Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Preise fallen weiter

Die Einflussfaktoren auf die Preisbildung waren gestern schlecht für Verbraucher, denn sie waren bullisch. Die OPEC wird den Ausstoß nicht erhöhen. Die US-Bestände sind deutlich gefallen. Das ließ einen Preisanstieg erwarten. In einer ersten Reaktion kam der auch. Aber er konnte sich nicht halten. Charttechnik dominiert derzeit den Markt. Und die ist bärisch. An der Börse arbeitet man daran, die Preisübertreibung abzubauen. So war es entgegen aller Widrigkeiten auch gestern. Die Preise schlossen mit einem neuen Tief im laufenden Abwärtstrend. Nun liegt ein weiterer Preisrückgang in der Luft. Der Dollar ging in die derzeit typische Opposition zu den Ölpreisen. Dabei bekam er etwas Unterstützung von US-Wirtschaftsdaten und aus der Politik. Man ist gewillt, die Marktkräfte zur Vermeidung der anstehenden Rezession außer Kraft zu setzen.

Die OPEC-Entscheidung, den Ölausstoß unverändert zu belassen, wurde erwartet. Dennoch hofften Marktteilnehmer auf ein anderes Signal. Warum sie darauf hofften, wird ihr Geheimnis bleiben. Der Markt braucht es derzeit nicht. Es gibt genug Öl, um den Bedarf zu decken. Interessanter als die aktuelle Aussage über Quoten ist eine vor Tagen veröffentlichte Erklärung zur wachsenden Investitionsbereitschaft der Kartellmitglieder. Sie wollen bis 2012 mehr als 150 Mrd. Dollar in Förderanlagen und Raffinerien investieren. Dabei wird die Produktionskapazität um ca. fünf Mio. Barrel pro Tag steigen. Diese Anhebung allein wird, wenn sie denn kommt, aber nicht ausreichen, um die Nachfragesteigerung gemäß aktueller Prognosen befriedigen zu können.

Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) veröffentlichten Daten über die wöchentliche Veränderung der US-Vorräte zeigen große tendenzielle Übereinstimmung. Insofern genießen die Zahlen hohes Vertrauen. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: -8,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -8,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7Mio. Barrel (API)
Benzin: +4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,6 (DOE) bzw. 3,7 (API) Mio. Barrel. Die US-Rohölimporte sind geringer, die Heizölimporte sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist unverändert bei schwachen 89 Prozent geblieben. Das Gesamtpaket der Daten ist bullisch.

Im Kontext der letzten fünf Jahre befinden sich die aktuellen Bestände im mittleren Bereich. Wenn man von permanent steigender Nachfrage ausginge, könnte man diese Tatsache durchaus bullisch bewerten, zumal die Tendenz der Vorratshaltung abwärts zeigt. Man kann aber davon ausgehen, dass die Nachfrage in den USA in den kommenden Jahren zunächst moderat, später deutlich sinken wird. Entgegen offizieller Regierungspolitik wird die Entwicklung auch im Mutterland des Ölkonsums in Richtung Erhöhung von Effizienz und Reduzierung von Verbrauch gehen. Deshalb lassen die Bestände eine neutrale Bewertung zu.

Dem iranische Atomprogramm wurde durch die preisgegebenen Erkenntnisse der US-Geheimdienste über das Bestreben Teherans, eine Atombombe zu bauen, die Ölpreisrelevanz entzogen. Andere geopolitische Einflüsse kommen und gehen. Sie hinterlassen meist keine nachhaltigen Spuren in der Preisbildung. Anders verhält es sich mit der Wirtschaftsentwicklung Chinas und Indiens. Sie spielen die stille aber dominante Hauptrolle unter den preisbestimmenden Faktoren. Und sie sind bullisch.

Aktuell treten alle fundamentalen Aspekte hinter den Einfluss der Charttechnik zurück. Die weist nach den Übertreibungen der letzten Monate deutlich abwärts. Wie weit die laufende Gegenbewegung tragen wird, liegt im Reich der Spekulation. Irgendwo zwischen 80 und 65 Dollar für das Barrel Texasöl wird der untere Umkehrpunkt der Bewegung liegen. Danach werden sich die Preise wieder dem Aufwärtstrend zuwenden. Ob der untere Punkt in einer geradlinigen Bewegung oder in einer starken Wellenbewegung erreicht wird, ist ebenfalls ein offene Frage.

Heute Morgen sieht es gut für den weitern Preisrückgang aus. Die Tonne Gasöl kostet 779,75 $. Tendenz fallend.

Unsere Heizölpreise fallen. Erwartungsgemäß hatte die gestrige OPEC-Entscheidung keine große Bedeutung für den kurzfristigen Trend. Er weist abwärts. Angesichts der relativen Klarheit der Abwärtsbewegung muss aber vor überzogenen Erwartungen gewarnt werden. Öl wird langfristig teurer. Darauf ruht die Hauptspekulation der Marktteilnehmer. Das Gefühl, dass die nun abzubauende Übertreibung der Preise ausreichend ist, kann die Börse plötzlich überkommen. Dann wird die Wende schnell vollzogen werden.

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