Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


OPEC hat auf ganzer Linie versagt

Rohöl und Ölprodukte befinden sich weiter im Höhenflug. Begründet wird das mit knapper Verfügbarkeit der Ware in Folge stark gestiegener Nachfrage einerseits und dem Engagement großer Spekulanten andererseits. Ein baldiges Ende des Aufwärtstrends ist nicht in Sicht. Verbraucher reagieren mit Kaufzurückhaltung. Ob die Weltwirtschaft durch die hohen Preise einen Einbruch erleidet, ist noch ein Streit unter den Gelehrten.

Rohöl kostet derzeit fast 70% mehr als vor einem Jahr. In Dollar notiertes Heizöl ist 76% teurer und Heizöl in Deutschland kostet 48% mehr als vor 12 Monaten. Die jährlichen Durchschnittpreise für Heizöl werden sich schätzungsweise um knapp 30% auf internationalem und 18% auf nationalem Parkett verteuern. Andere Energieträger wie Gas und Kohle ziehen mindestens so stark mit.

Die OPEC hat unter Führung des weltgrößten Ölproduzenten Saudi Arabien (Anteil ca. 12%) die Rolle des ausgleichenden Faktors zur Stabilisierung der Ölpreise übernommen. Waren in den Vorjahren angesichts heftiger Preisbewegungen bereits Zweifel an der Erfüllung dieser Rolle angebracht, so kann man nun konstatieren, dass die OPEC versagt hat. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ist das Kartell nicht in der Lage, ernsthaft die Preisbildung zu beeinflussen. Die Förderkapazitäten reichen nicht aus, um die gegenwärtige Nachfrage mit einem genügend großen Puffer zu befriedigen.

Noch schlechter sieht es bei den Weiterverarbeitungsanlagen aus. Knapp 36% der Weltförderleistung stehen gerade einmal 8% der Raffineriekapazitäten gegenüber. Mehr als die Förderung stellen sich aktuell die verfügbaren Raffinerien als Flaschenhals dar. Nun kann man der OPEC zumindest im Punkto Raffineriekapazitäten keinen Vorwurf machen. Es ist die originäre Aufgabe der Industrienationen über ausreichende Verarbeitungsanlagen zu verfügen. Hier haben insbesondere die USA seit Jahrzehnten versagt. Derzeit wird die Genehmigung für den Bau einer neuen Raffinerie eingeholt. Es ist die erste seit fast 30 Jahren. Die OPEC, China, Russland und andere Nationen haben verstanden und beginnen zu handeln. Endlich werden neue Raffinerien gebaut. Bis diese in die Versorgungskette eingebunden sind, werden aber noch 5 bis 8 Jahre vergehen.

Insbesondere in den Wüstenstaaten des Mittleren Ostens sind inzwischen genug Öldollar aufgelaufen, um in den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten für Förderung und Weiterverarbeitung investieren zu können. Ob die Industriestaaten daran langfristig Freude haben werden, ist zweifelhaft. Die Abhängigkeit von den politisch unsicheren Regionen wird deutlich zunehmen.

Dass die Preise solange steigen werden, bis die neuen Raffinerien verfügbar sind, muss indes nicht befürchtet werden. Das rasante Wachstum Chinas, das momentan ein Hauptgrund für die Nachfrageexplosion ist, dürfte früher oder später einknicken. Gelehrtenstreit über die Folgen der Preiserhöhungen hin oder her, die Weltwirtschaft und mehr noch die chinesische Wirtschaft werden mit immer teureren Rohstoffen nicht klar kommen. Dort, wo die Rohstoffabhängigkeit am größten ist, wird die Wirtschaft zuerst nachgeben. Das ist in China und auch in den USA der Fall. Negative Folgen für die Weltwirtschaft aber auch billigeres Öl werden die Konsequenz sein. Wenn schließlich die neuen Kapazitäten zur Verfügung stehen, sollte der Ölpreis für einige Zeit sogar zusammenbrechen. Dann kann die OPEC einen neuen Versuch starten, mit Ausstoßschränkungen stabilisierend auf die Preisbildung einzuwirken. Ob es hilft?

Die großen Spekulanten haben ihre Positionen auf steigende Kurse übrigens wieder reduziert. Kleine Spekulanten haben ihre Positionen auf fallende Kurse sogar ausgebaut. In der Tat ist das Gesamtengagement von Spekulanten im Markt groß. Aber ein eindeutig preistreibender Faktor lässt sich in dieser Gruppe nicht ausmachen. Zu denken gibt vielmehr der Umstand, dass die Ölgesellschaften selbst ihre Verkaufspositionen reduzieren. Das signalisiert, dass sie sich mehr Sorgen über den Nachschub der Ware als über den Verkauf der Ware machen.

Aus charttechnischer Sicht müsste in den kommenden drei bis vier Wochen ein Rückschlag anstehen. Dass daraus allerdings mehr Entspannung als Ende August resultieren sollte, ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist dagegen, dass nach einer Gegenbewegung eine weitere Teuerungswelle kommen wird.

Der Gasölpreis geht heute Morgen mit 510,50$ pro Tonne in die Woche. Er liegt damit knapp unter dem historischen Höchstwert.

Unser Heizölpreise zeigen einen exorbitanten Anstieg, der dem im September 2000 kaum nachsteht. Es ist nun doch zu befürchten, dass die Preisspitzen von damals in nicht all zu ferner Zukunft überboten werden. Verbraucher zeigen ihren Unmut über die Preise mit Kaufzurückhaltung und Sparsamkeit. Das führt entgegen unserer Erwartung dazu, dass sich Lieferengpässe in Grenzen halten. Viele Verbraucher spekulieren auf bessere Preise in einigen Monaten. Diese Einstellung teilten wir noch vor wenigen Wochen. Angesichts der bekannten Umstände über die weltweite Versorgung sehen wir die Chancen für nachhaltig rückläufige Preise während des kommenden Winters nun aber schwinden.

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