Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Preisanstieg in vollem Schwung

Die gestern veröffentlichten US-Bestandsdaten konnten den Aufwärtstrend in seinem Lauf nicht aufhalten. Sie fielen schlechter aus als erwartet. Verbal wurde die bullische Stimmung durch Äußerungen des iranischen und des venezuelanischen Präsidenten sowie nigerianischer Rebellen angeheizt. Der Dollar beschleunigte seinen Abwärtstrend. Das erwartete Ende der Zinsanhebungen in den USA wird weiterhin als Hauptursache genannt.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) kamen mit folgenden Zahlen über die wöchentliche Veränderung in den öffentlichen US-Tanklagern heraus:

Rohöl: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 9,0 (DOE) bzw. 10,1 (API) Mio. Barrel. Erwartet wurde ein Zuwachs der Rohölbestände und erheblich geringere Abnahmen der Produktenbestände. Die Daten untermauern die bullische Grundstimmung des Markts. In absoluten Zahlen sind die US-Bestände zwar immer noch sehr hoch. Sie liegen über allen zeitlich vergleichbaren Werten der letzten fünf Jahre. Seit gut einem Monat zeigt sich aber ein für die Jahreszeit untypischer starker Rückgang der Gesamtvorräte. Das verdeutlicht, dass die aus der Versorgungslage resultierenden Preiseinflüsse nicht auf kurzfristigen Irritationen beruhen, sondern einem bullischen Trend folgen.

Die Importe in die USA konnten zur Vorwoche zulegen. Sie bleiben aber unter den Vergleichswerten des Vorjahres. Die Raffinerieverfügbarkeit verbesserte sich ebenfalls. Gleichwohl ist sie mit 87 Prozent katastrophal schlecht. Die letzte Hurrikansaison ist immer noch nicht überwunden. Die nächste Saison beginnt bereits in gut einem Monat. Auch dieser Umstand treibt die Preise aufwärts.

Weitere Argumente für den Aufwärtstrend kamen von den politischen Brennpunkten der Ölwelt. Nigerianische Rebellen kündigten neue Terrorakte gegen ausländische Ölgesellschaften an. Die aktuelle Ausfallquote des wichtigen Ölförderstaats liegt bei knapp 20 Prozent.

In den Verhandlungen um das gemeinsame Auftreten zur Abwendung der iranischen Atombemühungen finden die ständigen Vertreter des UN-Sicherheitsrats und Deutschland keine gemeinsame Linie. Dieser Umstand hält die Sorge um einen US-Militäreinsatz hoch. Der Iran ist nicht im geringsten bemüht, eine ausgleichende Note verlauten zu lassen. Im Gegenteil, die Turbulenzen an den Ölbörsen werden durch die Äußerung Mahmud Ahmadinedschads, dass der Ölpreis noch zu billig sei, angefacht.

Einen ähnlich wirkenden Ton schlägt Venezuelas Hugo Chavez an. Zur Abwehr einer befürchteten US-Intervention in seinem Land droht er mit der Zerstörung der eigenen Ölfelder.

Der Mix aus preistreibenden Umständen wird durch die Lage im Irak und in Palästina vervollständigt. Die Nachfragesteigerung der neuen Industriestaaten wird weiterhin hoch bleiben. In den alten Industriestaaten sinkt die Produktion.

Auf der Gegenseite der Einflussfaktoren, also preisdrückend, ist nichts zu erkennen, was dem bullischen Trend nachhaltig Einhalt gebieten könnte. Der stärkste Gegenimpuls mit einer geschätzten 10-Dollar-Wirkung auf den Rohölpreis könnte aus einer Entspannung im Atomstreit kommen. Z.Z. ist er noch nicht zu erahnen.

Heute Morgen setzt sich der Lauf mit einem weiter steigenden Gasölpreis fort. Die Tonne kostet 640,50 $.

Unsere Heizölpreise steigen fast geradlinig. Die Bewegung ist alles andere als überraschend. Sämtliche Impulse, die aktuell als ursächlich angegeben werden, zeichneten sich seit Monaten ab. Sie werden noch über Monate anhalten. Mit einer deutlichen Entspannung rechnen wir erst ab September, nachdem die Hurrikansaison in den USA beendet ist. Zwischenzeitliche Preisrückgänge, die das bullische Bild erkennbar aufhellen könnten, bedürften einer politischen Änderung der Großwetterlage. Diese ist momentan schwer vorstellbar.

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