Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Orientierung! Welche Orientierung?

Die EU, ihre Schulden und eine bigotte Suche nach Führung begegnen den „Märkten“. Konjunkturforscher sehen Europas Stern sinken. Aus Deutschland kommt schon wieder ein positives Wirtschaftssignal. Nach den Staaten düpiert die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) nun europäische Banken. Die Deutsche und die Commerzbank sind auch dabei. Die EU düpiert sich selbst durch permanente Vertragsbrüche. Zeitgemäß wird so etwas nachhaltiges Vergehen genannt. In den USA laufen die Konjunkturdaten gut und der Ölverbrauch schlecht. All das beeinflusst Aktien- und Ölnotierungen. Keiner weiß auf welche Weise. Finanzszene und Politik haben in diesem Verwirrspiel die Orientierung verloren. Das lässt der Bewältigung wirklich wichtiger Probleme Spielraum. In Durban kommen die Klimaverhandlungen vollkommen unerwartet für die Menschheit voran.

Nachdem sich die alten Industrienationen bis zur Handlungsunfähigkeit verschuldet haben, fällt es ihnen schwer, eine Perspektive für ihre Zukunft zu zeichnen. Leichter fällt es ihnen, die Probleme bei den jeweils anderen zu benennen. Wechselweise werden sie in den USA und in Europa lokalisiert. Im Augenblick hat die EU den Schwarzen Peter. Über ihre Aufstellung herrscht sogar intern breite Uneinigkeit. Konsens ist lediglich, dass sie eine Führung im Stil eines amerikanischen Präsidenten braucht, dass ein solcher aber nicht aus einem Mitgliedsland kommen sollte, es sei denn, dieses Mitgliedsland ist besonders schwach. Die wirtschaftlichen Führungsländer Deutschland und Frankreich wollen keine Schwäche mehr. Sie wollen Stärke. Die soll sich unter anderem in der bedingungslosen Einhaltung der Verträge manifestieren. Bei vertragswidriger Verschuldung sollen zukünftig zwangsweise Strafzahlungen erfolgen. Da beide Länder Defizitsünder sind, können sie ihren Schuldenstand schon mal präventiv um das Strafmaß erhöhen. Einen Überschuldeten mit dem nächsten Schuldschein läutern zu wollen, erinnert eher an den Hauptmann von Köpenick. Lösungsorientierte Politik ist darin nicht zu erkennen.

Deutschland wird sich die Strafzahlung unter allen Kandidaten am besten leisten können, denn Deutschland strotzt vor wirtschaftlicher Kraft. Fragt sich nur, warum Deutschland mit der hervorragenden Aufstellung überhaupt ein Defizit hat und welche Explosion die Wirtschaft erleben muss, um das Defizit auf Null zu senken? Schulden sind dann noch nicht abgebaut. Gleichwohl wird die gesetzlich festgelegte Schuldenbremse als beispielgebend für die Welt gepriesen. Über den damit installierten und nicht zu vermeidenden Gesetzesbruch schweigt man lieber.

Dass S&P die Bestnoten europäischer Staaten und Banken kassieren wird, ist plausibel. Schließlich sind die Staaten überschuldet und die Banken unterfinanziert. Dass S&P in diesen Tagen mit der Nachricht herauskommt, ist willkürlich und unfundiert. In 2008 warf man den Ratingagenturen vor, zu spät vor den Verwerfungen im Geld- und Finanzsystem gewarnt zu haben. Um sich diesem Vorwurf nicht erneut ausgesetzt zu sehen, wird nun gewarnt. Wenn diese Warnung eine ernste Schulden- und Finanzierungsanzeige sein soll, kommt sie wieder zu spät, sogar viel zu spät. Wenn es hingegen politische Einflussnahme sein soll, was wahrscheinlicher ist, ist sie genau so unbrauchbar wie die Idee von der zwangsweisen Strafzahlung im Defizitfall. Eine Senkung des Ratings bewirkt eine Erhöhung der Refinanzierungskosten. Sie treibt den Verschuldeten in tiefere Schulden.

Neben dem meist kopflosen Treiben auf großen Bühnen gibt es über nüchterne Zahlen aus verschlossenen Kulissen zu berichten. Sie betreffen die US-Ölbestände. Ihr tiefer Gehalt mutet ebenfalls unfundiert an, da die Daten inkonsistent sind. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zählten beim Rohöl unterschiedliche Mengen. Zur Vorwoche zeigen sich folgende Veränderungen:

Rohöl: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +5,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,9 (DOE) bzw. 2,7 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 88 Prozent gestiegen. Beachtlich gestiegen sind auch die Vorräte insgesamt. Nun müssen die Mineralölkonzerne Kunden in Übersee suchen. In den USA werden sie die Mengen nicht mehr los. Angesichts des globalen Öldursts wird ihnen das nicht schwer fallen.

Die Lage drückt auf den Ölpreis. Gestern gab er nach. Heute Morgen wird ein Teil der Verluste ausgeglichen. Eine Tendenz ist dem moderaten Preisanstieg noch nicht zu entlocken. Der Bewegung fehlt es an Einschätzbarkeit, so wie es Politik und Finanzszene an Handlungsplausibilität mangelt. Die Tonne Gasöl kostet 972,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,01 Dollar und in London zu 110,24 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,52 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben wieder nach. Sie folgen ihrem kurzfristigen Abwärtstrend. Die Bewegung hat nichts mit dem von vielen Verbrauchern sehnsüchtig erwarteten Preiseinbruch zu tun, der einem Finanzmarktcrash zuzuordnen wäre. Diese Bewegung ist die natürliche Schwankung innerhalb der Börsenzyklen. Sie wird durch sinkende Frachtraten auf den Binnenwasserstraßen begleitet. Der Abgang kann noch eine kurze Zeit andauern. Mit Glück erreicht die Bewegung sogar den mittelfristigen Trend. Verbraucher sollten sie für Käufe nutzen. Langfristig wird sich der Aufwärtstrend wieder durchsetzen. Wer mehr sparen will als den kleinen Betrag aus dem Preisverlauf, sollte für die Reduzierung des eigenen Verbrauchs sorgen. Bei dieser Maßnahme hier gibt es sogar eine Bonusreduktion auf den Heizölpreis.

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