Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Politik schafft Sorgen, Versorgung zerstreut sie

Im Laufe der letzten Woche haben die Preise den Seitwärtstrend zurückgewonnen. Die gute Versorgungslage und die Abkühlung der US-Konjunktur schaffen eine bärische Grundtendenz. Für einen Abwärtstrend reicht sie aber nicht. Die spannungsgeladene politische Entwicklung setzt immer wieder bullische Impulse. Aktuell entwickelt sich ein neues Preisrisiko aus dem Atomkonflikt mit dem Iran. Der preistreibende Einfluss eines Hurrikans blieb dem Markt bisher erspart. Der Dollar schwingt ebenfalls im Seitwärtstrend. Zuletzt wurde er durch Konjunkturdaten geschwächt.

Der Iran will sein Atomprogramm. Die UNO will es nicht. Nach monatelangen Querelen geht die Entwicklung nun in Richtung Sanktionen. Eine letzte Frist zur Einstellung der Urananreicherung läuft am 31. August aus. Sollte der Iran danach in eine ernste Auseinandersetzung mit Teilen der Weltgemeinschaft geraten, fühlte sich Venezuela ebenfalls betroffen und würde mit dem Iran abgestimmte Maßnahmen ergreifen. Das teilte Venezuelas Präsident Hugo Chavez bei einem Besuch in Teheran mit. Gemeint ist wahrscheinlich ein Ölboykott. Beide Länder zusammen gebieten über gut 9 Prozent der Liefermengen bei Rohöl. Damit können sie die Preisbildung ohne Zweifel zu einem Höhenflug veranlassen. Sie würden ihren Volkswirtschaften, wenn sie ihr Öl nicht verkauften, aber auch einen gewaltigen Schaden zufügen.

In Nigeria schwillt die Bedrohung durch Rebellen wieder an. Durch Zerstörung und durch präventive Stilllegungen seitens der Mineralölgesellschaften sind derzeit 30 Prozent der täglich geförderten 2 Mio. Barrel dem Markt entzogen.

Aus diesen Umständen entwickeln die Börsianer die preistreibenden Momente. Kurzfristig werden die Effekte wahrscheinlich zulegen. Die Verteilung der Kontrakte im Lager der großen Spekulanten schlägt momentan deutlich zugunsten steigender Preise aus.

Große Spekulanten müssen aber nicht immer Recht behalten. So sind sie vermutlich durch die schwächeren Konjunkturdaten aus den USA überrascht worden. Zusammen mit der ohnehin guten Versorgungslage stehen der bullischen Einstellung damit gewichtige Argumente entgegen.

Von der Nachfrageseite der westlichen Industrienationen kommen zudem immer wieder Nachrichten mit preisdrückendem Inhalt. Der Mineralölverbrauch der USA ist leicht rückläufig. Ob diese Tendenz bereits in diesem Jahr bis in die Kraftstoffnachfrage durchdringt, ist z.Z. noch offen. Die US-Autoindustrie widmet sich aber endlich des Themas. Sie will spritsparende Motoren entwickeln. In Deutschland ist der Trend indes klar auszumachen. Der Kraftstoffverbrauch ging von 2000 bis 2005 um 11 Prozent zurück. Der Benzinverbrauch sank sogar um 20 Prozent. Ähnlich sieht es beim Heizölverbrauch aus. In der Vergangenheit verlor der Brennstoff Kunden an Erdgas. Die Tendenz ist heute auf Grund der Sorgen um die Versorgungssicherheit bei Gas deutlich gefallen. Der Minderverbrauch geht aber auch auf höhere Effizienz im Wärmehaushalt durch Dämmmaßnahmen und durch ölsparende Heizungsanlagen zurück.

In den kommenden Jahren ist zumindest im Westen mit einer Verstärkung des Trends zu weniger Mineralölverbrauch zu rechnen. Alle Industrieländer treiben den Ersatz mineralischen Öls durch Bioöl voran. Dabei sehen sich Regierungen und Industrie als Partner. Sogar die Autoindustrie zeigt sich beim Thema enthusiastisch. Mit etwas Verzögerung wird die Entwicklung auch beim Heizöl aufgenommen. Die Beimischung oder die Nutzung in reiner Form werden den Markt und die Umwelt langfristig entspannen. Die Endlichkeit der Ölreserven wird dann an Bedeutung verlieren, weil nachwachsende Stoffe mit gleicher Wirkung an Bedeutung gewinnen. An der Tatsache, dass die Effizienz der Nutzung deutlich gesteigert werden muss, ändert sich allerdings nichts.

Die durchaus positiven Aussichten sind für die aktuelle Preisbildung nicht von Bedeutung. Heute Morgen befindet sich der Gasölpreis weiterhin im Spannungsfeld zwischen preistreibender Politik und preisdrückender Versorgungslage. Die Tonne kostet 631,25 $. Der Wert liegt über den gestrigen Notierungen.

Unsere Heizölpreise halten das Niveau. Noch laufen sie im Wesentlichen mit der Entwicklung am Weltmarkt. Die Gefahr, dass sie sich in Kürze zumindest in weiten Teilen Deutschlands abkoppeln werden, wächst. Das Problem kommt von den trockenen Wasserstraßen, die die normalen Transporte immer weniger zulassen. Wie bereits in früheren Jahren kann es dabei zu Engpässen und zu deutlichen Preissteigerungen kommen. Dazu ist eine anziehende Nachfrage nötig. Die kommt traditionsgemäß ab August.

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