Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Preisauftrieb im Doppelpack

Gestern haben sich die Ölpreise aus einem noch vorhandenen Abwärtssog befreit. Auslösende Impulse für den Ruck kamen von den Aktienmärkten und von den US-Lagerdaten. Manisch depressive Spekulanten gaben ihr Geld wieder für billig geglaubte Aktien aus. Die als Folge deutlich gestiegenen Indices lassen an den Fortgang der US-Konjunktur und eine Steigerung der Ölnachfrage glauben. Unerwartet stark gefallene Rohöl- und Benzinbestände brachten die passenden Fakten zum Glauben. Der Dollar verlor an Wert. Das war zuletzt immer dann der Fall, wenn sich die Konjunkturstimmung aufhellte. So war es gestern.

Dass die gestrige Euphorie zur konjunkturellen Entwicklung eine bleibende Einstellung ist, darf angesichts der Probleme am US-Hypothekenmarkt bezweifelt werden. Diese Probleme haben sich über Jahre aufgebaut. Sie sind lange bekannt. Sie wurden ebenso lange ignoriert. Nun müssen sie behoben werden. Bis ein schlüssiger Weg befunden ist, mit ihnen fertig zu werden, bleibt die Börsenstimmung anfällig für neue Depressionen.

Konkret äußert sich das Problem im Verfall der US-Immobilienpreise. Sie sind im zweiten Quartal auf das Jahr bezogen um 3,2 Prozent gefallen. Das ist der schwerste Rückgang seit 20 Jahren. Häuser lassen sich kaum noch verkaufen. Der Angebotsbestand ist auf Rekordniveau gestiegen. Die Lage am Immobilienmarkt drückt auf das amerikanische Verbrauchergemüt. Der Vertrauensindex knickt ein. Zwei Drittel der US-Wirtschaft wird durch den heimischen Verbrauch getragen. Wenn dieser spürbar zurückgeht, muss die Konjunktur einbrechen.

Ein Ausweg aus der Situation könnte über die Aktienmärkte erfolgen. Verbraucher sind in den USA stärker als hierzulande an diesen Märkten interessiert. Wenn sich die Aktien positiv entwickelten, käme das Verbrauchervertrauen zurück. Der Konjunktureinbruch könnte vermieden werden. Einen solchen Weg müsste die Notenbank mit entsprechenden Maßnahmen vorzeichnen. Bisher ist ein entsprechendes Ansinnen noch nicht wahrzunehmen. Der gestrige Anstieg der Aktienindices ist zunächst einmal eine Eintagsfliege.

Allerdings trieb dieser Anstieg die Ölpreise während des ganzen Tages in die Höhe. Als am Nachmittag die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) ermittelten Bestandsdaten gemeldet wurden, bekamen die Preise weitere Unterstützung. Die Daten fielen deutlich schlechter aus als erwartet. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: -3,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 6,2 (DOE) bzw. 5,6 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 90% gefallen. Das ist ein weiterer bullischer Aspekt. Er wird mit positiven Konjunkturaussichten noch wirkungsvoller.

Heute Morgen ist der kräftige Anstieg zur Ruhe gekommen. Die Tonne Gasöl kostet 637,50 $. Das ist so viel wie gestern Abend.

Unsere Heizölpreise ziehen als Folge des gestrigen Börsengeschehens deutlich an. Da die Lage am von den USA dominierten internationalen Markt weiterhin instabil ist, leiten wir daraus noch keinen Einstieg in eine neue Preisrunde ab. Bis auf weiteres gehen wir von einem stark schwingenden seitwärts bewegten Heizölpreis aus. Erst wenn Vertrauen in die Finanzmärkte zurückkehrt oder Hurrikane drohen, dürfte Heizöl spürbar teurer werden.

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