Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Preise im geordneten Rückzug

Die Rohölvorräte in den USA sind überraschend gestiegen. Die Benzinvorräte sind ebenso überraschend stark gesunken. Dieser Umstand zerrte in beiden Richtungen an den Preisen. Im Tagesergebnis gab es ein leichtes Minus für Rohöl und Gasöl. Benzin legte zu. Der Dollar verlor deutlich an Wert. Am Devisenmarkt spekuliert man auf eine Zinserhöhung in der Eurozone.

Der von den USA dominierte Ölhandel wird nach wie vor durch eine kritische Sichtweise zur Wirtschaftsentwicklung des Landes beeinflusst. Ursächlich ist die US-Immobilienblase. Ihre Existenz und die von ihr ausgehenden Gefahren sind seit Jahren bekannt. Jetzt zieht sich die Blase zusammen und entlässt ihren giftigen Gehalt. Notorisch verschuldete Konsumenten, sie sind die schweigende Mehrheit der Bevölkerung, geraten in Zahlungsnöte. Für weiteren Konsum fehlt das Geld. Das kann nicht ohne negative Folgen für die Konjunktur bleiben. Die US-Wirtschaft bekommt ein Wachstumsproblem. Die Nachfrage nach Ölprodukten wird geringer werden. Der Nachfragerückgang wird allerdings nach heutigem Prognosestand durch die weltweite Entwicklung überkompensiert. Sobald die Finanzmärkte ihr Problem in den Griff bekommen haben, wird der bärische Einfluss der beschriebenen Entwicklung überwunden sein. Dann ist die Rückkehr zum Aufwärtstrend zu erwarten.

Der für die Ölanlagen mittlerweile als ungefährlich geltende Hurrikan Dean bringt zwar keinen bärischen aber immerhin auch nicht den möglichen bullischen Impuls. Damit bleibt den Preisen derzeit ein Auftriebsszenario erspart. Die Prognosen der Hurrikanzentralen geben für die kommenden Wochen keine Entwarnung. Es sollen weitere Stürme folgen.

Die geopolitischen Störquellen spielen momentan kaum eine Rolle an den Börsen. Iran, Irak, Nigeria, weitere Lieferländer und die OPEC werden wenig diskutiert. Die Zurückhaltung der OPEC bezüglich einer Erhöhung der Liefermengen ist angesichts gut gefüllter Rohöllager plausibel, auch wenn die IEA (Internationale Energieagentur) das anders lautend kommentiert. Die Haltung der OPEC könnte im vierten Quartal für Preisauftrieb sorgen, wenn die Erwartung eines spürbaren Nachfrageanstiegs zutreffen sollte. Dann wird vermutlich auch die USA Raffinerieschwäche wieder bullisch thematisiert werden. Bereits heute sind entsprechende Signale zu erkennen.

Die gestrige Preisbewegung war maßgeblich mit den US-Bestandsdaten verknüpft. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) meldeten erneut rückläufige Gesamtbestände. Für Rohöl wiesen beide Institutionen einen Aufbau aus. Folgende Zahlen wurden präsentiert:

Rohöl: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,5 (DOE) bzw. 3,2 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind deutlich gegenüber der Vorwoche gestiegen und etwas höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit hält sich bei 92 Prozent. Im langjährigen Vergleich ist der Gesamtbestand gut.

Heute Morgen ist wenig Bewegung in den Preisen. Die Tonne Gasöl kostet 611,50 $. Auf diesem Niveau endete der Handel gestern Abend.

Unsere Heizölpreise geben nach. Der Ölmarkt und der Devisenmarkt arbeiteten gestern für die Verbraucher der Euroländer. Aus dem internationalen Ölmarkt kommen weiterhin moderate Signale für Preisrückgang. Von einem drohenden Preisverfall kann nicht berichtet werden. Um die Heizölpreise unter das alte Augusttief zu treiben, bedarf es der Währungsunterstützung. Der Dollar müsste seine jüngsten Gewinne wieder abgeben.

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