Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Ohne Wirkung

Gestern Nachmittag wurde eine äußerst verbraucherfreundliche Entwicklung der US-Rohölvorräte verkündet. Das löste umgehend einen Preissturz aus. Der hielt allerdings nur einige Minuten. Danach kletterten die Ölnotierungen wieder und demonstrierten damit ihren intakten Aufwärtstrend. Das verbleibende Minus ist den Umständen entsprechend dürftig. Der Dollar verteuerte sich gestern deutlich, so dass europäische Verbraucher in Summe höhere Ölpreise vorfinden.

Eigentlich hätten die Berichte von API (American Petroleum Institute) und DOE (Department of Energy) der Impuls für einen Trendwechsel sein können. Die Institutionen belegten gestern das, was uns die OPEC seit vielen Monaten mitteilt. Es steht gar nicht so schlecht um die Rohölversorgung. Die Tanks sind 3% voller als ein Jahr zuvor. Gleiches gilt für die Bevorratung aller Ölprodukte.

Die Stimmung ist momentan aber bullisch. Da haben es bärische Argumente schwer sich durchzusetzen. Und so war es auch gestern. Als großes Aber gegen den anerkannt entspannenden Rohölaufbau wurde die Sorge um die US-Benzinversorgung gehandelt. Man redet das Versorgungsloch im Sommer herbei. Die New Yorker Händler bekommen eine tägliche Gehirnwäsche für ihre Einstellung, wenn sie die Benzinpreise auf dem Weg zur Arbeit sehen. Die stehen so hoch wie nie. Im Mittel kostet die Gallone (ca. 3,8 Liter) 1,74$. Das Benzinthema wird die Märkte noch viele Wochen begleiten.

Die Lagerdaten lesen sich im Einzelnen wie folgt:
Rohöl: +7,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: ?1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. ?2,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: ?0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. ?0,3 Mio. Barrel (API)

In Summe gewannen die Vorräte 6,0 bzw. 1,4 Mio. Barrel hinzu. Die Importe sind weiterhin sehr hoch. Es wird mehr Rohöl eingeführt als vor einem Jahr und als vor einer Woche. Die Raffinerieauslastung ist schlecht. Viele Anlagen befinden sich noch in der Umstellung auf die Benzinproduktion.

Die vielen weltpolitischen Einflüsse blieben gestern eher im Hintergrund. Sie werden weiterhin das Fundament für Preisauftrieb sein. Aus Venezuela kam die Verbalattacke, dass man die OPEC-Kürzung am 1. April unbedingt einhalten werde. Ob das die Märkte beeinflusst, ist schwer auszumachen. Niemand wird von Venezuela eine andere Aussage erwartet haben. Für das Land stellt sich nicht mehr die Frage, wie viel Öl es laut Quote liefern darf, sondern wie viel Öl es auf Grund seiner maroden Industrie in der Lage ist zu liefern.

Die leicht gefallenen Ölpreise wurden durch einen gestiegenen Dollarkurs so heftig korrigiert, dass Öl hierzulande teurer wurde. Spekulationen über Zinssenkungen im Euroraum sorgen momentan für eine spürbare Verschlechterung im Euro-Dollar-Verhältnis. Sollte sich daraus ein Trend entwickeln, müssten sich Verbraucher auf weitere Preissteigerungen beim Öl einstellen, selbst wenn dort die erhoffte Trendwende käme.

Der Gasölpreis gibt leicht nach. Die Tonne kostet heute Morgen 293$.

Unsere Heizölpreise legen auf Grund des deutlich teureren Dollars etwas zu. Sie befinden sich im Jahresvergleich auf einem wenig attraktiven Niveau. Damit sie dort wieder herunterkommen, muss der Dollar wenigstens stillhalten und der Ölpreis am Weltmarkt fallen. Momentan trifft das nicht zu. Eventuell müssen wir eine neue Sicht zu den Ölpreisen entwickeln. Möglicherweise wird das aktuelle Niveau zukünftig ein neues Mittel oder sogar ein gutes Kaufniveau darstellen.

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