Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


OPEC heute unter Druck

Die Ölminister der OPEC kommen heute zu einem außerordentlichen Treffen zusammen, auf dem eine Kürzung der Liefermengen zur Stabilisierung der Preise beschlossen werden soll. Wenn man 60 Dollar für Rohöle aus Texas und aus der Nordsee als Schicksalsmarke ansieht, ist die Lage für die OPEC prekär. Die Preise drohen abzustürzen. Gestern fielen die Notierungen für kurzfristige Lieferung unter 60 Dollar. Der US-Dollar wies am Tagesende wenig Nettobewegung gegenüber dem Vortag auf. Die Bewegung wird vermutlich weiter im Trendkanal zwischen 77 und 80 Eurocent verlaufen. Z.Z. befindet sie sich nahe der oberen Grenze.

Die OPEC-Minister werden heute eine Kürzung verkünden. Etwas anderes bleibt ihnen gar nicht übrig, wenn sie die Preise stützen wollen. Die Kunst wird darin bestehen, den nicht geeinten Haufen als eine einmütig handelnde Gemeinschaft zu verkaufen. Der spiritus rector dieser Gemeinschaft ist Saudi Arabien. Bisher kam von dort noch keine klare Äußerung zur Mengenregulierung. Unter Analysten wird bezweifelt, dass Riad derzeit kürzen will. Daher wird OPEC-Präsident Daukoru hohes diplomatisches Geschick sowohl im Inneren als auch nach außen vor der Presse mitbringen müssen, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Selbst wenn eine Kürzung heute glaubhaft gemacht werden könnte, wird ihre Realisierung in den kommenden Wochen und Monate immer wieder in Frage gestellt werden. Um die OPEC-Staaten im Handeln zu einen, bedurfte es in der Vergangenheit großer Preisnot.

Charttechnisch befinden sich die Preise in einem pausierenden Abwärtstrend, der im Begriff steht, wieder Fahrt aufzunehmen. D.h. für die OPEC, dass Aussitzen und auf Winter oder geopolitische Einflüsse zu warten, keine Handlungsalternative darstellt. Dem Mehrbedarf an Öl, insbesondere Heizöl, den ein Winter normalerweise bringt, stehen prall gefüllte Lager gegenüber, die nach aktueller Lage der Dinge, nur schwer zu plündern sein werden. Nach vorherrschender Meinung wird die US-Konjunktur in den kommenden Monaten schwächer werden, was einen Nachfragerückgang zur Folge haben dürfte. Lediglich der Ölbedarf Chinas steigt weiterhin enorm stark, zumal dort die strategischen Reserven erhöht werden.

Wie gut es um die Versorgung steht, wurde gestern anhand der Zahlen über die US-Vorräte demonstriert. Auf den ersten Blick sehen die Werte von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) nicht gut aus, weil sie sinkende Bestände nennen. Bei genauer Betrachtung zeigt sich aber, dass die Vorräte weiterhin auf höchstem Niveau in diesem Jahrtausend rangieren. Das gilt besonders für das kurzfristig rückläufige Heizöl. Sinkende Lagerbestände sind bei diesem Produkt ein normaler jahreszeitlicher Effekt.

Rohöl: +5,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +8,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -4,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -6,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,6 (DOE) bzw. 0,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen unter der Vorwoche und deutlich über dem Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist erneut gefallen. DOE gibt nur noch 86 Prozent an. Hier entsteht wieder ein bullischer Einfluss.

Der vor dem Winter wichtige US-Heizölvorrat ist 20 Prozent höher als 2005, 24 Prozent höher als 2004, 10 Prozent höher als 2003, 18 Prozent höher als 2002 und 15 Prozent höher als 2001.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis auf dem gestern erreichten tieferen Niveau. Die Tonne kostet 537,50$. Für den Tagesverlauf erwarten wir leicht anziehende Preise als Effekt der OPEC-Sitzung.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie folgen der gestrigen Bewegung am Weltmarkt. Im Binnenmarkt sinken die verbliebenen rechnerischen Preisüberhöhungen. Das gilt besonders für Bayern. Gegenläufige Tendenzen könnten erneut auftreten, weil niedrige Pegel der Wasserstraßen die Frachten verteuern. Die Auftragsbücher des Handels sind immer noch voll. Die Lieferzeiten sind daher lang. Die weiteren Aussichten werden maßgeblich von der OPEC bestimmt. Eine nennenswerte Preissteigerung halten wir für wenig wahrscheinlich.

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