Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Parkettgespräch: Strategische Ölreserven

Nachdem die Meinung, dass US-Rohöl in dieser Woche die 50$-Marke überschreiten würde, kaum noch Widerspruch unter den Marktteilnehmern fand, zeichnete sich am letzten Freitag bereits ab, dass es anders kommen könnte. Und es kam anders. Die Kurse fallen seit vier Handelstagen. Dabei gaben sie bisher 12% ab. Gestern war der vorläufige Höhepunkt der Gegenbewegung zum überzogenen Aufwärtstrend zu beobachten.

Es handelt sich um eine typische Reaktion auf eine Übertreibung. Zu sicher fühlte sich die Bullenherde in ihrer Idee auf fortlaufende Preissteigerungen. Der feinsinnige Contrarian, das ist ein Börsianer, der die Gegenbewegung sucht, witterte zu Wochenbeginn die Chance auf Gewinne aus fallenden Kursen. Die Bewegung lief in der Tat gut an und trieb immer mehr Bullen dazu, ihre Kontrakte auf steigende Kurse zu verkaufen. Gestern geschah das schon panikartig. Den normalen Verbraucher interessieren keine Kontakte auf steigende oder fallende Kurse. Die aktuelle Kursbewegung wird ihn dennoch mit Genugtuung erfüllen.

Die Bewegung ist eindeutig charttechnischer Natur. Aber zu jeder Bewegung wird eine Geschichte entwickelt. Die Geschichte zum gestrigen Kursverlauf lautet folgendermaßen:

Die US-Bestandsdaten sind eigentlich enttäuschend. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) meldeten Rückgänge.

Rohöl: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: 0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,5 Mio. Barrel (API)

Insgesamt betragen die Rückgange in den Lagern 1,2 bzw. 2,5 Mio. Barrel. Die Import- und Produktionszahlen befinden sich auf dem Niveau der Vorwoche. Die Raffinerieverfügbarkeit ist gut. Der Aufbau der Vorräte ist ins Stocken geraten. Seit Wochen sind die Rohölbestände wieder rückläufig. Und auch die Gesamtvorräte einschließlich der Produkte werden geringer. Noch stehen sie immerhin 4% über dem Vorjahr.

Angesichts eines nötigen Aufbaus vor dem Winter erwarten Analysten etwas anderes. Die reale Entwicklung kann die Erwartung nicht befriedigen. Da macht das Gerücht die Runde, die US-Regierung wird ihre strategischen Reserven öffnen, um die Situation zu beruhigen. Die bevorstehende Wahl legt einen solchen Schritt nahe. Das Gerücht, so wird später verkündet, sei ursächlich für den Preisrutsch, der auf Grund der Lagerdaten nicht hätte stattfinden dürfen.

Dass es zu einer Öffnung der strategischen Reserven kommt, ist eher unwahrscheinlich. Die Lagersituation ist zwar nicht befriedigend. Aber die Vorräte sind besser als vor einem Jahr. Außerdem sind die Kurse mittlerweile eingebrochen. Sie werden vermutlich noch weiter nachgeben. Vor diesem Hintergrund wird es schwierig werden, die Behörden und den Senat von einem entsprechenden Schritt zu überzeugen. George Bush arbeitet ohnehin eher in die andere Richtung. Er forciert den Aufbau der strategischen Vorräte.

Kurzfristig rechnen wir mit weiter nachgebenden Preisen. Längerfristig wird sich wahrscheinlich der Aufwärtstrend wieder durchsetzen. Denn die fundamentalen Argumente, die hinter den hohen Preisen stehen, haben nach wie vor Bestand, die Lage im Irak, die Unsicherheit in anderen Ländern einschließlich Russland mit dem Yukos-Drama und der steigende Bedarf der wachsenden Industrienationen mit ihrer niederschmetternden Energieeffizienz.

Heute Morgen bestätigt der Gasölpreis die Kursabschläge des gestrigen Handels in New York. Die Tonne kostet 366,50$. Freitag Früh lag der Preis noch über der 400$-Marke.

Unsere Heizölpreise machen den Rückgang am Weltmarkt nun spürbar mit. Während die erste Phase der Gegenbewegung zum Aufwärtstrend noch von einem deutlichen Anstieg des Dollars begleitet war, der sie für uns neutralisierte, geht es nun mit deutlichen Abschlägen voran. Wir gehen davon aus, dass uns die Bewegung mindestens in dieser Woche noch erhalten bleibt. Längerfristig sollten sich Verbraucher aber auf eine Rückkehr zur Teuerung einstellen. Der Aufwärtstrend ist noch ungefährdet stabil. Abermals machen wir darauf aufmerksam, dass Heizöl trotz moderater Nachfrage im Inland recht knapp ist. Sobald die Nachfrage anzieht, wird es in einigen Regionen zu Lieferengpässen kommen.

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