Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Politische Störungen treiben Preise

Die Preise legten zum Wochenende deutlich zu, obwohl die aktuelle Versorgungslage gut ist. Nach einer ausgedehnten Abwärtsbewegung, die sich über gut zwei Wochen erstreckte, musste mit einer Gegenreaktion gerechnet werden. Ausgelöst durch Forderungen aus OPEC-Kreisen, die Liefermengen zu drosseln, kam diese am Donnerstag. Die Kriegserklärung einer nigerianischen Terrorgruppe an die internationale Ölindustrie im Land, ein Bin-Laden-Tonband mit einer Anschlagsankündigung gegen die USA und Drohungen von Venezuelas Hugo Chavez, die Öllieferungen an die USA zu unterbrechen, liefern ein Bündel bullischer Argumente, die die Aufwärtsbewegung nun weitertreibt. Politik als Impulsgeber ist zurückgekommen. Der Dollar scheint seinen etwa einen Monat währenden Aufwärtstrend zu beenden. Als Auslöser für eine Abwärtsbewegung gilt ein schlechter Konjunkturklimaindex. Währungsfachleute rechneten trotz neuer Zinsphantasien ohnehin nicht mit einem weiteren Anstieg der US-Währung.

Die aktuelle Preisbildung muss keineswegs ein Ende der nachgebenden Preise bedeuten. Z.Z. handelt es sich lediglich um eine Korrektur des starken Preisverfalls seit Anfang Februar. Der kurzfristige Abwärtstrend ist intakt. Der langfristige Aufwärtstrend ist es allerdings auch. Und weil das so ist, schwenken die Fachleute ihr Prognosefähnchen schon wieder in den Wind der anziehenden Preise. Gegen eine bullische Einschätzung spricht das Engagement der großen Spekulanten. Die reduzierten ihren Kontraktbestand auf steigende Kurse beim Rohöl und beim Heizöl bis zur letzten Woche deutlich. Für Rohöl sind sie klar bärisch. Für Heizöl sind sie neutral. Lediglich die Benzinpreisbildung wird bullisch eingeschätzt. Hinter der aktuell guten Versorgungslage schlummert das Problem knapper Raffineriekapazitäten, das möglicherweise im Sommer an der Benzinversorgung deutlich wird.

Die Raffineriekapazitäten werden auch in China thematisiert. Die oberste Wirtschaftsbehörde beklagt einen Mangel von 0,3 Mio. Barrel pro Tag. Das entspricht etwa 5 Prozent des chinesischen Bedarfs. Die Mangeltendenz steigt. Das Versorgungssystem und die staatliche Preispolitik werden schlecht beurteilt. Durch subventionierte Ölerzeugnisse gehen der Raffinerieindustrie jährlich 3,1 Mill. Dollar verloren. Ölprodukte werden zu billig an Verbraucher abgegeben. Diese Politik wird mittlerweile geändert.

Die großen Spekulanten sehen die Rohölversorgung momentan offensichtlich positiv. Das möchte Saudi Arabien auch. Gleichwohl sorgt man sich dort über die Haltung ?weg vom Mineralöl?, die inzwischen sogar von George W. Bush vorgetragen wird. Das Land sieht seine Rolle als stabilisierender Faktor des Weltenergiemarkts. Als solcher investiert es erheblich in den Ausbau von Ölförderkapazitäten. Die sollen in den nächsten vier Jahren um 10 Prozent gesteigert werden. Innerhalb von fünf Jahren will man zudem gut 1 Mio. Barrel pro Tag an neuer Raffineriekapazität schaffen. All das steht allerdings in Frage, wenn die (westliche) Welt das Nah-Ost-Öl nicht mehr will. Der versorgungstechnisch gerechtfertigte Preis liegt nach Meinung des saudischen Ölministers Naimi derzeit bei 50 Dollar, also etwa 10 Dollar unter dem Marktpreis.

Die Preisüberhöhung geht auf das Konto der diversen politischen Störungen, wobei der Einfluss des Atomstreits mit dem Iran z.Z. gering ist. Schwer wiegen hauptsächlich die kriegerischen Attacken nigerianischer Rebellen gegen alle ausländischen Ölkonzerne. Nach Aussagen eines Rebellenführers will man sie aus dem Land vertreiben. Er hat ?den totalen Krieg? gegen alle Auslandsinteressen an nigerianischem Öl erklärt. Die Ölwelt nimmt die Angriffe sehr ernst. Schwer wiegt auch die Verbalattacke von Hugo Chavez gegen die USA. Weil er seine linke Politik durch die USA bedroht sieht, ist er willens, das für die USA bestimmte Öl anderweitig zu verkaufen. Entsprechende Maßnahmen seien bereits eingeleitet. Venezuela ist einer der wichtigsten Öllieferanten für die USA. Chavez greift George W. Bush auch wegen seiner Politik in Afghanistan, im Irak und gegenüber dem Iran an.

Heute Morgen ist der politische Einfluss auf die Preise weiterhin zu spüren. Die Tonne Gasöl kostet 531,75 $. Vor einigen Tagen sah es noch nach einem Durchbruch unter die 500-$-Marke aus.

Unsere Heizölpreise steigen wieder. Die prompte Reaktion auf die Wende am Weltmarkt fällt regional unterschiedlich stark aus. Im Norden, wo die Preise in den letzten zwei Wochen recht deutlich nachgaben, ist sie stärker. Im Süden, wo die Preise auf Grund einer angespannten Versorgungslage wenig oder gar nicht nachgaben, ist sie etwas schwächer. Hier haben die regionalen Verhältnisse einen größeren Einfluss auf die Preisbildung. Die Erwartung, dass die Heizölpreise nennenswert fallen, wird erneut enttäuscht. Wer Brennstoff braucht, sollte nicht auf bessere Zeiten spekulieren. Flexibilität in der Lieferzeit bringt den einzig sicheren Spareffekt.

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