Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Politische Einflussnahme

Die Rohölvorräte der USA sinken. Die nackte Nachricht ist bullisch. Sie unterstützt den Aufwärtstrend der Ölpreise. Mit dem Wissen um die Ursache der rückläufigen Lagerbestände ergibt sich ein anderes Bild. Der für die Ölversorgung wichtige Süden der USA steht jahreszeitbedingt unter dem Einfluss starker Stürme und Hurrikane. Ölplattformen im Golf von Mexiko und Hafenanlagen an der Küste müssen zeitweise aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden. So auch in der letzten Woche. Deshalb fließt temporär weniger Rohöl in die Lager. Wenn die Versorgung generell angespannt ist, kann dieser Umstand problematisch sein. Die Versorgung ist derzeit nicht angespannt. Sie ist eher üppig. Deshalb ist ein auf Wochenbasis ausgewiesener Vorratsrückgang versorgungstechnisch unbedeutend. Aus Sicht der Börse ist er willkommen, um die Preise aufzutreiben.

Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) herausgegebenen US-Bestandszahlen lauten in Gänze wie folgt:

Rohöl: -4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,1 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 89 Prozent. Der Wert ist den Umständen entsprechend gut.

Die Bevorratungssituation der USA ist nicht zuletzt deshalb entspannt, weil die Ölnachfrage sinkt. Das Energieministerium trägt diesem Umstand durch eine weitere Anpassung seiner Prognose Rechnung. Für 2011 wird ein Rückgang von 0,9 Prozent erwartet. Einen Monat zuvor betrug das Minus 0,8 Prozent. Für 2012 wird ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. Einen Monat zuvor betrug das Plus 0,8 Prozent. Für den weltweiten Ölverbrauch wird in diesem Jahr eine unveränderte Steigerung von 1,6 Prozent genannt. Der gleiche Wert wird für 2012 prognostiziert. Er betrug einen Monat zuvor 1,8 Prozent.

Deutlicher als die Veränderung der Nachfrageprognose fällt die gesenkte Erwartung zum US-Wirtschaftswachstum aus. Das wird für 2011 mit 1,6 Prozent vorhergesagt. Einen Monat zuvor betrug die Schätzung noch 2,5 Prozent. Für 2012 erwarten die Statistiker nun 1,9 Prozent nach zuvor geschätzten 2,6 Prozent. Nominell bedeuten diese Zahlen zwar keine Rezession. Sie machen aber deutlich, dass die USA tiefer in die Krise rutschen. Diese beginnt bei Wachstumsraten unterhalb von 3 Prozent.

Die Zahlen helfen die unterschiedliche Entwicklung von Aktien- und Ölnotierungen zu verstehen. Während die fallenden Kurse US-amerikanischer Aktien Ausdruck einer unerwartet schlechten Konjunkturentwicklung sind, die deutlich unter ihrem Referenzwert von 3 Prozent liegt, tragen die steigenden Ölpreise dem Umstand der globalen Nachfragesteigerung Rechnung. Diese Erklärung klammert allerdings den Zustand der Finanzsysteme aus, der durchaus geeignet ist, die drückende Dramatik zu erhöhen. Die Ratingagentur Fitch gibt mit der Drohung, Chinas und Japans Kreditwürdigkeit herabzustufen, einen unmissverständlichen Hinweis auf die Finanzproblematik. Die Agenturen Standard & Poor's und Moody's stuften Japan bereits herab.

Mehr als durch die Lage des physischen Ölmarkts wurde der Ölpreis gestern erneut durch politische Stellungnahme getrieben. Ben Bernake, Chef der US-Notenbank, gab keinen Hinweis auf die Bereitstellung frischen Geldes aus seinem Haus. In diesem Fall gilt, keine Stellungnahme ist auch eine Stellungnahme. Denn Finanzjongleure hatten die nicht versiegende Geldversorgung bereits fest eingeplant. Sie zogen sich aus Aktien- und Ölpapieren zurück, was den Ölpreis sinken ließ. In der Nacht kündigte Barack Obama ein Konjunkturpaket im Wert von 447 Mrd. Dollar an, mit dem Jobs geschaffen werden sollen. Ob dieses Programm jemals die Zustimmung des Senats bekommt, ist vollkommen offen. Finanzjongleuren reichte die bloße Ankündigung, um die Ölpreise wieder in die Höhe zu treiben.

Zur Stunde setzen die Notierungen die von Obama eingeleitete Tendenz fort. Sie steigen. Diese Tatsache passt zur aktuellen Lage an den Börsen. Sie ist eher durch politische Einflussnahme als durch Wirtschafts- und Finanzfakten geprägt. Die Tonne Gasöl kostet 983,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 89,25 Dollar und in London zu 114,95 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 71,93 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Gestern war der Dollar für den Auftrieb verantwortlich. Die Ölbörsen hatten durch ihr Ab und Auf keinen nennenswerten Einfluss. Der kurzfristige Aufwärtstrend der Heizölpreise ist intakt. Mittelfristig zeigt die Preisentwicklung seitwärts. Langfristig steigen die Preise. Die Hoffnung auf fallende Heizölpreise ist dennoch nicht abwegig, weil die Lage der Finanzsysteme jederzeit einen dramatischen Zustand erreichen kann, der alles Börsennotierte plötzlich einbrechen lässt. Ob und vor allen Dingen wann ein solcher Zustand eintritt, kann leider nicht vorhergesagt werden. Deshalb macht es keinen Sinn, ihn für den Heizölkauf einzuplanen. Das kann mit einem leeren Tank enden. Sinn macht es aber, den Heizölpreis laufend zu verfolgen, um von freundlichen Überraschungen Kenntnis zu bekommen. Dabei kann unser Preiswecker hilfreich sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben.
Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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