Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


OPEC muss Preisverfall aussitzen

Die Preise bleiben unter Abgabedruck. Der rasante Verfall ist einer Überhitzung nahe. Eine Gegenreaktion steht an. Gestern währte diese nur kurz. Der Begriff ?Gegenbewegung? ist angesichts des schwachen Aufmuckens der Preise bereits eine Übertreibung. Für einen spürbaren Richtungswechsel fehlt ein Ereignis, das Börsianern das Gefühl von Knappheit vermittelt. Derzeit erlebt man Überfluss. Eine Gegenreaktion scheint sich hingegen für den Dollar einzustellen. Er legte im Januar erheblich an Wert zu, was von vielen Devisenhändlern überrascht zur Kenntnis genommen wurde.

Die wesentlichen Vorraussetzungen zur Preisbildung sind stabil bärisch. Das milde Wetter, prall gefüllte Tanklager, die tendenzielle Überversorgung der Märkte und eine OPEC, die den Preisverfall nur beobachten aber nicht steuern kann. Beim Kartell herrscht das Prinzip Hoffnung. Laut Beschluss sollen ab dem 1. Februar weitere Kürzungen umgesetzt werden. Die Ölminister bauen auf Vollzug. Die Erfahrung mit dem vorausgegangenen Beschluss wird sie im Stillen aber zweifeln lassen. Öffentlich mag man sich derzeit nicht kernig äußern. Eine von Börsianern erwartete Sondersitzung, die Maßnahmen zur Preisstabilisierung beschließen sollte, findet nicht statt. Sie wäre vermutlich kontraproduktiv. Denn zu einer großen Handlung ist das Kartell momentan nicht in der Lage. Aber nur ein solche könnte die Preisrichtung drehen. Statt die Zuflüsse zu regeln, hofft man auf eine Wetterregelung. Die könnte das Angebots-Nachfrage-Verhältnis trimmen und den Tanklagern Abgang bescheren. Eine nennenswerte Änderung der Lage brächte das aber kaum, denn der halbe Winter ist bereits ausgefallen.

Die großen Spekulanten nehmen das mittlerweile sehr ernst. Sie erhöhen ihr Engagement an der Börse und beziehen mehrheitlich eine klare bärische Position. Die ist durchaus noch ausbaufähig. Von dieser Seite ist also mit Unterstützung für einen weitern Preisrückgang zu rechnen. Gegenpositionen finden derzeit nur schwer Argumente. Es sind die vagen Spekulationen, die sich aus den unsicheren Verhältnissen in Nigeria, dem Irak und dem Iran ergeben.

Mehr Gewicht in der öffentlichen Diskussion hat die vorübergehende Schließung der Drushba-Pipeline aus Russland. Das Thema kocht in Europa. In den USA und an den Börsen wird es nicht ernst genommen. Es hatte keine Auswirkung auf die Preisbildung. Dass Europa ob der Unzuverlässigkeit Russlands tobt, ist großes Theater zur Durchsetzung politischer Ziele. Es geht um den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Der deutsche Umweltminister sieht zudem Chancen zu Durchsetzung seiner Ideen. Die Ölversorgung war und ist nicht bedroht. Ein dreitägiger Stopp ist vor dem Hintergrund einer 120 Tage reichenden Reserve marginal. Wetterbedingte Störungen könnten in der Zukunft bemerkenswerter werden.

Drushba zeigt laut Sigmar Gabriel, wie dringend eine Stärkung erneuerbarer Rohstoffe bei der Wärmenutzung ist. Er will ein neues Wärmegesetz auf den Weg bringen, das die Preise für konventionelle Brennstoffe erhöhen soll und die Erneuerbaren zu subventionieren hilft. Das ist wenig glaubwürdig. Der Biodieselmarkt wird durch die Beschlüsse dieser Regierung gerade kaputtbesteuert. Mit ?Drushba? für einen neuen Energieumgang, den wir ohne Zweifel dringend brauchen, zu argumentieren, ist ?abhsurD? Herr Minister.

Aus heutiger Sicht könnte eher zu viel vorhandenes Öl als dessen Mangel einen neuen Energieumgang verhindern. Die Preise sinken derzeit so stark, dass die Erneuerbaren und Alternativen wirtschaftlich erneut ins Hintertreffen geraten können. Die vielen Neubesitzer von Holz-Pellet-Heizungen müssen erleben, dass die Rechnung nicht aufgeht. Zu wenig Holz lässt die Preise steigen. Und der Umweltschutznimbus bröckelt.

Heute Morgen macht der Gasölpreis das, was er zuletzt hauptsächlich machte. Er zieht sich zurück. Die Tonne kostet 468,50 $.

Unsere Heizölpreise folgen dem internationalen Markt. Sie fallen. Die Binnennachfrage ist gering. Daher gibt es kein Eigenleben bei der Preisbildung. Wir hängen am Weltmarkt. Und der gibt sich dank des milden Wetters in der nördlichen Hemisphäre extrem verbraucherfreundlich. Beste Käuferbedingungen.

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