Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Preisdämme gebrochen

Frühlingshafte Temperaturen in den US-Heizölregionen sorgen seit Wochen für nachgebende Preise. Mit dem Jahreswechsel deutete sich ein neuer Abwärtsschub an. Vorgestern bekam dieser spürbare Form. Gestern beschleunigte er sich nach der Veröffentlichung der US-Bestandsdaten. Rohöl verlor innerhalb von zwei Tagen fast 10 Prozent an Wert. Gasöl büßte rund 6 Prozent ein. Der Dollar konnte sich den zweiten Tag in Folge deutlich gegen die erwartete Abwärtsrichtung stemmen.

Im Westen der USA herrscht knallharter Winter. Teilweise ist die öffentliche Versorgung zusammengebrochen. Im Nordosten des Landes liegen die Temperaturen dagegen um rund 8 Grad über dem jahreszeitlichen Durchschnitt. Hier leben mehr Menschen als in den aktuellen Winterregionen. Sie heizen größten Teils mit Heizöl. Das liegt nun in den Lagern, weil es nicht gebraucht wird. Um rund 40 Prozent sind die Verkäufe zurückgegangen.

Die ausbleibende Nachfrage drückt auf die Preise. Die haben sich bis zum Jahresende in einem seitwärts gerichteten Trendkanal bewegt. Über einen Monat sanken die Preise innerhalb dieses Kanals. Weil sich die Wetterbedingungen in dieser Zeit nicht änderten und kein Winter auf den Prognoseschirmen auftauchte, durchbrachen die Preise die untere Grenze des Preisbands. Ein Abwärtstrend wurde eingeleitet. Der hätte mit schlechten Bestandsdaten eventuell noch revidiert werden können. Das geschah aber nicht. Im Gegenteil, die Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) feuerten den Trend an. Folgendes wurde zur Bestandsveränderung gegenüber Vorwoche gemeldet:

Rohöl: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +5,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 6,3 (DOE) bzw. 11,0 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind wieder höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Das gilt sowohl für Rohöl als auch für Heizöl. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf ausreichende 91 Prozent gestiegen.

Die Gesamtsituation ist zum Vergleichsmoment vor 12 Monaten nahe zu identisch. Vor drei Jahren war erheblich weniger Rohöl in den Lagern. Vor fünf Jahren gab es etwas mehr Heizölvorräte. Im langjährigen Mittel ist der Rohölvorrat unterdurchschnittlich tief, der Heizölvorrat überdurchschnittlich hoch und der Benzinvorrat durchschnittlich.

Dass die Börsen eine neue Abwärtswelle der Preise initiieren, liegt nicht zuletzt am fehlenden Einfluss bzw. an der fehlenden Wertung der geopolitischen Bedingungen. Die weltweiten Brandherde Iran, Irak, Nigeria u.a. werden derzeit nicht thematisiert.

Angesichts des Preisverfalls herrscht bei der OPEC nervöse Geschäftigkeit. Minister halten Telefonkonferenzen ab. Man ist um Einhalt der Abwärtsbewegung bemüht. Die Erfolgsaussichten dieser Bemühungen werden allgemein als gering eingeschätzt.

Charttechnisch ist die Sache eindeutig. Es herrscht Abwärtstrend. Die Heftigkeit der Bewegung lässt allenfalls eine Gegenreaktion erwarten.

Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 489,25 $. Zum Jahreswechsel kostete sie noch 518 $.

Unsere Heizölpreise geben erheblich nach. Sie zeigen erneut einen klaren Abwärtstrend. Die Heftigkeit der Bewegung und die Klarheit des Trends überrascht uns. Wir hatten erwartet, dass die geopolitischen Gefahren für die Versorgung mehr Gewicht in der Lagebeurteilung finden werden. Jetzt berauscht sich die Börse hingegen an ihrer Ausverkaufsstimmung. Für Verbraucher ist das ein guter Moment.

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