Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Patt der Preiseinflüsse

Die USA drücken den Ölpreis. Das Wetter, Russland und die OPEC halten dagegen. Auf diese einfache Formel lässt sich die Lagebeschreibung reduzieren. Der Preisanstieg vom Vortag wurde annulliert. Insgesamt herrscht ein Gleichgewicht der Einflüsse. Das rechtfertigt die Seitwärtsbewegung der Preise. Sie kommt nicht unerwartet. Für den Dollar ist eine Trendinterpretation schwieriger. Die Ausschläge gegenüber einer fiktiven Seitwärtslinie sind heftig. Zuletzt wurde die Währung von der Kapitalflucht aus den abstürzenden Aktienmärkten und von einer bevorstehenden Zinssenkung im Euroraum beflügelt.

In der Lageschreibung aus Ölsicht sind die USA ein Synonym für Konjunktur. Dort zeigt die Wirtschaft die deutlichsten Bremsspuren. Ihren Ausdruck finden sie in einem rasanten Rückgang der Ölnachfrage. Da die USA der mit Abstand größte Verbraucher sind, haben sie den stärksten Einfluss auf die Ölpreisbildung. Jahrelang agierten sie als Preistreiber. Nun sind sie Preisbrecher. Im Energieministerium erwartet man, dass die Auswertung der Verbrauchszahlen für das letzte Jahr einen Rückgang von 5,6 Prozent auswerfen wird. Für das laufende Jahr sieht man einen weiteren Rückgang von zwei Prozent voraus. Im ersten Quartal wird ein Minus von 3,4 Prozent erwartet. Aktuelle Zahlen deuten ein noch größeres Minus an. Weltweit wird für das gesamte Jahr 2009 mit einem Nachfragerückgang von 0,9 Prozent gerechnet.

Unterstützt wurden die bärischen Daten gestern von den Zahlen zur wöchentlichen Vorratsentwicklung. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) meldeten einen weiteren Aufbau. Dieser zeigt seit Ende November Kontinuität. Zunächst wurde gekleckert. Seit Ende Dezember wird geklotzt. Die Folge ist eine rekordverdächtige Entwicklung für die Gesamtbevorratung. In Zahlen lauten die Veröffentlichungen lauten wie folgt:

Rohöl: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +6,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 9,7 (DOE) bzw. 4,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen auf gleichem Niveau wie vor einer Woche und wie im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt wie in der Vorwoche 85 Prozent. An diesem eigentlichen schwachen Wert stört sich derzeit niemand, da die Nachfrage nicht mehr verlangt. Bemerkenswert ist der Aufbau der Heizöl- und Dieselvorräte. Da es in den USA ebenfalls kalt ist, wird auch dort viel Heizöl benötigt. Einen Versorgungsengpass gibt es nach Datenlage aber nicht. Gleichwohl steigen auch dort die Verbraucherpreise.

Den Folgen des flüchtigen Ölverbrauchs versucht die OPEC durch Mengendrosselungen entgegen zu wirken. Wie immer in der Geschichte steht an ihrem Anfang eine Ankündigung. Die war in diesem Fall historisch groß. Über Details zur Lastenverteilung innerhalb des Kartells ist man sich bis heute nicht einig. Oft hat gerade dieses fehlende Detail zu gar keiner messbaren Handlung geführt. Da das Erodieren der Preise aus Sicht der Lieferanten einer Katastrophe gleich kommt, ist der Handlungsdruck aktuell besonders hoch. Den Akteuren ist bewusst, dass ihre Einflussmöglichkeit gegenüber der Dominanz des Nachfrageeinflusses relativ klein ist. Auch wenn Verbraucher dies oft anders empfinden, gilt die Regel „Nachfrage schlägt Angebot“. Die OPEC selbst rechnet deshalb erst in der zweiten Jahreshälfte mit einem spürbaren Preisanstieg. Allen Widrigkeiten und Unklarheiten zum Trotz handeln Saudi Arabien und der eine oder andere Lieferant. Dadurch wurde dem Markt spürbar Menge entzogen. Dass es der in der Höhe angekündigte Entzug ist, darf weiterhin bezweifelt werden. Dass der Entzug zur Preisstabilisierung beiträgt, darf immerhin geglaubt werden. Glaube hin oder her, Fakt ist, dass die Rohölpreise auf dem aktuellen Niveau für eine langfristige Versorgungssicherheit zu niedrig sind. Allein deshalb werden sie früher oder später wieder steigen. Das heißt nicht, dass sie zuvor keine tieferen Tiefs testen könnten. Wie schwierig es die OPEC hat, eine Mengenkürzung durchzusetzen, zeigt übrigens die Ankündigung des Omans, den Ausstoß in diesem Jahr nicht zu drosseln sondern sogar zu erhöhen. Zwar ist der Oman kein OPEC-Mitglied. Aber er ist ein konkurrierender Nachbar in einem Markt, der plötzlich zu hohe Produktionsreserven hat. Selbstverständlich werden diese nur temporär bestehen, wobei temporär ein noch unbestimmter Zeitraum ist.

Heute Morgen folgen die Preise der gestern eingeschlagenen Tendenz. Sie geben moderat nach. Die Tonne Gasöl kostet 458 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 36,58 Dollar. Diese Zahl allein ist allerdings ungeeignet, den Markt zu beurteilen. In London wird Rohöl der Markte Brent, das üblicherweise etwas billiger ist als US-Rohöl, mit 44,76 Dollar gehandelt.

Unsere Heizölpreise tendieren seitwärts. Sie werden nach wie vor von wetter- und nachfragebedingten Lieferengpässen getrieben. Der kalte Winter erhöht den Verbrauch im Vergleich zu den letzten Wintern deutlich, was bei Verbrauchern häufig zu ungläubigem Erstaunen und zu einer weiteren Bestellung führt. Solange es kalt bleibt, wird es leider nicht zu einer Entspannung der Lage kommen. Die Preise werden vermutlich einige Zeit auf Seitwärtskurs bleiben. Die Möglichkeit zu einer Rückkehr zu tieferen Preisen schließen wir nicht aus. Wir sehen ihre Wahrscheinlichkeit aber sinken. Die Hoffnung auf tiefere Preise sollte nicht die Notwendigkeit zur Senkung des eigenen Verbrauchs vergessen lassen. Schauen Sie hierzu mal auf esytrol.com.

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