Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Preise erneut unter Druck

Unter dem Eindruck der OPEC-Diskussion um eine Kürzung der Liefermengen zogen die Preise in der letzten Wochen an. Es wurde deutlich, dass das Kartell einen andauernden Fortgang des Preisrückgangs nicht hinnehmen wird. Einigkeit über kurzfristige Maßnahmen herrscht allerdings nicht. Charttechnisch motivierte Börsenhändler nutzen die unklare Haltung und bringen die Kurse erneut unter Abgabedruck. Die Möglichkeit für neue Preistiefs in der laufenden Abwärtsbewegung ist greifbar nahe. Der Dollar hält den Seitwärtstrend. Gestern noch drohte dieser in einen Aufwärtstrend überzugehen, was angesichts der abkühlenden US-Konjunktur kaum erklärbar wäre.

Offiziell heißt es aus OPEC-Kreisen, dass Lieferkürzungen erst im Dezember anlässlich des nächsten planmäßigen Treffens beschlossen werden können. Venezuela und Nigeria sind mit dieser Formulierung nicht einverstanden. Sie kürzen unabgestimmt mit dem Kartell um jeweils 0,05 Mio. Barrel pro Tag. Am Markt wird das als lächerlich empfunden. Beide Länder produzieren ohnehin unter ihrer Quote. Eine Auswirkung auf die Versorgung wird es nicht geben. Der preisliche Effekt könnte sich als Bumerang entpuppen. Börsianer interpretieren das Vorgehen als Schwäche der OPEC. Die Möglichkeit, einheitlich und stark zu handeln, ist nicht gegeben. Diese Einschätzung ermuntert die Bären im Markt, eine weitere Preisattacke zu versuchen.

Die bullischen Themen des Sommers haben sich allesamt in Luft aufgelöst. I.E. sind es der Atomstreit mit dem Iran, die Hurrikansorgen in den USA, die instabile Lage in Nigeria und im Irak. In der Diskussion um die iranische Atomanreicherung kann man mittlerweile auf echte Entspannung spekulieren. Teheran sei interessiert, ein gemeinsames Konsortium mit Frankreich zu formieren, das die Anreicherung betreibt. Stürme, die den Begriff Hurrikan tragen dürfen, werden in den USA in dieser Saison nicht mehr erwartet. Nun ist sogar von einem milden Winter die Rede. Da die weltweite Versorgung derzeit ohne Mangel ist, wird den Lieferausfällen aus Nigeria und dem Irak keine Bedeutung geschenkt.

Ein bullisches Langzeitthema ist allerdings in Vergessenheit geraten. Es könnte demnächst als Grundlage für langsam anziehe Preise herangezogen werden. Chinas Ölimporte steigen weiter an. In den ersten acht Monaten liegen sie 15 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Täglich werden nach Angabe der chinesischen staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform 2,9 Mio. Barrel Rohöl eingeführt. Bis 1992 war China ein Ölexportland. Die Importabhängigkeit beträgt mittlerweile rund 38 Prozent. Mit 8,5 Prozent des Weltbedarfs ist China hinter den USA der zweitgrößte Ölverbraucher.

Um die große Anhängigkeit von Importen mineralischen Öls zu reduzieren, setzen westliche Industrienationen auf Bioöle. In vielen Ländern wurden ambitionierte staatliche Programme aufgesetzt, um den nachwachsenden Rohstoffen zu einem nennenswerten Anteil am Ölmarkt zu verhelfen. Im Jahr 2011 sollen täglich 1,2 Mio. Barrel Kraftstoff auf Biobasis produziert werden. Das wird einem Anteil von 2 Prozent am Gesamtmarkt entsprechen. Der OPEC ist das ein Dorn im Auge. Sie hält Biokraftstoffe für zu teuer und für zu wenig umweltfreundlich. Die Anbauflächen würden Flächen zur Produktion von Lebensmitteln entzogen. Die Motivlage der OPEC ist durchsichtig. Vollkommen von der Hand zu weisen, sind die Argumente aber nicht. Es bedarf mehr Wissens, um den Umweltnutzen unter Beweis zu stellen.

Wenig hilfreich in diesem Zusammenhang sind politische Extremformulierung wie sie aus Schweden zu hören sind. Das Land will bis 2020 den Mineralölverbrauch auf Null senken. Eine gleichermaßen extreme Position gab es zur Atomenergie in den 1980er Jahren. Man wollte Totalverzicht leisten. Heute hat Schweden den zweithöchsten Atomanteil am Energieverbrauch weltweit. Im Pro-Kopf-Verbrauch an Mineralöl belegt Schweden Platz drei der Weltrangliste.

Über jeden Zweifel erhaben sind Effizienzziele in Sachen Energieverbrauch. Bereits heute gibt es genügend Möglichkeiten für Verbraucher, diese zu verfolgen und dabei Energiekosten zu senken und die Umwelt zu schonen. Hier ist nicht die Frage entscheidend, welcher Brennstoff eingesetzt wird, sondern welche technischen Maßnahmen zum Energiesparen Anwendung finden. Eine Senkung des Verbrauchs um 30 Prozent ist technisch weniger utopisch als ein entsprechender regenerativer Anteil am Energiemix.

Zurück zum Ölpreis. Heute Morgen hält der Abwärtsdruck an. Die Tonne Gasöl kostet 541$. Gestern Morgen waren es 558,25$.

Unsere Heizölpreise geben nach. Vom Weltmarkt wird erneut Druck ausgeübt. Der kann sich im Binnenmarkt nur mit Verzögerung in den Preisen zeigen. Das hohe Auftragsvolumen wirkt hier bremsend. Aktuell deutet sich an, dass die Preise einen weiteren Abwärtsruck erfahren könnten. Wenn er käme, stellte sich vermutlich eine weitere Kaufwelle ein. Die Margen und die Lieferzeiten würden hoch bleiben. Der Preisrückgang würde den Verbraucher erneut nur zum Teil erreichen. Gleichwohl wäre er erfreulich.

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