Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


OPEC kämpft um 60 $

Die Versorgungslage ist entspannt. Das wurde gestern durch die US-Vorratsdaten erneut unter Beweis gestellt. Dennoch drehte die Preisbewegung ins Plus. Es war der auffälligste Anstieg innerhalb der letzten sieben Wochen. Ausgelöst wurde er durch die Erkenntnis, dass die OPEC hart gegen ein Unterschreiten der 60-Dollar-Marke für US-Rohöl kämpfen wird. Der Dollar wird z.Z. von uneindeutigen Indikatoren über den Zustand der US-Konjunktur bewegt. Gestern fiel er. Uneindeutig ist auch sein Trend.

Die Problempunkte der letzten Monate, Atomstreit mit dem Iran, die Lage in Nigeria und im Irak sowie die Hurrikanerwartungen werden nicht mehr als solche betrachtet. Dieser Wechsel der Sichtweise machte den starken Preisverfall der letzten Wochen möglich. Die fundamentale Grundlage hierzu bildet die reale Versorgungssituation. Diese stellt sich seit etwa einem Jahr recht gut dar. Die tendenzielle Verbesserung ist als Trend sichtbar. Aber erst nach dem Wechsel der Emotionen war der Weg für fallende Preise frei.

Wie gut die Versorgung z.Z. ist wird an den Daten über die US-Vorräte deutlich. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) konnten mit den gestern präsentierten Zahlen positiv überraschen.

Rohöl: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +6,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,8 (DOE) bzw. 10,2 (API) Mio. Barrel. Nachdem in der letzten Woche die Heizölbestände mit einem bemerkenswerten Anstieg aufwarteten, springen nun die Benzinbestände in noch stärkerem Maß an. Offensichtlich gibt es kein Problem mehr auf der Produktenseite. Das spricht einerseits für auskömmliche Raffineriekapazitäten und andererseits für hohe Importzuflüsse. U.a. ist Europa hieran mit großen Benzinmengen beteiligt. Die aktuellen Importzahlen sind gegenüber der Vorwoche zurückgegangen. Sie sind aber höher als vor einem Jahr. Die Raffinerieverfügbarkeit hat sich bei eher schwachen 92 Prozent stabilisiert.

Für den Winter sind die USA insbesondere durch die überdurchschnittlich hohen Heizölbestände aber auch durch starke Benzinbestände gut gerüstet. Wenn die große Kälte, wie von den Wetterämtern prognostiziert, ausbleiben sollte, werden die Bestände vermutlich weiter steigen. Daran könnte nicht zuletzt die sich abkühlende Konjunktur einen Anteil haben. Es deutet sich an, dass die Nachfrage stagniert. Hier liegt ein weiterer Grund für fallende Preise.

Nun wird die Summe von Argumenten für einen Fortgang des Preisverfalls aber zum Problem. Die OPEC ist zwar glaubhaft daran interessiert, dass Ölpreissteigerungen keine Gefahr für die Wirtschaftsentwicklung darstellen. Daher ist sie bemüht, in Extremsituationen dämpfend einzugreifen. Das gelang ihr in den letzten Jahren mangels Reservekapazität nicht mehr. Mittlerweile gibt es hierfür aber wieder bessere Grundlagen. Die OPEC hat allerdings ein Interesse, das Öl so teuer wie wirtschaftsverträglich zu verkaufen. Und dieses Interesse sieht sie durch die aktuelle Entwicklung bedroht. Daher wird sie versuchen, preisregulierend einzugreifen. An der Börse hat sich die Einschätzung durchgesetzt, dass die Eingriffsgrenze bei 60 Dollar für das Barrel WTI (West Texas Intermediate) Rohöl liegt. Mit dieser Einstellung der Börsianer besteht die Gefahr, dass die Preise in einer Art vorauseilendem Gehorsam von der 60-Dollar-Marke immer wieder in die Höhe geworfen werden. Sollte dagegen der Durchbruch der Marke nach unten gelingen, bestünde die Möglichkeit, deutlich tiefer in den Bereich um 50 Dollar durchzusinken.

Heute Morgen ist Gasöl noch teurer als gestern Abend. Die Tonne kostet 551,50 $.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Die Kopplung an den Weltmarkt bleibt noch locker, weil im Inland weiterhin das Phänomen der partiellen Engpässe grassiert. Es führt zu unterschiedlich stark ausgeprägten rechnerischen Preisüberhöhungen. Sollte sich der Preisanstieg am internationalen Markt allerdings fortsetzen, werden unsere Preise die Kopplung schnell wiedererlangen. Bei Bestellungen müssen weiterhin extrem lange Lieferzeiten einkalkuliert werden.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen