Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Nun sollen sie an die Kette

Aus einem ruhig angegangenen Preisabgang ist mittlerweile ein Sturz geworden. Binnen zehn Tagen gaben die Rohölnotierungen um zwanzig Prozent nach. Bei Gasöl lief ein Minus von fünfzehn Prozent auf. Ein Ende der flotten Bewegung ist nicht absehbar. Irgendeinen Grund für den Lauf ließ sich an jedem der vergangenen Handelstage Tage finden. Gestern sorgten die US-Bestandsdaten und die neue Nachfrageprognose der OPEC für kräftigen Preisdruck. Der Dollar gibt den obligatorischen Gegenpart zum Abwärtstrend der Öl- und Aktiennotierungen. Dieser ist erstaunlich flach. Als Aufwärtstrend kann man ihn kaum betiteln.

Die Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Bestandsentwicklung in den USA bringen nichts Neues hervor. Sie untermauern, dass der Markt tendenziell überversorgt ist. Die Lager sind nach wie vor randvoll. Es gibt lediglich eine Verschiebung von den Rohöl- in die Produktentanks. In Zahlen liest sich das so:

Rohöl: -2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 2,7 (DOE) bzw. 2,8 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind erneut gesunken. Sie sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt unverändert 87 Prozent. Obwohl Importe und Raffineriedurchsatz relativ gering sind, steigen die Vorräte. Das lässt sich nur durch die schwache Nachfrage erklären.

Dies erkennt die OPEC in ihrer aktuellen Nachfrageprognose an. Alte Nachfragezahlen sind Makulatur. Bis der Bedarf des ersten Halbjahres 2008 wieder erreicht wird, werden Jahre vergehen. Im Jahr 2013 könnte es soweit sein. Dann wird die Nachfrage rund sechs Mio. Barrel pro Tag unter den ursprünglichen Prognosen liegen. Ursächlich dafür ist die Wirtschaftskrise, der erhöhte Einsatz von Bioölen und ein sinkender Verbrauch in den führenden Industrienationen seit dem Zenit im Jahr 2005. Die Zeichen, dass die demokratischen Industrieländer einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Energie durchlaufen, werden immer deutlicher. Das, was auf dem G8-Gipfel als Durchbruch für die Klimaverhandlungen gefeiert wird, hat längst eine Basis im Konsumentenverhalten der Bevölkerungen. Deshalb kann es klappen. Politik geht keine neuen Wege. Politik folgt lediglich ihren Völkern.

Auf dem Weg zu einem neuen Umgang mit Rohstoffen, Energie und Konsum kann die Finanz- und Wirtschaftskrise hilfreich sein. Ob die Hilfsaktionen für das Finanzsystem, die nach einhelliger Meinung alternativlos waren, der übergeordneten Sache dienten, darf immerhin bezweifelt werden. Derartige Zweifel gibt es allem Anschein nach auch auf höherer politischer Ebene. In den USA ist man ernsthaft bemüht, die Finanz- und Bankenwelt an die Kette zu legen. Es waren bereits einige erboste Kommentare führender Politiker über das „Weiter wie bisher“ der Finanzszene zu hören.

Der letzte Auswuchs in diesem Komplex fand beim Handel mit Ölpapieren statt. Er hatte das Ziel, die Preise zu manipulieren. Stattgefunden hatte er in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni. Der 29. war der Tag, an dem der Abgang der Preise Form anzunehmen begann. Dieser Umstand hat einen auf Long positionierten Broker, der im Dienst eines großen Handelshauses stand, offensichtlich durchdrehen lassen. Er beschaffte sich Geld und drückte es in den Markt, um die Kurse hoch zu treiben. Zeitweise gelang ihm das. Es kam zu einer für uns vollkommen unerklärlichen Preisbewegung (siehe Kommentar am 30.06.). Bekanntermaßen kamen die Preise zurück. Das Brokerhaus erlitt einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Dieser Vorgang ist kein Einzelfall. Bisher gingen Politik und Aufsichtsbehörden lax damit um. Das ändert sich nun. Der neue Chef der US-Terminmarktaufsicht, Gary Gensler, will den Papierhandel beschränken. Er denkt daran, nur so viele Futurespositionen zu erlauben, wie durch physisch vorhandenes Öl bedient werden können. Dann wären grenzenlose Futureskäufe, die nur der Preistreiberei dienen, nach dem Motto “Wer das meiste Geld hat, bestimmt den Preis“ nicht mehr möglich. Bevor Gensler Chef der Terminaufsicht wurde, war er Banker in Diensten von Goldman & Sachs, dem für die Ölpreisbildung einflussreichsten Investmenthaus. Der Mann weiß also sehr gut, worüber er nachdenkt. In letzter Zeit ist von einigen bekannten Personen der Investmentszene zu hören, die das Lager der Einstellung zum Markt gewechselt haben. Auch dieser Umstand ist ein Indiz dafür, dass sich der Lauf der Dinge wandelt.

Heute Morgen wandelt sich in Sachen Preisbewegung nichts. Dem gestrigen Rückgang steht eine leichte, bisher unbedeutende Gegenreaktion gegenüber. Insgesamt macht der Abwärtstrend einen sehr stabilen Eindruck. Die Tonne Gasöl kostet 491 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 60,82 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,79 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben weiterhin nach. Sie haben seit ihrem Topp Mitte Juni gute zehn Prozent verloren. Bezogen wird diese Zahl auf eine 3000-Liter-Partie. Es ist mehr Preisrückgang möglich und wahrscheinlich. Die Gefahr eines plötzlichen Stimmungswechsels scheint zu sinken, nicht zuletzt weil Spekulanten verunsichert sind. Diese können sich aber jederzeit wieder berappeln und für eine Stimmungswende sorgen. Deshalb bleibt die Spekulation auf tiefere Preise ein Risikovorgang. Wer sich darauf beim Heizölkauf einlassen möchte, sollte klare Kenntnisse über den eigenen Vorrat und Verbrauch haben. Andernfalls besteht die Gefahr, plötzlich mit einem leeren Tank dazustehen und zum Kauf gezwungen zu sein. Als Unterstützung empfehlen wir den elektronischen Peilstab und das Logbuch für den Heizölverbrauch.

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