Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Preise im Richtungskampf

Die Preise zappelten gestern aufwärts. Der kurzfristige Trend läuft seit drei Wochen seitwärts. Die Versorgungslage lässt die Chance auf weiteren Preisrückgang offen. Aktuell wird diese aber durch einige bullische Impulse verhindert. Die US-Wirtschaftsentwicklung wird widersprüchlich dargestellt. Mehrheitlich ging man zuletzt von einer Abkühlung aus. In ihrem Konjunkturbericht gibt die US-Notenbank nun eher eine expansive Einschätzung wieder. Dem Dollar half das nicht. Nach einer mehrtägigen Rallye gab er gestern nach.

Mit einem Tag Verspätung wurden die wöchentlichen US-Bestandsdaten veröffentlicht. Sie lassen diesmal Spielraum für Interpretationen. Händler entschlossen sich für eine leicht bullische Sichtweise. Die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lauten wie folgt:

Rohöl: +2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,1 (DOE) bzw. ein Abbau von 1,1 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und deutlich höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf schwache 89 Prozent gesunken.

Für den bullischen Impuls sorgten die Rückgänge bei den Produkten. Sie wurden in dieser Form nicht erwartet. Die Tatsache, dass die Gesamtvorräte weiterhin auf einem Siebenjahreshoch stehen, sollte dem Impuls keine über den Moment hinausgehende Bedeutung geben.

Ein weiterer bullischer Impuls kam aus Norwegen. Dort wurden zwei Ölfelder aus Sicherheitsgründen geschlossen. Damit fehlen dem Markt 11 Prozent der norwegischen Produktion. Das entspricht 0,3 Prozent der Weltproduktion.

Die OPEC bemüht sich weiterhin um eine Linie in Sachen Lieferkürzung. Die offizielle Formulierung nennt einen Konsens über eine Einschränkung von 1 Mio. Barrel pro Tag. Wer wie viel einschränken soll, ist noch nicht geklärt. Wann die Kürzung einsetzt, ist ebenfalls offen. Ein außerordentliches Ministertreffen könnte Anfang November stattfinden. Das Thema wird die Ölpreisbildung noch über Wochen begleiten.

Zu den Einflussfaktoren gehört nach wie vor der Atomstreit mit dem Iran. Seine Bedeutung wird auf längere Sicht vermutlich schwach bleiben. Als abgehakt kann die Einflussmöglichkeit von Hurrikanen in den USA angesehen werden. Die Einschränkung der norwegischen Produktion wird wahrscheinlich von kurzer Dauer sein. Die US-Konjunktur wird kaum rasant wachsen. Die Versorgungslage wird mittelfristig als gut bis sehr gut eingeschätzt. Daher bleibt die Chance auf weiteren Preisrückgang nach unserer Meinung erhalten. Das gewichtigste Gegenargument ist die Marktpsychologie um die 60-Dollar-Marke. Ein Unterschreiten ruft bullisch eingestellte Spekulanten auf den Markt. Ihr Argument sind die teurer bewerteten Kontrakte mit längerer Laufzeit.

Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 540,25 $. Damit wurde das leicht erhöhte Niveau von gestern Abend bestätigt. Eine Tendenz für den Tagesverlauf ist nicht zu erkennen.

Unsere Heizölpreise ziehen leicht an. Insgesamt befinden sie sich seit einem Monat in einer Seitwärtsbewegung. Die Industrie hat es Dank der hohen Nachfrage geschafft, die rechnerische Preisüberhöhung aufrecht zu halten. Mit abnehmender Nachfrage wird diese Überhöhung abgebaut. Steigende Weltmarktpreise müssen somit nicht umgehend zu steigenden Heizölpreisen führen. Aktuell sind die Lieferzeiten wegen der vollen Auftragsbücher des Handels noch sehr lang.

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