Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


OPEC kürzt ab heute

Der Markt reagierte gestern gelassen auf den OPEC-Beschluss, die im Februar verkündete Kürzung um eine Mio. Barrel pro Tag ab dem 1. April umzusetzen. Als bedeutenderes Ereignis wurden die Daten über die US-Vorräte gehandelt. Sie fielen äußerst verbraucherfreundlich aus und ließen die Preise teilweise schwer einbrechen.

Am Vortag der OPEC-Entscheidung zeigten sich die Märkte wieder einmal von ihrer bullischten Seite. Es zeichnete sich ab, dass die Kürzungsbefürworter unter Führung Saudi Arabiens die Mehrheit im Kartell bilden werden. Das sorgte bereits für Preisauftrieb. Den richtigen Schub brachte aber eine Meldung über ein Feuer in der viertgrößten US-Raffinerie. Sie musste abgeschaltet werden. Die Nachricht traf den Nerv vieler Marktteilnehmer, die seit geraumer Zeit wegen des knappen Benzins in den USA auf steigende Preise spekulieren.

Bis zur letzten Woche war die Stimmung insgesamt wieder bullischer geworden. Die Fonds zeigten nach zwei Wochen der Kaufzurückhaltung neues Interesse an Kontrakten auf steigende Preise. Sie bekamen ein reiches Bündel fundamentaler Nachrichten, die ihren Kaufrausch begründeten: Die angespannte Lage in Palästina und die damit verbundene Sorge über den Einsatz der Ölwaffe durch die arabischen Staaten, die OPEC-Kürzungsdrohung, der gigantische Ölbedarf der asiatischen Wachstumsländer, die kritische Benzinversorgung in den USA, die Unruhen in Venezuela, die weltweiten Ängste vor Al-Kaida-Terror.

Nachdem der OPEC-Spruch gestern schließlich amtlich wurde, tat sich zunächst wenig an den Märkten. Die Entscheidung hatte sich bereits am Vortag in den Preisen niedergeschlagen. In den kommenden Wochen könnten die Kurse sogar deutlich nachgeben, wenn nämlich festgestellt wird, dass sich viele OPEC-Mitglieder nicht an die neuen Quoten halten. Bis heute wurden nicht einmal die alten Quoten respektiert. Der Markt wird nach Meinung vieler Analysten derzeit überversorgt.

Am späten Nachmittag bekam genau diese Meinung mit der Veröffentlichungen der Daten über die US-Vorräte durch API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) Nahrung. Zum fünften Mal in Folge wurde ein Anstieg in den Rohöllagern gemeldet. Und sogar das so skeptisch beäugte Benzin stieg in den Lagertanks an.

Die Lagerdaten lesen sich im Einzelnen wie folgt:
Rohöl: +5,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +8,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: ?0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. ?0,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe gewannen die Vorräte 6,4 bzw. 7,6 Mio. Barrel hinzu. Die Importe sind weiterhin sehr hoch. Es wird mehr Rohöl eingeführt als vor einem Jahr und als vor einer Woche. Gleiches gilt für Heizöl. Die Raffinerieauslastung ist immer noch schlecht. Viele Anlagen befinden sich noch in der Umstellung auf die Benzinproduktion.

Charttechnisch ist der Aufwärtstrend nach dem gestrigen Kursrutsch am Scheideweg. Der Bruch könnte jetzt geschafft werden.

Die Möglichkeit, dass der Dollar zum Gegenschlag in Form eines Aufwärtstrends ausholt, scheint abgewendet zu sein. Damit gibt es Grund zur Hoffnung, dass die Ölpreise hierzulande in verbraucherfreundliche Regionen zurückfinden.

Gasöl verbilligt sich deutlich. Den kompletten Kursrutsch des gestrigen Handelstages konnte es aber nicht halten. Der führte bis auf 279$ pro Tonnen hinab. Heute Morgen kostet Gasöl 286$ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise fielen gestern. Sie befinden sich im Wiedereintritt in die kaufenswerte Zone. Im Bundesdurchschnitt haben sie diese Zone bereits erreicht. Das gilt noch nicht für alle Regionen. Vor dem Hintergrund der positiven Entwicklung in den Vorratslagern, die als Beweis für eine gute Rohölversorgung angesehen werden kann, sind Hoffnungen auf einen weiteren Rückgang der Heizölpreise berechtigt. Wer sich kurzfristig eindecken muss, kann das bereits jetzt zu erträglichen Preisen tun.

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