Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


OPEC hop, US-Benzin top

Sie erhöhen und sie wuchsen, die eine erwartungsgemäß und die anderen überraschend. Die Rede ist von der OPEC und von den US-Benzinvorräten. Während die OPEC-Entscheidung kaum noch Einfluss auf die Preisentwicklung hatte, sorgten die Daten über die US-Ölvorräte gestern für nachgebende Kurse. Gegen Handelsschluss drehten die Preischarts allerdings wieder. Von einem Ende des Aufwärtstrends geht derzeit niemand aus. Die bullischen Argumente bestehen unverändert fort.

Die OPEC wird den Ausstoß in einem ersten Schritt um 2 Mio. Barrel pro Tag anheben, heißt es in den Medien. Sollte das nicht ausreichen, um die Preisentwicklung verbraucherfreundlich zu beeinflussen, wird man im August weitere 0,5 Mio. Barrel pro Tag zuschießen. Das hört sich gut an, ist es aber nicht. Denn die Anhebung betrifft die aktuellen Quoten. Der reale Ausstoß läuft ihnen bereits voraus. Nach Analystenschätzungen fördert die OPEC aktuell knapp 4 Mio. Barrel pro Tag über Quote. Der gestrige Beschluss ist somit nur ein psychologisches und vor allen Dingen halbherziges Signal an die Welt, das für die reale Versorgungslage vollkommen folgenlos bleiben wird.

Viele OPEC-Staaten sind nicht in der Lage, ihren Ausstoß zu erhöhen. Die Förderkapazitäten geben das nicht her. Und diese Staaten bremsen die potenteren Vertreter in ihrem Tatendrang aus. Das wird sich sobald nicht ändern, denn neue Förderanlagen kann man nicht aus dem Boden stampfen. Es kommt hinzu, dass sich Investoren trotz guter Aussichten, mit Öl Geld zu verdienen, in wichtigen Regionen auf Grund der politischen Verhältnisse zurückhalten. Dazu gehören beispielsweise die ölreichen Staaten Irak, Venezuela und Nigeria.

Von der OPEC-Entscheidung ist also kein weiterer Druck auf die Preise zu erwarten. Von der geopolitischen Lage wird hingegen andauernder Preisauftrieb injiziert. Denn die Terrorgefahr im Irak und in Saudi Arabien wird noch auf unabsehbare Zeit fortbestehen. Die für die Weltölversorgung so wichtige Region bleibt ein unsicheres Terrain. Die USA und die Welt müssen schmerzlich erkennen, dass eine Invasion ein vollkommen ungeeignetes Mittel zur Sicherung des Zugriffs auf die Ölquellen ist.

Für mehr Freude als die OPEC-Entscheidung sorgten gestern die Daten über die US-Vorräte. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten überraschende Zahlen vor:

Rohöl: 2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. 0,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: 0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. 1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: 1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. 2,8 Mio. Barrel (API)

Alle Zahlen sind positiv. Das gab es lange nicht mehr. In Summe ergeben sich Zuwächse von 4,3 bzw. 5,1 Mio. Barrel. Insbesondere das so kritisch beäugte Benzin sorgte mit einem deutlichen Zuwachs für ein aufkeimendes Gefühl von Entspannung. Die guten Zahlen sind auf die hohen Importe zurückzuführen. Es waren die zweithöchsten, die jemals gemeldet wurden. Über den Berg der Ölprobleme ist man in den USA allerdings nicht. Die Benzinversorgung wird die Märkte weiterhin beschäftigen.

Die Regierung steht unter öffentlichem Druck, die strategischen Reserven angesichts der dramatischen Versorgungslage beim Benzin für die private Nutzung anzuzapfen. Demokratische Senatoren geben sich mit entsprechenden Forderungen populistisch. Sie glauben mit dem Rohöl schnell genug Benzin produzieren zu können, um die Preise nachhaltig zu drücken. Das klappt auf Grund fehlender Raffineriekapazitäten aber nicht. Denn das Hauptproblem in den USA sind die über Jahre vernachlässigten Verarbeitungsanlagen. Abhilfe wird nur durch Neuanlagen geschaffen. Die zu bauen, kostet aber Zeit.

Charttechnisch ergibt sich mit der gestrigen Preisbewegung erneut ein bullisches Signal. Es sieht so aus, als sei das Abwärtspotential, das in der erwarteten OPEC-Entscheidung und im erfreulichen Zuwachs der Benzinvorräte steckte, aufgebraucht. Wahrscheinlich wird es nun wieder aufwärts gehen.

Der Gasölpreis legt heute Morgen etwas zu. Die Tonne kostet 316,50$.

Unsere Heizölpreise haben das Tief vom vergangenen Wochenende noch einmal getestet. Es wurde nicht unterschritten. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Preisrückgangs aus den oben genannten Gründen als sehr gering ein. Nach unserer Meinung wird sich der allgemeine Hang zum teureren Öl nun wieder Bahn brechen. Daher raten wir dazu, den Augenblick als Kaufgelegenheit zu verstehen und Heizöl zu ordern. Ein nachhaltiger Preisabschwung, der ein Abwarten sinnvoll erscheinen ließe, ist derzeit noch nicht in Sicht.

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