Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


OPEC scharrt mit den Hufen

Der Rohölpreis sank gestern unter 60 Dollar pro Barrel. Erwartungsgemäß reagierte der OPEC-Präsident darauf mit erhöhter Presseaktivität. Er ließ verlauten, dass er im OPEC-Kreis Gespräche über Ausstoßkürzungen führe. Die Äußerung reichte, um den Preis zurück auf 61,50 Dollar zu treiben. In den nächsten Tagen wird die 60-Dollar-Marke vermutlich der Beurteilungsmaßstab für den Ölmarkt werden. Der Dollar legte nach den Verlusten der letzten Tage an Wert zu. Dabei half ein weniger schlecht als erwartet ausgefallener US-Konjunkturindikator. Tendenziell steht der Dollar wegen der moderat abkühlenden US-Wirtschaft unter Druck. Ein ausgeprägter Abwärtstrend wird allerdings nicht erwartet. Der gesunkene Ölpreis wirkt stabilisierend.

Die bärische Stimmungslage ist intakt. Bullen treten nur als Einzelgänger am Markt auf. Die Wahrscheinlichkeit für eine Rudelbildung mit entsprechenden Folgen für die Ölpreise ist äußerst gering. Das Engagement der großen Spekulanten lässt die Möglichkeit eines weiteren Preisverfalls offen. Kontrakte auf steigende Preise überwiegen in geringem Maß. Damit liegt noch Verkaufspotential vor.

Wie gestern gesehen, ist die OPEC bereit, die 60-Dollar-Marke zum Grenzwert für preisbildende Maßnahmen zu erklären. Darauf wird mit Sicherheit spekuliert. Das bärische Treiben könnte auf dem aktuellen Preisniveau also auch aufgerieben werden. Die Risikoprämie, die vor zwei Monaten noch 20 Dollar betrug, ist schon aufgerieben.

Wenn keine gravierenden Störungen auftreten, ist allerdings keine schnelle Rückkehr auf die Preishöhen des Sommers zu erwarten. Der Ölmarkt gilt mittlerweile als substanziell entspannt. Dazu hat die Beruhigung im Atomstreit mit dem Iran und das Ausbleiben von Hurrikanen in den USA beigetragen. Die technischen Versorgungsvoraussetzungen sind gut. Einzelne Störungen an alten Anlagen werden durch den Aufbau neuer Einrichtungen aufgewogen. Die alten Anlagen fallen nur temporär aus, da sie üblicherweise repariert werden. Bis zum Jahr 2011 wird es viele Neuinbetriebnahmen insbesondere im Nahen und Fernen Osten geben. Das Maß des Wirtschaftswachstums in diesen Regionen wird darüber entscheiden, ob die neuen Anlagen ein dringend benötigtes Muss für die Versorgung sein werden oder ob sie sich als Überkapazitäten herausstellen und die Preise einbrechen lassen. Die westlichen Mineralölgesellschaften vertreten eher die zweite These. Für sie ist der ?Schweinezyklus?, der einen periodischen Wechsel von guten und schlechten Zeiten postuliert, weiterhin intakt. Sie rechnen mit einem sich langsam nähernden Ende der fetten Jahre.

Möglicherweise ist es diese Einschätzung, die sie dazu verleitet, ihr Profitstreben bisweilen zu Lasten ihres Ansehens zu übertreiben. Im deutschen Heizölmarkt legen sie derzeit ein Zeugnis für unmoralische Gewinnmaximierung ab. Man kann zwar der Ansicht sein, dass Moral keine Kategorie des Wirtschaftslebens ist, und damit jedwede Gewinnsucht legitimieren. Aber Vorsicht, eine große Gesellschaft hat vor Jahren mit der Brent-Spar-Affäre erleben müssen, welche Marktmacht Moral haben kann. Der aktuelle Skandal besteht darin, dass Heizöl künstlich knapp gehalten wird und nur zu überhöhten Preisen in den deutschen Markt gelangt. In den Niederlanden, die am gleichen Hauptstrang der Versorgung liegen wie wir, ist Heizöl erheblich billiger. In Deutschland gibt es z.Z. Preisüberhöhungen von 3 bis 11 Prozent, die einzig auf das Konto der großen Gesellschaften gehen. Der Handel sieht von diesem Profit keinen Cent.

Weltweit sind die Heizöllager übrigens bestens gefüllt. Das macht einen spekulativen Preisanstieg zum Winter eher unwahrscheinlich. Gegen steigende Preise sprechen auch Prognosen US-amerikanischer Wetterämter. Sie sehen einen sehr milden Winter voraus. Vor einem halben Jahr prognostizierten sie eine harte Hurrikansaison. Es bleibt eben Wetter und das lässt sich nicht langfristig vorhersagen.

Heute Morgen steht der Gasölpreis auf dem erhöhten Niveau von gestern Abend. Die Tonne kostet 532$.

Unsere Heizölpreise ziehen leicht an. Es muss damit gerechnet werden, dass der gestrige Anstieg am Weltmarkt in vollem Umfang in den heimischen Markt gelangt, obwohl der Rückgang dem Markt teilweise vorenthalten wurde. Trotz der aus Verbrauchersicht ärgerlichen Verzerrung der Marktverhältnisse ist das Preisniveau z.Z. attraktiv zum Kauf. Wegen der hohen Auftragsflut müssen Käufer sehr lange Lieferzeiten einkalkulieren.

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