Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Nun kämpft sie wieder

Tagelang schien sich die Finanzszene mit dem Niedergang der Ölpreise abzufinden. Angesichts mieser Konjunkturdaten, schwacher Ölnachfrage und zu hoher Ölversorgung in den USA findet sie ausreichende Gründe dazu. Gestern wurde jeder einzelne Grund für einen Preisrückgang getoppt. Die Preise gingen aber nicht weiter zurück. Sie stiegen und zwar kräftig. Finanzjongleure leisteten erfolgreich Widerstand gegen den drohenden Abwärtstrend der Ölnotierungen. Dieser Widerstand formiert sich nicht unerwartet an der unteren Grenze des zurzeit gültigen Seitwärtstrends. Fundamental spricht alles für einen Durchbruch durch die Grenze, also für fallende Ölpreise. Charttechnisch ist das Gegenteil der Fall. Die fundamentale Sichtweise ist vom Realmarkt geprägt. Die Charttechnik gibt die Machtverhältnisse bei der Preisbildung wider. Sie gehorcht der mit üppiger Liquidität ausgestatteten Finanzwelt.

Die guten Nachrichten des Tages kamen aus Deutschland. Hier brummt der Laden. Die schlechten Nachrichten kamen aus den USA. Dort schrumpft das Geschäft. Immer weniger langlebige Wirtschaftsgüter werden geordert. Das Interesse an neuen Häusern nimmt weiter ab. Es handelt sich um Tagesnachrichten. Sie stehen aber exemplarisch für die gegenwärtige Wirtschaftsphase. Beide Länder haben eine schwache Binnenkonjunktur. Aber während Deutschland vom Lebensstil des Konsumismus durch den Export hervorragender Investitionsgüter profitiert, müssen die USA zusehen, wie dieser von ihnen kreierte Lebensstil andernorts kopiert wird, ohne daraus Profit zu erzielen. Sie haben nur die schwache Binnenkonjunktur. Es ist die Geschichte von Goldgräbern und Schaufelherstellern. Die einen stolpern über ihren Rausch. Die anderen machen solide Geschäfte. Das funktioniert allerdings nur solange, wie es Goldminen gibt. Das Ende der Goldminen ist schon absehbar.

Zu den schlechten Wirtschaftszahlen aus den USA gesellten sich gestern bemerkenswerte Daten aus den dortigen Öllagern. Bemerkenswert sind die Daten, weil sie schon wieder alle Erwartungen durch unerhört hohe Aufbauten in den Schatten stellten. In den Worten „schon wieder“ steckt aber auch das eigentlich Unbemerkenswerte. Denn der Aufbau in den Öllagern wird zur Gewohnheitsangelegenheit. Die USA werden vom Öl überschwemmt, nicht nur an ihren südlichen Küsten, sondern auch an ihren Versorgungsstellen. Diese Tatsache ist mit der gleichzeitig stattfindenden Debatte um das nahende Peak Oil, das Erreichen des Fördermaximums, schwer in Kohärenz zu bringen. Das gilt zumindest dann, wenn man konstatiert, dass Wirtschaftsmacht und Lebensstile unveränderbar sind. Wenn man die Veränderbarkeit zulässt, wird klar, dass sich die USA in einem solchen Prozess befinden. Ihr Problem ist dabei, dass dieser Prozess geschieht, sie ihn aber nicht steuern.

Von der Interpretation zurück zu den Fakten: Die von API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) herausgegebenen Zahlen zur wöchentlichen Veränderung in den US-Tanklagern lauten wie folgt:

Rohöl: +4,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,1 (DOE) bzw. 0,8 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 88 Prozent gesunken. Die Daten der beiden berichtenden Organe sind abermals widersprüchlich. Zusammen mit den Werten der letzten Woche ergeben sie aber durchaus ein plausibles Bild. Fakt ist, dass die USA in der jüngeren Geschichte nie auf so hohen Ölvorräten saßen wie heute. Das lässt einen unerwartet intensiven Nachfragerückgang erahnen.

Heute Morgen halten die Ölpreise die gestrigen Gewinne. Die Finanzszene wird sich bemühen, diese Gewinne ungeachtet des fundamentalen Widerspruchs, der in ihnen steckt, auszubauen. Sollte ihr das gelingen, ist mit einem nachgebenden Dollar zu rechnen. Die Tonne Gasöl kostet 623,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 73,07 Dollar. Der US-Dollar wird zu 78,50 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten gestern zu. Die Aussicht auf tiefere Preise wurde von widerspenstigen Finanzjongleuren durchkreuzt. Nun ist im weiteren Verlauf eher eine leichte Teuerung zu befürchten. Das hört sich unfreundlicher an, als es ist. Denn unabhängig von der Richtung der Preise ist ohnehin nicht mit einer starken Veränderung zu rechnen. Ölnotierungen und Dollarentwicklung wirken meist entgegengesetzt. Man kann davon ausgehen, dass sich dieser Umstand sobald nicht ändern wird. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen