohte ein Generalstreik wegen hoher Benzinpreise die Rohölfördering zu reduzieren. Nun ist die Gefahr gebannt. Der Generalstreik ist beendet. Die Förderung läuft normal weiter.

Neben der Sorge über terrorbedingte Lieferausfälle ist der Mangel an Raffineriekapazität zur Produktion von Benzin der wesentliche fundamentale Grund für die heißgekochten Preise. Erfreulicherweise entspannt sich der Benzinmarkt bereits seit Mai. Durch die inzwischen erfolgten Umstellungen der Raffinerien von Winter- auf Sommerproduktion fließen den Verbrauchern größere Benzinmengen zu. Die Lagermengen, die zwar weiterhin unter den Durchschnittswerten der letzten Jahre liegen, steigen langsam an. Die Sorge vor einem Benzinloch im Sommer schwindet und mit ihr die Hochpreisphase.

Die Märkte werden sich auch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass China den vorzeitigen Bau einer weiteren großen Raffinerie veranlasst hat. Die wird allerdings erst 2008 verfügbar sein. Bereits im kommenden Herbst trägt die Vergrößerung einer bestehen Anlage zur Erhöhung der Eigenproduktion bei.

In den letzten Monaten hieß es immer wieder, dass Investmentfonds einen besonderen Einfluss auf die Teuerung des Öls hatten. Über spezielle Fonds ist es inzwischen sogar Privatpersonen möglich, mit Öl zu spekulieren. Das ist auch geschehen. Die Zahl der im Umlauf befindlichen Ölkontrakte ist explodiert. Sie wurden in ihrer großen Mehrheit auf steigende Preise gekauft. Nun deutet sich eine Abkehr von diesen Positionen an. Sollten die Preise in den nächsten Tagen und Wochen weiter fallen, könnten die Fonds zu einer plötzlichen Beschleunigung der Bewegung beitragen, wenn sie nämlich zum großen Ausverkauf blasen.

Hierzulande spielt der Dollarkurs eine große Rolle für die Preisbildung. Der machte seit Mitte Mai Anstalten, sich sehr verbraucherfreundlich zu entwickeln. In der letzten Woche kam es aber zu einem dramatischen Wechsel der Bewegungsrichtung, weil Alain Greenspan Andeutungen einer Zinserhöhung ins Spiel brachte. Diese wird von Devisenexperten sehr ernst genommen. Daher setzen sie nun wieder auf eine steigende US-Währung.

Der Gasölpreis lässt heute Morgen noch keine Richtung erkennen. Er steht bei 316$ pro Tonne. Das ist innerhalb der Handelsspanne vom Freitag.

Unsere Heizölpreise haben sich von einem Zwischentief am 9. Juni klar abgehoben. Darin kommt der teurere Dollar bereits deutlich zum Ausdruck. Wohin die Preisbewegung nun führen wird, ist vollkommen offen. Die Möglichkeit eines nennenswerten Preisrückgangs ist ohne Zweifel gegeben. Wir sind allerdings eher skeptisch, dass er tatsächlich eintreten wird. Nach unserer Einschätzung würde er durch einen rasant steigenden Dollar weitgehend kompensiert werden.

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