Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Politische Preisbildung

Die Preise befinden sich erneut im Aufwärtstrend. Treibende Kraft ist die geopolitische Lage. Sie nährt Zukunftsängste. Katalysator der Ängste ist der Rohölpreis. Er geht zielstrebig seinem letzten Höchststand von über 70 Dollar entgegen. Heute Morgen beträgt er gut 68 Dollar pro Barrel für Texasöl WTI. Der Heizölpreis wird wegen der guten Vorratslage und lang andauernder milder Temperaturen in den USA noch flach gehalten. Er ist von seinem Spitzenwert um 220 Dollar pro Gallone rund 18 Prozent entfernt. Der Dollar vollzog in den letzten Tagen eine heftige Gegenbewegung zu seinem Abwärtstrend, die den letzten großen Kursrückgang komplett annullierte.

Die aktuelle Versorgung ist gut. Sie rechtfertigt deutlich tiefere Preise. Die Chance, dass tiefere Preise realisiert werden können, ist dagegen verschwindend gering. Derzeit wird die Börse vom Atomstreit mit dem Iran, von Unruhen in Nigeria und durch die Unsicherheit nach dem Wahlergebnis in Palästina getrieben. Allesamt politische Umstände. Gemäß der Börsenweißheit, politische Börsen haben kurze Beine, müssten die Preise bald zurückkommen. Hinter den medienrelevanten Themen verbirgt sich aber weitere Unordnung, an denen sich die Preise langfristig heraufarbeiten können.

Die Weltwirtschaft boomt voran. Damit wird die Nachfrage weiter wachsen. Die Reservekapazitäten der Ölförderung betragen 1,5 bis 2 Mio. Barrel pro Tag. Das ist sowohl für das Nachfragewachstum als auch für mögliche Störungen durch Politik, soziale Unruhe oder Naturereignisse zu wenig. Für Lord Brown, den Chef der BP, liegt hier der ?wahre Grund? für die hohen Ölpreise. Mit dieser Aussage konterkariert er die beschwichtigenden Statements aus dem letzten Jahr, die zwar einen Engpass bei der Verarbeitung von Öl eingestanden, die aber an der sicheren Versorgung mit Rohöl keinen Zweifel aufkommen lassen wollten. Das sieht heute anders aus. Der für die Versorgung wichtige Irak ist seit dem Einmarsch der Demokratisierungstruppen als Lieferant weitgehend ausgefallen. Eine Trendwende zum Besseren ist nicht in Sicht. Die Nordsee hat ihren Zenit als Quellgebiet für Öl überschritten. Die jährlich geförderte Menge nimmt ab. Ein Ausgleich in politisch stabiler Hemisphäre können die Ölsände Kanadas sein. Ihre Förderung ist heute wegen der gestiegenen Preise wirtschaftlich machbar. Für die Umwelt ist sie aber ein großes Problem. Mit jeder Tonne Öl werden 25 Tonnen Abraum produziert. Weitere Ausgleichsmengen für das versiegende Nordseeöl werden, wenn überhaupt, allenfalls in politisch unsicheren Gebieten der Erde erwartet.

Aber nicht nur um die Rohölversorgung steht es z.Z. knapp. Die im letzten Jahr viel gescholtenen Raffineriekapazitäten sind nicht besser geworden. In den USA droht eine größere Benzinlücke als je zuvor. Neue Regeln für die Kraftstoffspezifikationen und eine immer noch steigende Nachfrage machen es den USA noch schwerer, sich aus eigenen Werken zu versorgen. Üblicherweise wird die Börse durch Knappheit auf dem US-Markt besonders stimuliert. Die Börsianer spüren sie im eigenen Portemonnaie und können sie auf dem Parkett handeln.

Die genannten Aspekte sind für bullische Impulse der zukünftigen Preisbildung allemal gut. Auf der Gegenseite findet man heute wenig Gewichtiges. Eine wünschenswerte und ausbaufähige Entwicklung gibt es über den deutschen Primärenergieverbrauch zu berichten. Im letzten Jahr sank dieser um 1,3 Prozent. Die Wirtschaftsleitung stieg gleichzeitig um 1 Prozent. Der Mineralölverbrauch verringerte sich sogar um 2 Prozent. Dabei verlor Benzin 6 und Heizöl 2 Prozent. Diesel blieb konstant bei wachsender Fahrleistung. Lediglich Flugzeugkraftstoff wurde um 7 Prozent mehr nachgefragt als im Vorjahr. Insgesamt sind die Zahlen ein Beweis und ein Plädoyer für mehr Effizienz. Kurzfristig wird sie die Welt nicht erhellen. Daher werden die Preise steigen. Langfristig ist sie der einzig gangbare Weg.

Preisanstieg gibt es bereits heute Morgen zu vermelden. Gasöl wird teurer. Die Tonne kostet 558,75 $, Tendenz steigend.

Unsere Heizölpreise steigen. Sie bekommen sowohl vom Ölmarkt als auch vom Dollarkurs Auftrieb. Erster dürfte sich fortsetzen. Zweiter wird vermutlich bald wieder abnehmen. Nach unserer Einschätzung sind die Aussichten für die Preisentwicklung wenig erfreulich. Die Ereignisse auf internationalem Parkett lassen kaum Hoffnung für sinkende Preise. Eine Seitwärtsbewegung wäre die beste denkbare Alternative. Aber selbst für sie stehen die Zeichen z.Z. schlecht. Langfristig ist der Aufwärtstrend ohnehin ein unumstößlicher Fakt.

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