Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


OPEC-Beschluss schockt Großspekulanten.

Am jüngsten Preisanstieg waren wieder einmal Banken und Investmentfonds beteiligt. Ihre Erwartung auf steigende Preise riss am Freitag jäh ab, als sich erahnen ließ, dass die OPEC die Quoten nicht ändern werde. Nach einem Ausverkauf der Long-Kontrakte endete der Tag mit Kursverlusten von rund zwei Dollar beim Rohöl. Die wochenbezogene Preisänderung lag demzufolge ebenfalls deutlich im Minus.

Das Wochenende brachte eine durchweg positive Entwicklung für Verbraucher hervor. Die OPEC beschloss ohne kontroverse Diskussion die Festschreibung der aktuellen Quoten. Der neue Präsident, Kuwaits Ölminister El Sabah, versprach allerdings stärker gegen Quotenabweichungen vorzugehen. Sollte er seiner Ankündigung Taten folgen lassen können, würden dem Markt in den nächsten Wochen ein bis zwei Mio. Barrel Rohöl pro Tag entzogen werden. Die Menge sollte die Gesamtversorgung nach seiner Meinung nicht stören. Sie trifft auf einen jahreszeitlich bedingten Rückgang der Nachfrage. Die OPEC schätzt das gesamte Nachfragewachstum für 2005 entgegen anderer Organisationen eher gering ein. Das Kartell behält sich vor, noch vor dem nächsten Treffen im März die Quoten zu reduzieren, falls sich ein unerwartet starker Nachfrageknick vorhersehen ließe. Das immer noch gültige Preisband von 22$ bis 28$ für das OPEC-Barrel wurde aufgehoben. Ein neuer Zielkorridor wurde nicht genannt. Man stellte lediglich fest, dass die letzten Monate zeigten, wie gut die Konjunktur 50$ pro Barrel verkraften kann.

Weite Bevölkerungsteile des Iraks zeigten sich am Wochenende sehr couragiert. Sie gingen trotz heftiger Terrorangriffe zu den Wahlen. Das stimmt hoffnungsvoll und drückt auf den Ölpreis. Andererseits wird befürchtet, dass terroristische Aktivitäten als eine Art Gegenbewegung zu zarten Demokratisierungskeimen nun noch stärker werden.

Preisdrückend sind auch die Wetterprognosen. In wichtigen Teilen der USA wird mit steigenden Temperaturen gerechnet. Angesichts knapper Heizölvorräte schwindet die Sorge vor Engpässen. Allgemein ist die Vorratslage gut. Sowohl der Rohölvorrat als auch die Gesamtbevorratung aller Produkte liegt aktuell über dem Durchschnitt der letzten Jahre.

Nachdem die Stimmung in den vergangenen Wochen eher bullisch war, scheint sie nun bärisch zu werden. Da die grundsätzliche Veränderung am Ölmarkt, das fehlen von Überkapazitäten auf Grund der gewachsenen Nachfrage, nachhaltig ist, ist ein längerfristiger Abwärtstrend der Preise allerdings höchst unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist dagegen, dass die Preise im Korridor zwischen 44$ und 50$ pro Barrel US-Rohöl schwingen werden. Prognosen von Fachleuten und Banken gehen ebenfalls mehrheitlich in diese Richtung. Vor einigen Wochen gaben die noch deutlich tiefere Zielpreise für 2005 an. Mittlerweile hat sich aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine gesicherte Versorgung sehr hohe Investitionen erforderlich macht. Die werden nur fließen, wenn die Preise und damit die Erlöse ausreichend hoch sind. Kurzzeitige Ausbrüche aus dem mittleren Preisband sind immer möglich. Wenn diese nach unten weisen, sind sie für Verbraucher klare Kaufmomente.

Preistreibend könnte sich jeder Zeit die nicht abreißende Streikbereitschaft nigerianischer Ölarbeiter und der zusammenbrechende Yukos-Konzern in Russland auswirken. In Nigeria sind durch eine neue Streikankündigung 0,5 Mio. Barrel Tagesproduktionsmenge gefährdet. In Russland steht die ehemalige Yukos-Förderung von knapp 2 Mio. Barrel pro Tag zur Disposition. Ein Teil ist bereits ausgefallen. Aktuell werden diese Gefahren nicht gehandelt.

Der Gasölpreis ist heute Morgen wieder unter die Marke von 400$ pro Tonne gefallen. Aktuell notiert er bei 394,75$.

Unsere Heizölpreise fallen. Sie folgen, wie in den Tagen zuvor, dem Weltmarkt. Der OPEC-Beschluss schlägt positiv zu Buche. Vermutlich wird sich noch etwas mehr Preisrückgang einstellen. Ein Abwärtstrend ist aber höchst unwahrscheinlich. Die Entwicklung wird sich vermutlich seitwärts vollziehen. Der Preis von 0,40 EUR pro Liter bei 3000 Liter Abnahmemenge wird nur schwer zu unterbieten sein.

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