Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


OPEC übt Quotentreue

Nachdem die Kurse einige Tage in Folge fielen und sich eine bärische Stimmung an den Märkten einzuschleichen begann, kam am Freitag vollkommen unerwartet eine kräftige Kehrtwende. Die Kursgewinne beim Rohöl betrugen fast einen Dollar. Hierzulande stieg der Preis für Ölprodukte noch deutlicher, da der Dollar weiter Stärke gegenüber dem Euro demonstriert.

Ursächlich für die heftige Preisbewegung soll eine Einschätzung von Ölanalysten zur Juni-Produktion der OPEC sein. Die wird mit einem Minus von 1,8 Mio. Barrel pro Tag gegenüber dem Mai angegeben. Ohne den Irak wird die OPEC-Produktion im Juni vermutlich 25,3 Mio. Barrel pro Tag betragen. Damit läge sie 0,1 Mio. Barrel unter der festgesetzten Quote. Sollte sich der Wert bestätigen, hätte die OPEC damit ein kaum erwartetes Zeichen für ihre Geschlossenheit und Entschlusskraft gesetzt. Und die beeindruckt die Märkte mehr als die reale Versorgungslage, die zumindest auf der Rohölseite gut aussieht.

Der Irak wird vermutlich auch im nächsten Monat keinen nennenswerten Beitrag zur Ölversorgung der Welt leisten. Die Probleme beim Wiederaufbau der Ölindustrie scheinen derzeit eher zu wachsen als sich aufzulösen. Die Opposition verschiedener irakischer Gruppen gegen die Besatzer nimmt zu. Ein Mittel gegen Gewalt und Terror haben die USA noch nicht gefunden.

Ein anderer großer Ölproduzent überraschte die Fachleute am Freitag mit großen Zahlen. Venezuela produziere angeblich rund 1,0 Mio. Barrel pro Tag über der OPEC-Quote. Die liegt bei 2,9 Mio. Barrel pro Tag. Vor zwei Wochen noch machten Spekulationen die Runde, dass das Land nicht in der Lage sei, nur in die Nähe der per Quote erlaubten Förderung zu kommen. Misswirtschaft und Unruhen im Land haben die Ölindustrie zu sehr geschwächt. Meldungen über die Förderfähigkeit Venezuelas sind seit geraumer Zeit propagandistische Äußerungen, die wenig Bezug zur Realität haben. Skepsis ist hier angebracht.

Die Preischarts zeigen nun ein Bild, das die letzten Preisrückgänge eher in das Licht einer Gegenbewegung zum Aufwärtstrend setzt. Sollte es zu einer Rückkehr des Aufwärtstrends kommen, kann Öl in Europa schnell teuer werden. Da der Dollarkurs seine Richtungsänderung zu stabilisieren scheint, müsste mit einer doppelten Teuerung gerechnet werden.

Heute Morgen werden die letzten Kursgewinne für Gasöl weitgehend bestätigt. Mit 231$ pro Tonne liegt der Preis am oberen Rand der Handelsspanne vom Freitag.

Unsere Heizölpreise wurden kräftig in die Höhe getrieben. Einmal mehr zeigt sich, wie unberechenbar der Markt ist, der in den letzten Tagen eher in ruhigen Bahnen verlief. Wer das aktuelle Preisniveau zum Einkauf nutzte, handelte ohne Zweifel gut. Wer versuchte, ein Optimum für den Einkauf zu erwischen, kann sich nun auf der falschen Seite wiederfinden und den Preisen hinterherlaufen. Doch trotz des jüngsten Anstiegs sind die Preise immer noch uneingeschränkt empfehlenswert für einen Kauf. Sie befinden sich im Durchschnitt gerade 2,3% über dem 12-Monats-Tief.

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