Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Preise geben nach

In der letzten Woche sind die Preise deutlich gefallen. Der Kurs für Rohöl fiel gestern kurzfristig unter 68 Dollar. Einen so niedrigen Wert hatte er zuletzt im Mai. Damals wurden die Preise als für die Umstände günstig empfunden. Die Bewegung befindet sich an der unteren Schwelle des seitwärts gerichteten Trendkanals. Ein Abwärtstrend rückt in den Bereich des Möglichen. Fundamental wird die Versorgungslage äußerst entspannt gesehen. Gefahren für steigende Preise haben z.Z. kaum Gewicht. Der Währungseinfluss auf den Ölpreis ist in diesen Tagen sehr gering. Der Dollar befindet sich in einem engen Seitwärtstrend.

Die preisdrückenden Einflüsse sind unspektakulär aber wirkungsvoll. Die US-Konjunktur schwächt sich allem Anschein nach ab. Damit wird der Ölbedarf nur schwach oder sogar gar nicht wachsen. Die mit Sorge erwartete Hurrikansaison ist bisher ausgesprochen ruhig verlaufen. Negative Prognosen der Wetterämter wurden mittlerweile gesenkt. Obwohl die Saison offiziell noch acht Wochen andauert, breitet sich emotionale Entwarnung aus. Die Gesamtversorgung ist gut. Am Rohölmarkt gibt es ein Überangebot. In einem bescheidenen Maß können Reserveförderkapazitäten aufgebaut werden. Die Öllager sind sehr gut gefüllt. Der Nahostkonflikt bleibt ohne Einfluss auf die Ölwirtschaft. All das trägt zu einer ausgesprochen entspannten Börsenstimmung bei.

In dieser Lage ist es fast erstaunlich, dass das Engagement am Ölmarkt weiterhin sehr hoch ist und dass die großen Spekulanten noch Papiere mit einem klaren Übergewicht auf steigende Kurse halten. Aber gerade dieser Umstand bietet die Chance für weiteren Preisrückgang. Denn, wenn keine preistreibenden Nachrichten geliefert werden, stehen weitere Papierbarrels zum Verkauf an.

Die Möglichkeit für negative Nachrichten nimmt ab. Das gewichtigste Thema am Markt ist der Atomkonflikt mit dem Iran. Die kompromisslose Haltung Teherans scheint von der Staatengemeinschaft folgenlos hingenommen zu werden. Zwar würden die USA gerne umgehend Sanktionen aussprechen. Russland und China werden sich der Politik aber nicht anschließen. Und Europa sucht noch die Position. Aber selbst wenn Sanktionen folgten, hätte das für die Ölwirtschaft nicht zwangsläufig spürbare negative Auswirkungen. Der Iran will nach eigenem Bekunden weiterhin Öl liefern. Sollte das aber nicht geschehen, stünde Saudi Arabien bereit, wenigstens die Hälfte des Ausfalls zu kompensieren. Selbst wenn die Ölwaffe rasselte, würde es kaum zu einem Totalausfall der iranischen Mengen kommen. China, ein Großabnehmer, bekäme mit Sicherheit weiterhin Öl.

Wie wenig beängstigend Ausfallerscheinungen derzeit sind, zeigt die Situation um die Ölförderung in Alaska. Vor Kurzem sorgte die Meldung von BP, dass ihr Ölfeld wegen notwendiger Reparaturarbeiten an den Pipelines geschlossen werden muss, für preistreibende Unruhe. Dann kam die entspannende Meldung, dass die halbe Fördermenge weiterhin fließen kann. Derzeit fließt aber nur ein Viertel der Menge. Die Hälfte wird für den Herbst in Aussicht gestellt, wenn eine Notreparatur gelingen sollte. Das alles hat momentan kaum Einfluss auf die Preisbildung.

Eine Preisgefahr stellt die Streikandrohung in Nigeria dar. Für drei Tage soll ab dem 13. September kein Tropfen Öl gefördert werden. Die Ölarbeiten geher in den Ausstand, um vom Staat einen besseren Schutz vor den Rebellen zu erreichen, die die Ölindustrie immer wieder angreifen. Da bis zum Beginn des geplanten Streiks noch verhandelt wird, sind die Börsenteilnehmer hoffnungsvoll, dass der Streik abgewendet werden kann.

Für das Mutterland des Öls, die USA, unangenehm und daher preisbeeinflussend könnte sich die Verbindung Venezuelas mit China erweisen. Der Präsident, Hugo Chavez, kam mit seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao überein, sein Land als einen Hauptversorger Chinas aufzustellen. Derzeit geht der größte Teil des venezuelanischen Öls in die USA. Chavez liegt mit den USA in einem Dauerstreit. Die Möglichkeit, die Geschäftsbeziehung einschränken zu können, entspricht seiner politischen Linie. Bisher nahm die Börse kaum Notiz vom bevorstehenden Richtungswechsel des Öls aus Venezuela.

Als ernsthafte Preisgefahr bleibt derzeit nur ein folgenschwerer Hurrikan. Der ist bis zur Stunde nicht in Sicht. Damit kann sich der entspannende Kurs fortsetzen. Die potentielle Gefahr wird ihn allerdings nicht ungehindert freigeben.

Heute Morgen schließt der Gasölpreis auf dem unteren Niveau des Vortags an. Die Tonne kostet 620 $.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie folgen dem Weltmarkt mit etwas Abstand. Im Inland gibt es nach wie vor das Problem partieller Engpässe, die die Preise hoch halten. Die hohe Nachfrage und eine dafür unzureichend aufgestellte Ölindustrie sind der Kern des Problems. Dass die Nachfrage so hoch ist, geht auch auf das Konto der bevorstehenden MwSt.-Erhöhung. Die Preise können mittlerweile als den Umständen entsprechend gut bezeichnet werden. Wer vor dem Winter Heizöl benötigt, sollte kaufen.

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