Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


OPEC pumpt weiter auf überhöhtem Niveau

Alles bleibt wie es ist. Das ist das Ergebnis der gestrigen OPEC-Konferenz. Die Ölminister haben mit Blick auf die aktuelle Lage in der Tat keinen Grund, etwas an ihrer Ausstoßpolitik zu ändern. Für sie sind die Preise prächtig. Die Tatsache, dass sie undiszipliniert Öl in den Markt pumpen, um ihre Einnahmen kurzfristig zu steigern, unterminiert das hohe Preisniveau derzeit nicht. Auch die selten hohen Reservemengen des Kartells von sechs Mio. Barrel pro Tag können ihm nichts anhaben. Aber das ist noch nicht die ganze Faktenlage auf der Angebotsseite. Die Zahl in Betrieb gehender Bohrplattformen steigt rasant. Nur während der Boomphase Mitte 2007 war sie zuletzt höher. Der ungestüme Verkaufsdrang muss nach Einschätzung von Ölmarktexperten noch in diesem Jahr zu einem Preisrückgang von rund 25 Prozent führen. Wenn die OPEC-Verantwortlichen nicht aufpassen, wird der Preis 2015 sogar noch tiefer sein.

Das klingt plausibel. Aber es ist Theorie. Praxis ist ein nicht minder ungestümer Spekulationsdrang der Finanzindustrie. Die hat den Ölmarkt als eine außerordentlich lukrative Wettmöglichkeit auserkoren, die sich mit üppigem Einsatz von Finanzmitteln manipulieren lässt. Angesichts der Interessengleichheit an hohen Preisen liegt der Eindruck nahe, dass Ölländer und Finanzindustrie in konzertierter Aktion vorgehen. Die fehlende Zurückhaltung beim Angebot lässt diesen Eindruck indes abwegig erscheinen. Wahrscheinlicher ist, dass von Gier getriebene Finanzakteure blinde Flecken für die Marktrealitäten haben.

Hervorgehoben wird in diesen Tagen, dass sich die Konjunktur verheißungsvoll entwickelt und dass die Produktenvorräte endlich sinken. Insofern sei ein Preisanstieg allemal gerechtfertigt. Ausgeblendet wird bei dieser Argumentation, dass die Konjunktur am Boden lag, die Öllager auf historischen Höchstständen standen und die Preise ohnehin schon ein für die momentanen Marktverhältnisse übertrieben hohes Niveau hatten. Selbst eine wunderschöne Konjunkturerholung wird die Angebotsseite in absehbarer Zeit nicht überfordern. Die Produktenvorräte werden auch bis zum Jahresende nicht auf die langjährigen Mittelwerte sinken. Um der Angebotsüberhöhung entgegenzusteuern, werden in den alten Industrieländern Raffineriekapazitäten aus dem Markt genommen. Derzeit tun sich Raffineure außerordentlich schwer, Geld zu verdienen. Das bis 2008 ungewöhnlich lukrative Geschäft ist zu einem Betrieb mit hohem Verlustrisiko geworden.

Kurzfristig betrachtet unterstützt das, was DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gestern über die wöchentliche Veränderung in den US-Lagern zusammengetragen haben, die bullische Einstellung des Marktes. Beide Institutionen konnten sinkende Bestände melden. Ihre Zahlen lauten wie folgt:

Rohöl: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,2 (DOE) bzw. 4,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geradezu eingebrochen. Sie sind erheblich geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung liegt wie in der Vorwoche bei 81 Prozent. Die Möglichkeit, mehr zu importieren und zu raffinieren, existiert. Sie wurde nicht genutzt. Das nimmt den Daten den streng bullischen Charakter. Für die hoch aufgelaufenen Ölpreise gibt es nach wie vor keine plausiblen Gründe aus dem Ölmarkt selbst. Sie sind das Resultat von Wettgeschäften der Finanzindustrie.

Heute Morgen lässt diese Industrie ein wenig locker. Die Preise sinken. Das dürfte kaum das Resultat neuer Markterkenntnisse sein. Irgendein Herdeninstinkt wird hier wirken. Der kann im Laufe des Tages wechseln. Charttechnisch spricht alles dafür, dass die Herde die Preise weiter in die Höhe treiben wird. Die Tonne Gasöl kostet heute Morgen 673 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 82,16 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,23 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sind auf ein Nachkrisenhoch gestiegen. Diese Aussage unterstellt, dass die Krise überwunden ist. Die Lage der Staatsfinanzen legt allerdings die Aussage, nach der Krise ist vor der Krise, nahe. Alles lamentieren über zu hohe Heizölpreise hilft nicht, diese auf ein anständiges Niveau zu schreiben. Wer es sich auf Grund eines gut gefüllten Tanks leisten kann, einen Heizölkauf zu vertagen, ist nur scheinbar in einer komfortablen Lage. Denn die mögliche Entscheidung, den Kauf hinauszuschieben, kann teuer werden. Sie setzt darauf, dass der Preis durch vernünftige Marktzusammenhänge bestimmt wird. Das ist spätestens seit der Übernahme der Marktmacht durch die Finanzindustrie nicht der Fall. Insofern ist die Entscheidung ein reines Spekulationsspiel. Glücklich ist vielleicht, wer kaufen muss. Ihm wird die Spekulation erspart. Wir würden aber nur eine Teilmenge kaufen. Unsere Hoffnung auf Vernunft oder bereinigenden Finanzcrash besteht fort. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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