Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


OPEC übt Einflussnahme auf die Preise

Nach einer langen Phase steigender Preise fällt es der OPEC schwer, auf die Verteidigung einer unteren Preisgrenze umzuschalten. Eine gemeinsame Linie der Kartellmitglieder gibt es noch nicht. Öffentliche Statements sind wechselhaft. Das wirkt sich direkt auf die Preisentwicklung aus. Sie pendelt um die 60-Dollar-Marke bei Brent und WTI (West Texas Intermediate). Eine sichere Bank ist die Marke noch nicht. Ein Durchbrechen nach unten ist allemal denkbar. Der Dollar befindet sich in einem kurzfristigen Aufwärtstrend. Da diesem die solide fundamentale Grundlage fehlt, sollte seine Haltbarkeit eher kurz sein.

Weder klar noch abgestimmt sind die Bemühungen von OPEC-Offiziellen zu Lieferkürzungen. Laut Quotenregelung produzieren die Mitglieder momentan 28 Mio. Barrel pro Tag. Unabhängige Beobachter schätzen die Produktion allerdings auf 30 Mio. Barrel. Die am häufigsten genannte Kürzungszahl lautet eine Mio. Barrel täglich. Würde diese Zahl realisiert, läge die Produktion weiterhin über der offiziellen Festlegung. Als wahrscheinlich gilt, dass selbst die Kürzung um eine Mio. Barrel nicht kurzfristig umgesetzt wird. Gestern Abend war aus dem Kartell weder eine offizielle Kürzungszahl noch ein Termin für eine Sondersitzung zu vernehmen. Mit beiden Elementen wird man in den kommenden Tagen und Wochen versuchen, die Preisbildung zu beeinflussen. Diese Waffen zur Verteidigung der aktuellen Grenzlinie sind nicht sehr scharf. Der nächste sichere Termin für eine Entscheidung über die Ausstoßpolitik liegt im Dezember. Dann treffen sich die OPEC-Minister zu ihrer turnusgemäßen Sitzung. Von einem Beschluss zur Ausstoßbeschränkung bis zu seiner Realisierung liegt aber auch dann noch ein unsicherer Weg.

Etwas Unterstützung findet der Preis derzeit durch die erneut aggressive Haltung Teherans zur Urananreicherung und durch den Atombombentest Nordkoreas. Die Nachfragesteigerung Chinas findet hingegen wenig Beachtung.

Mittel- und langfristig stehen die Zeichen für ein Preisniveau zwischen 50 und 60 Dollar bei den oben genannten Rohölsorten recht gut. Dass sich die Perspektive bereits heute ergibt, ist in erster Linie dem Ausbleiben von Hurrikans in den USA, einer sich abkühlenden US-Konjunktur und der relativen Ruhe im Atomstreit mit dem Iran zu verdanken. Insbesondere in den USA hat sich ein noch stärkerer Preisrückgang für verschiedene Energieträger durchgesetzt als hierzulande. Die Krone des Preisverfalls trägt Erdgas. Um 70 Prozent gaben die Preise binnen eines Jahres nach. Als Folge der Abwärtsbewegung kann man für Benzin eine Seitwärtsentwicklung der Preise seit Frühjahr 2005 konstatieren. In sechs Jahren ist der Preis um ?nur? 45 Prozent gestiegen. Wer hätte das gedacht? Anders sieht es bei Rohöl und Heizöl aus. Die Preise liegen um 100 Prozent über den Werten des Jahres 2000. Hier gibt es noch Rückgangspotential.

Dass dieses früher oder später realisiert wird, ist nicht unwahrscheinlich. Über die weltweit rasant steigende Nachfrage herrscht nicht mehr Einigkeit. Zwar behält die IEA (Internationale Energie Agentur) ihre prognostizierte Steigerungsrate für 2006 von 1,7 Prozent bei. Bis 2011 sollen es jährlich im Durchschnitt über 2 Prozent sein. In der Vergangenheit erwiesen sich die Pariser Fachleute aber oft als schlechte Vorhersager. Argus, ein renommierter Energieinformationsdienst, sieht die aktuelle Steigerung bei 1,1 Prozent oder 0,9 Mio. Barrel pro Tag und in 2007 bei 1,4 Prozent oder 1,1 Mio. Barrel pro Tag. Allein die Förderung der Nicht-OPEC-Länder wird im kommenden Jahr um 1,3 Mio. Barrel pro Tag steigen. Der frühere Chef der staatlichen Saudi Arabischen Ölgesellschaft Aramco, al-Husseini, ahnt, dass die Nachfragesteigerung in den nächsten 10 Jahren nicht mit der Produktionssteigerung in Höhe von 20 Mio. Barrel pro Tag Schritt halten kann. Die These findet bereits in der jüngeren Geschichte einen bestätigenden Vergleich. Nach der Energiepreiskrise Anfang der 1980er Jahre mit inflationsbereinigten Preisspitzen über den zuletzt erreichten Werten brachen die Preise in den 1990er Jahren auf historische Tiefs ein. Grund hierfür war u.a. ein deutlich über dem Bedarf liegender Produktionsaufbau.

Der Energiebedarf wird in den kommenden Jahren allein wegen des überfälligen Klimaschutzes eine noch nicht vorhersehbare Wendung nehmen. Außerdem wird die Entwicklung der wichtigen Volkswirtschaften wie beispielsweise Chinas nicht so geradlinig verlaufen, wie heute angenommen wird. Auch hierfür hat die jüngere Geschichte Beispiele. Südkorea, das Boomland im ausklingenden 20sten Jahrhundert mit einer gewaltigen Nachfragesteigerung nach Öl, löste den Ölpreisverfall durch einen Wirtschaftscrash maßgeblich mit aus. Heute steht das Land wirtschaftlich wieder gut da. Der Ölverbrauch wurde aber seit 10 Jahren kaum noch gesteigert.

Heute Morgen steigt der Gasölpreis wieder. Die Tonne kostet 549,25$. Vorläufig sieht es so aus, als pendelten die Werte weiter um die Marke von 550$.

Unsere Heizölpreise werden wahrscheinlich ähnlich wie die internationalen Werte um das aktuelle Niveau schwingen. Im Inland gäbe es allerdings noch Korrekturbedarf. Im Osten und Süden sind die Preise vergleichsweise hoch. Eine undurchsichtige Zuteilungspolitik seitens der Industrie verursacht immer wieder Lieferprobleme und verhindert einen klareren Preisrückgang. Der wäre rechnerisch allemal möglich. Die Lieferzeiten sind auf Grund der anhaltend hohen Nachfrage sehr lang.

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