Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Nun wird es spannend

Trotz überraschend positiver Daten über die US-Vorräte ziehen die Ölnotierungen an. Charttechnisch liefern sie deutliche Signale einer Bewegungsumkehr. Diese findet in der Nähe des unteren Rands der langfristigen Aufwärtsbewegung statt. Der Aufwärtstrend bleibt damit zunächst ungebrochen. Für europäische Verbraucher ziehen die Preise spürbar an. Sie werden von einem heftigen Dollaranstieg unterstützt.

Am Vortrag gerieten die Ölpreise noch einmal stark unter Druck, nachdem das US-Energieministerium seine Erkenntnisse über die Lage der Ölversorgung kund tat. Der Tenor des Reports lautet ?alles ok?. Angebot und Nachfrage sind bis in das Jahr 2005 ausgeglichen. Im laufenden Jahr gibt es sogar ein Überangebot an Rohöl. Die Weltnachfrage für 2004 beträgt danach 81,6 Mio. Barrel pro Tag. Dem stehen Lieferungen von 82,2 Mio. Barrel gegenüber. 2005 werden Nachfrage und Angebot auf 83,8 Mio. Barrel pro Tag steigen.

Dem Bericht zu Folge wird die OPEC-Förderung im Juni real angehoben. Sie soll 28,8 Mio. Barrel pro Tag betragen. Der Irak trägt mit 2,4 Mio. Barrel täglich dazu bei. Seine Förderung soll bis Jahresende auf ca. 2,9 Mio. Barrel pro Tag steigen. Damit wäre sie höher als zu Kriegsbeginn.

Die Zahlen belegen, dass die Rohölversorgung nicht das Problem ist. Das Problem besteht vielmehr in der Verarbeitung des Rohöls zu Produkten insbesondere zu Benzin. Die weltweiten Raffineriekapazitäten sind zu knapp, um dem steigenden Bedarf folgen zu können.

Die gestern vorgelegten Zahlen über die US-Vorräte fallen unerwartet positiv aus. Sie spiegeln das Raffineriedilemma nicht wieder. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) meldeten:

Rohöl: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: 2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,8 Mio. Barrel (API)

Die Zahlen sind sehr widersprüchlich. In Summe ergeben sich Zuwächse von 1,9 bzw. 9,2 Mio. Barrel. Die Entwicklung der Benzinvorräte wird aber von beiden Institutionen positiv gesehen. Die Importe laufen weiterhin auf hohem Niveau, allerdings verlieren sie zur Vorwoche. Die Raffinerieauslastung ist mittelmäßig.

Die Vorrats-Berichte sollten die Preise weiter unter Druck setzen. Das taten sie allerdings nicht, da die Stimmung an den Märkten drehte. Als fundamentaler Grund für den Wechsel werden Streiks in Nigeria genannt, die die Produktion lahm legen könnten.

Entscheidender ist aber wahrscheinlich der charttechnische Einfluss. Der Preisrückgang der letzten Tage hat den Boden des Aufwärtstrends erreicht. Nun wird gekämpft. Es geht um Sein oder nicht Sein des Trends. Bei Aufrechterhaltung des Trends ist der Wechsel der Bewegungsrichtung die logische Konsequenz. Ob es wirklich wieder aufwärts geht ist noch offen. Die harten Argumente für einen Fortgang des Aufwärtstrends haben sich allerdings seit Wochen kaum geändert. Geändert hatte sich lediglich die Psychologie der Märkte.

Unangebnehmer als die Entwicklung der Weltmarktpreise belasten die letzten Äußerungen Alain Greenspans die Verbraucher. Er hat den Dollar mit seinen Zinsandeutungen kräftig in die Höhe geprügelt. Das zeigt sich im Heizölpreis.

Der Gasölpreis legt wieder zu. Gegenüber gestern Morgen verteuert er sich heute um 10,50$ auf 314,50$ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise ziehen als Folge der Preisentwicklung am Weltmarkt und insbesondere des Dollars deutlich an. Ob der Preisrückgang damit bereits sein Ende gefunden hat oder ob es sich nur um eine kurzfristige Gegenreaktion auf die stark gefallenen Preise handelt, bleibt Spekulation. Da die preistreibenden Argumente aber noch lange nicht erledigt sind, stehen wir eher auf dem Standpunkt, jetzt Heizöl zu kaufen und damit neuen Preissteigerungen zuvor zu kommen.

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